Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 11 (10.3.1868)
- Date
- 1868-03-10
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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verloren, und unsere Zelt, so arm an Charakteren, so reich an Männern, die mit der Gewalt liebäugelnd den Wagen nach rückwärts anspannen, hat wohl -keinen Mangel an Regulatioschulhclden, wohl aber an Männern, die bereit und fähigwären, einzustchen mit. Kraft und Muth für das, waS den Fortschritt der Menschheit bedingt, auch wenn ste selbst unter die Räder des nach rückwärts gezogenen Wagens geworfen und zertreten werden. Da ist vor allem der Einzige und Unvergeßliche, Diesterweg, zu nennen; dann aber auch Dreßler, Honcamp, Hemer — die wackersten Mitarbeiter deS Meisters. AlS Anfangs des -Jahres 1866 ein heftiger Kampf zwischen den zwei in ihrem Streben so reinen, Diesterweg nahe stehenden Männern, Dreßler und Honcamp, in Diesterweg's pädagogischem Jahrbuch und in den rheinischen Blättem *) entbrannte — w.-h hätte es da denken sollen, daß diese drei Männer so kurz nachher in die ewigen Gefilden des Friedens heimgegangen wären, wo aller Streit ein Ende hat, auch der, den die Weisen des Judenthums als einen verdienstvollen preisen, der Streit aus edlen Motiven. Von diesen Gedanken getragen, haben wir die neueste und — letzte Schrift Dreßler's gelesen, das obengenannte Werk. Der Schwerpunkt von Dreßler's Leben, seine hohe Bedeutung, lag in der Popularisirung der „neuen Psychologie" von Beneke, deren Ausbildung er viele ausgezeichneten Schriften und Aufsätze (in Diesterwegs Jahrbuch) widmete, die erst durch ihn eigentlich für den Volkslehrer umgeschaffen oder besser geschaffen wurde. So widmete er diese auch eine letzte Schrift diesem Zwecke. Mit Recht konnte Dreßler hier die Bezeichnung „neue" Psychologie unterlassen. Es handelt üch hier nicht um Streitpunkte, zwischen alter und neuer Psychologie. Dieses Buch in seiner Einfachheit und Klarheit, in seiner gediegenen Ausführung, in Ferm und Wesen lehrt dem Lehrer, was er wissen muß, um die Seeleukräfte in ihrem Wesen und in ihrer Entwicklung zu! erkennen. Darum empfehlen wir eallen Lehrern vor allen! anderen einschlägigen Schriften zum Studium. Es behandelt! in zwei Abschnitten: I. Psychologie. 1) Von den Kräften : der Seele, durch welche sie äußere Eindrücke aufnimmt. 2) Von der Reproduktion der Spuren. 3) Von der innern Fortbildung des sinnlich Entwickelten, welche durch die gegenseitige Anziehung der Gleichartigen bedingt ist, Begriffe, Urtheile, Schlüsse. 4) Von einigen besonders wichtigen Borstellungsgruppen und Vorstellungsrethen. Das Ich. 5) Von den verschiedenen Strebungen, zu «eichen sich die Urvermögen der Seele ausknlden. 6) Von der Entwicklung der Urvermögen zu Gefühlen. 7)- Von dem Verhältnis zwischen Seele und Leib, von Schlaf und Traum und von! der Anbildung, neuer Urvermögen, den Temparamenten : und den Gefühlm. — IT. Logik. .1) Bon den Begriffen, j 2) Von den Urtheilen. 3) Von der logischen Verschmelzung! der einfachen Urtheile. 4) Von den logischen Folgerungen j oder den analogischen Schlüffen. 