Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 6 (4.2.1868)
- Date
- 1868-02-04
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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23 Unterrichte derselben zuzuschreiben. — Die dem Seminar bis jetzt bewilligte Subvention von 500 Gulden floß aus der israelitischen Generalcultuskasse und wurde fast gänzlich zur Unterstützung der Zöglinge verwendet; für die Bemühungen ihres HauptleKrers blieb nur ein Minimum übrig. Es wäre daher im Interesse der Humanität sehr zu bedailern, wenn eine Anstalt, die zuin Besten einer noch vielfach zuriickgesetzten niederen (?) Bolkssckichte gegründet ist. ans Mangel an Mitteln eingehen müßte. — Es verlautet nun weiter, daß einige Borstände, welche diesbezügliche Anträge bei dem König!- Ministerium »lackten, sowohl in dieserals auch in anderen Beziehungen ungenügende und ausweichende Antwort erhielten. LZom R b ei»,' 15. Januar. in :>:j jcp f>b Deut. 10, 10. Die Ricdrüberlrelung dieses Berbots fordert Anstand und Stlllickkeit aus allen Gebieten inenscklicker Tbäligkeit und des Lebens. Schwerlich dürste -sich Jemand finden, der gegen diese Behauptung Widerspruch zu erbeben wagen wird, eben weil durch solchen Wider'- j spruck die dein Rebenmenschen in allen Schickten der Gesellschaft schuldige Rücksicht aufgehoben würde. So richtig und selbstverständlich dieses nun inimerbin auck sein niag, io bat es veimock eine Zeit gegeben, wo dieses Berbol von Lehren« gänzlich außer Ackt gelassen «vurde. Wir meinen in der Zeit des seligen Elvdar wciens. Denn als dieses nocki in Blütbe stand und die Gemeinden die sogenannten Lebrer, besser Ebedarbalter genannt, uur für sechs Monate anstellien, snckiten diese Subjekte 'ehrenhafte Ausnahmen bat es allerdings gegeben), welche auf allen Gebieten deS Lebens Schissbruch gelitten bauen, und deren pädagogische Befähigung nur darin bestand, daß sie die Tbiere rite abschlachte», *7i7 ni trillern und die Kinder quäle» konnten, stets die Stelle des Eollegen sich anzueignen, indem sie öffentlich und heimlich auf jede Weise dessen Persönlichkeit und Leistungen berabzuivürdigen strebten. Man konnte' von diesen in der Regel hergelaufenen, aller Bildung baren Menschen, in deren Wörterbüchern Silke und Anstand nicht verzeichnet standen*), gewiß kein anderes Betragen erwarte». Rur auffallend muß es erscheinen, daß sich auch oft größere (Gemeinden — von den kleinen, wo dieses Regel «var, nick", zu reden, worin dock noch iminer ein Fonds von talmubischer Gelehrsamkeil anzulresfen war — solche Leutchen zu Erziehern ihrer Kinder erwählten und so deren Treiben gewissermaßen Bor- «ckub leisteten.! Warum wir lteute dieses unerquickliche THeina' berühre»? Weil leider noch bellte jenes Geschleckt nickt völlig ansgestorben zu sein scheint,' und es auck noch beule Lehrer gibt, die sich, obgleich sie nach de» Anforderungen der Zeit gebildet worden sind, als die moralischen Rackfolger der soeben gezeichnete» Ehevarbalter betrachten —, ihren Eollegen aus seiner Stellung zu verdrängen keinen Anstand nehmen und sicher auck keine Getviisensbiise darüber *) Wenn wir auch deingeehrten Eollegen durchaus beistiiniiien, so dürfen wir doch nicht vergessen, eines wiederholt zu constatiren: Die jüdischen Lehrer oder Ba-tnirim jener Zeit waren nicht schlechter als ihre christlichen College» in'jener Zeit, öder die „Dorfschulmeister" von Anno dazumal. Wenn wir die allgemeine Bildungshöac nach dem einzigen richtigen Maßstab bemeffen, der sich aus dem Wesen und den Verhältnissen der Gesammiheit des Volkes ergibt, so standen di« Bachurinl Sjm im Ganzen höher als jene Dorfschulmeister; halten sie, die zumeist ildling« großer p>o'r> waren, mindestens ein dem Gesammtculturstand analoges Dissen. Was aber wußten jene Dorfschulmeister? Wir wollen uns hüten, zuzugebm, daß das Niveau der gesammten