Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 11 (10.3.1868)
- Date
- 1868-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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liMliX.'.V-» •“■'MU. AMI». .. I Der IsmeMsrKe Iclirei Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes. Organ für den Verein „Achawa." J\@ 11. Mainz, den 10. März. 1868. (Achter Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher AbonnementcpreiS 27 kr. — '/* Thlr. Bei frankirter Zusendimg unter Kreuzband jährlich t fl. 2» fr*=24 Sgr. und den Betrag des Portos. Vnzeigen zu 1 Sgr. die Petit,eüe. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungm an. j Das Zuviel in der jüdischen Schule. (Fortsetzung.) \ jj Wir könnten die Belegstellen aus neueren Schriftstellern, «eiche gegen die beliedte Vervielfältigung der Unterrichtsstunden und Unterrichtsfächer ankämpsen, noch fehr vermehren, wenn der Raum unseres Blattes es nur zuliebe. Rur noch fit} JTOnrt wollen wir ansühren. Direktor vr. Hauschild erzählt: „Ich saß nnt ungefähr sechSzig anderen Lehrern zu den! Füßen eines Professors der Anatom,e (Bock), der die Güte hatte, uns üder die leibliche Pflege der Kinder Vorlesungen zu halten; er hatte zwei größere Schädel, den Schädel eines Kindes und den eines Erwachsenen mitgedracht, schritt durch unsere Reihen, nöthigte uns, das freiliegende Gehirn in beiden Schädeln zu betrachten und sagte dazu: „Hier haben Sie das Gehirn eines Erwachsenen; da fühbn Sie, wie kräftig und derb; und da haben Eie das Gehirn eines Kindes; fühlen Sie es an, wie zart und weich: und nun, meine Herren Lehrer, haben Eie Erbarmen!" „Ja, haben Sie Erbarmen!" Die jüdische Volksschule hat die Pflicht, allen gerechten Anforderungen zu genügen. Sie darf sich dieser Pflicht nicht entziehen, sei sie nun Elementar- oder Religionsschule. Man hat in letzterer Zeit, auch in diesen Blättern, die Zahl der Schulstunden in der jüdischen Schule aus 33 fixirt. Das gibt, abzüglich des Sabbath und eines freien Rachmittags, sechs Stunden täglich! Hierzu kommen Hausarbeiten, Privatstunden in Nebenfächern, Handarbeiten für Mädchen; und was bleibt übrig? Ein siecher Körper, ein stumpfes Geistesvermögen I Charakter, Willensstärke, Klarheit des Blicks leiden Noth, wenn nicht das Aergste kommt! Ein neuerer Arzt will behaupten, daß ein Drittel, insbesondere der Mädchen aus den mittleren und höheren Klaffen der Städte, entnervenden geheimen Lastern fröhnt. Gräßlich I Darf man dazu schweigen? Ist HerauSsazen nicht heilige Pflicht des LehrerS? Wir müssen also auf Abhülfe bedacht sein. Diese Abhülfe darf weder den Charakter der jüdischen Schule als solcher, noch auch die Art und Weise des Volksschulunterrichts beeinträchtigen. Eie muß eben das der Natur des Kinder angemesienene, das Nutzlose, die Zersplitterung der Zeit und Kraft zu vermeiden streben. . Ist diBsAbhülfe möglich? Allerdings I Gott hat de« Menschen mit Geistes- und Seelenvermögen geschaffen, die im Großen und Ganzen mit den Körperkrästen in innigster Harmonie stehen. Er hat ihm die nöthige Kraft gegeben zur Erfüllung seiner Aufgabe und seines Berufes. Zeit, Kraft und Bedürfniß miisien mit einander in Uebereinstimmung sein, müssen sich decken. Reicht die Zeit und Kraft nicht hin zur Bewältigung der Aufgabe, die wir uns gestellt haben, so sind nur wir im Jrrthum, im Unrecht, nie die Natur; haben wir die Harmonie der Kräftegestört, muffen wir die Aufgabe beschränken auf das, waS wir leisten und durchführen können. DaS höchste Zeitmaaß für den Unterricht in der Schule für Kinder bis zum Alter von 14 Jahren ist wöchentlich 22 Stunden; das höchste Maaß für dir Hausaufgaben darf eine Stunde täglicher Arbeit nicht überschreiten. Alle »übrige Zeit ist der Kräftigung und Ausbildung des Körpers gewidmet. Nur in einem gesunden Körper wohnt eine gesunde Seele. Wie ist daS «inzurichten? Das kann nur ermöglicht werden durch richtige Concentration, nicht durch die falsche, die einen Gegenstand in den andern einschachtelt; dies Ziel kann nur erreicht werden durch gehörige methodisch durchgebildete Lehrer. Ob die Lehrerbildung, wie sie neuerdings angestrebt wird, hierzu besah gt, muß der Gegenstand einer weiteren Untersuchung werden. Concentration ist daS Zufammenfaffen der Kraft auf einem Punkte. Sie steht dem Umhertasten und Uwherflattern, das mehr ein Naschen, als ein gesundes kräftigendes Nähren ist, durchaus entgegen. (Forts, folgt.) Bücberschau. Die Grundlehren der Psychologie und Logik. Ein Leitfaden zum Unterricht in diesen Wissenschaften für höhere Lehranstalten, sowie zur Selbstbelehrung. Von G. Dreßler, Seminar - Direktor a. D. in Bautzen. Leipzig. Verlag von Julius Klinkhardt. 1867. Das Jahr 1866, dessen welthistorische Bedeutung so verschiedenartig beurtheilt, dessen Folgen von dem Einen; so hoch gepriesen, von dem Andern so sehr geschmäht wird, i hat jedenfalls in einer Richtung unleugbar tiefe, empfind- : liche Wunden geschlagen, nach deren Heilung wir vergeblich! ausschauen. Die deutsche Lehrerwelt hat in diesem und in! dem vorhergehenden Jahre (1865) einige ihrer besten Männer