5) Von den reellen Fol-; gerungen oder den synthetischen Schlüffen. Von den zusammengesetzten Schlüffen, von der Verkürzung der Schlüffe und von den Fehl- und Trugschlüssen. Von der Begrün- *) Ueber den ersten Sprachunterricht (Becker) und die Grundbegriff« der Sprache. düng der menschlichen Erkenntniß und den wissenschaftlichen Methoden. | Das enthält das Buch. Wer glaubt, ohne psychologische Erkenntchiß in der Schule fertig zu werden, der probire es und lasse das Buch unterwegs, das, so klar und einfach es geschrieben ist, doch einen denkenden und strebenden Leser erfordert. Wer aber nach Geistesnahrung ausgeht, guten Appetit hat, der greife zu diesem Buche und — wohl bekomm's l — Wochenbericht*). Worms. 26. 5cbr. : Am jüngsten Sabbath drängte sich ein fremder, welcher dein (Gottesdienste in der Synagoge beiwohnte,;nr,8eit, als die Predigt beginnen sollte, vor dein Rabbiner auf die Kanzel, warf den Mantel ab, sind stand da in der Kleidung eines katholischen Priesters. Er batte eben lyit den Worten;u reden begonnen: (Gemeinde," als die ganze Gemeinde rief: „Hinaus, hinaus!." Er ging und inan lileü ibn geben, und Rieniand weiß, woher er keim lind wobin er ging, wer er ivar und was er beabsichtigte.! Frankfurt, 2. Bkärz. Das Januarheft der Frankel'schen Monatsschrift belichtet über die Festrede, welche Dr. Goldschmidt beider diesjährigen Mendelssolm's-Feier in Leipzig gebalten hat, und bebt hervor, daß durch diese ein gan; neuer Gesichtspunkt für die Bein tbeilung Mendelssobn's in feinem Einstusse auf die deutsche Zudenbeit aufgedückt und ausgestellt wird, wonach M. auf sticht« weniger, denn auf religiöse Reform im Iudentbum ausgegangen sei, sondern nur die Juden auf das keltische Eulturleben hingelenkl babe. Wir entsinnen uns. ans diese Idee bereits in einem reckt schön gehaltenen Äussalre der „Achawa" (867, S- 199: „Ueber die religiöse Richtung Moses Menvelsi'obn's von Di-. Rothschild" gestoßen zu sein. Wir überlassen es den betreffenden Herren Gelebrtenlselbst, sich für die Originalität ihrer Idee zu streiken. Möglich! ist es auch, daß Jeder unabhängig von dem ändern sie gedacht bat. Dies würde alsdann mir um so lauter für ibre Wahrbeitsvrechen.. Aber davon müssen-wir reden, daß der Berichterstatter aus dieses Idee Eapikal gegen die Berechtigung der Reform zu schlagen scheint, da der Reforinpartei doch der bedeutsame Eborfülirer , als welcher' Mimmer gegolten bat, genommen unk durch.den:>ipchweis, daß M. jeder Reformbewegung abhold gewesen, der Boden unter den Füßen geschwunden sei. (Gerade deßbalb Verrveisen wir auf jenen Aufsap der Achawa, wo das Berbältniß tstf.'s zur religiösen Reformbewegung der deutschen Istkenbeil ins rechte Vickt gestellt und nackgewiesen ist, was das Iudeurdum der (Gegenwart der init Mendelssohn und nach ihm ftcb_ entwickelnden modernen Theologie zu verdanken bat. '.Kassel, 27. Febr. Der Vokalanssckuß der 17. allgemeinen deutschen i'ebrervörsammlnng bat dieser Tage den Antrag, das Gesuch für Einrüuinung der lutherischen Kircke zu wiederholen. abgelebnt und den Hauch'schen Saal für die Verhandlungen bestimmt. (Man scheint also stillschweigend von der Synagoge abgegangen zu sein. Warum'? sCöln, 23. Februar. Der geheime Commerzienryth Abraham Oppenheim dahier hat den preußischen Freiherrntitel erhalten. ES ist dies der erste Jude, der in die preußische AdelSmatnkel ausgenommen worden, während bisher in Preußen die Robilifirung von der Annahme der Taufe abhängig gemacht wurde^ Die AdelStitel haben ihre _ _;_—— .