Volks- «ütur in seiner Eigenartigkeit unter der Judenheit jemals niedriger stand als in der Christenheit. Red. empfinden. Auch gibt es nock Gemeinden genug, die Dfli Lehrer gleich einem Kleide wechseln, und so eine segensreiche Iugendbildung an der Wurzel vernichten, und dein unseligen Treiben jener Subjekte inlr den enviinsckten Borsckub leisten. So lange ei» solches Gebaren im Dunkeln schleichen kann und vor die Sessentlickkeir nickt gezogen wird, wird es immerhin fortgedeihen und seine giftigen ,rriickle Kur Reffe bringen« ziebt man es aber ohne Rilcksickit vor das Forum der Oeffenilickkeit, so ist seine zu erwi'inscbende Beseitigung «venigstenS mit der Zeit zu hoffen. Derartige Fälle, wo sie auck nur iminer Vorkommen mögen," vor die Oeffentlichkeil zu bringen,, ballen wir im Interesse sowohl der Gemeinde», als auch unseres Standes jeden Lehrer für verpflichtet, und sind wir überzeugt, daß diese Blätter, die rücksichtslos der Tckmle dlenen, solche» Beröffentlichungkn-gerne ibre Spalten öffnen werken. Denn Rücksichtsnabme hieße'hier sich gegen sich selbst versündigen.. Mir der Mikkheilung eines derartigen eklatanten Falles, worüber wir raS Urlbeitden Lesern überlassen, wollen wir nnsern heutigen Artikel schließen. Beverungen ist ein Sri in Westpbalen an der Boeser., Er enthält eine der zahlreichsten jüdischest «Gemeinden der Provinz. Diese Gemeinde suckr im Wechsel der Lebrer das möglichst Erreichbare zu leisten. Denn kaum ist der Lehrer engagirt und liat der-' selbe seine Stelle angelreieu, so gebt ibr angestrengtes Studium dabin, >vie man den Lebrer reckt bald wieder entlassen kann. Bor bald zwei Iabren nun «vurde von dieser Eiemeinde der Lehrer 2. Woliskon angettelll, ein Man», dersich stets in allen Gemeinden, wo er gewirkt, nicht uur die höchste Zuniedenlieil der Bor-, gesetzten, sonder» auch der Gemeindemirglieder, was durch un- «vidertegbare Dokumente konstaliri werken kann, erworben hat. Hier vermochte er dieses znm erste» Male in seinem Leben nicht, unk daS eben genannte Slnduun begadln. so zu sagen, fast gleich nach seinem Amtsantritte in dieser lGemeinde. Herr Wolfsdorf erkrankte an einem Augenübel, ob in Folge der hier erhaltenen unzähligen Rakelsticke wollen wir nnenlschieden lassen; dessen Frau erkrankte und auch die Kinder, .wovon eines starb. — In dieser traurigen, gewiß bei jeden« fühlende»'Menschen das Mitgefühl wachrufenden Lage baue fick derselbe einer zu großen humanen Riicksichtsnahnie Seitens, seiner Gemeinde, eie dock bei^ Juden im reichlichen Maße stets staltzufinden pflegt, nickt zu erneuen. Mg» unterhandelte vielmehr »tu timt über seuie Beseitigung, ging auch die Regierung hierum an, gelangte aber nickt ztim Ziele, da der Kreispbrstikus in Hörler, bei welchem Wolfsdorf fick in folge kessen wegen der Fähigteil zur Wahruehmnng seiner Fnnklisuen barte untersuchen laffen müssen.,der Regierung erklärte, daß er seine Pflichten wahrzuuehiuen im Stande wäre. Endlich war man aber so glücklich > kündigen zu tönnen, indem der zu diesem Zivecke im Eonrräkte vorgesehene Zeitpunkt erschienen .war. Eine öffentliche Bakauz wurde aber nickt ausgeschrieben, weil mau wahrscheinlich dieses kcheute, indem früher schon von emeiu Lebrer in einem öffentliche» Blaue über die Beschaffenheit der Steste. Andeutungen gegeben worden «varen. Man ließ daher zuerst Herrn Leinee Katz, Hauslehrer bei Hrii. Rothschild iu Merrbanse», kommen. Er erschien, besuchte aber seinen Eollegen W. nickt, cxaminirre jedoch biNer^ denen Oiiicken des Abends beim Lampenlichte dessen Schüler in <Gegenwart des Borstandes und der' GemeiiiLemicglieber, «v»rde aber dennoch nickt engagirt. Run fand sich wahrscheinlich ckuf Berlangcn deü Borstandes der Lehrer Ur. Mansback aus Götlingen dort ein. Derselbe abmte das Berfahrcn des Hrn. Katz nach; nur bat er am Samstagnachmittage die Prüfung der Schüler i