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Der israelitische Lehrer · 1868-01-08 · 2 (8.1.1868) · p. Seite 7

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
2 (8.1.1868)
Date
1868-01-08
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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7 Niedrige und Unsittliche mit Verachtung auf die Sette geschoben. Ich hoffe daher keinen unwichtigm Gegenstand zur Sprache zu bringen, wenn ich über die Geschmacksbildung der Jugend einige Bemerkungen hier niederlege. Vor Allem muß ich hier bemerken, daß die Bildung des Geschmackes bei der Jugend nicht allein Werk der Schule und des Unterrichts sein kann. DaS Meiste muß in dieser Beziehung vom Elternhause und von den nächsten Umgebungen des Kindes ausgehen. Wenn die Angehörigen de« Kindes den Sinn für da» Schöne nicht frühzeitig in ihm wecken und pflegen, so fehlt es an der nöthigen Grundlage, auf welcher später Die Schule das herrliche Gebäuoe der Geschmacksbildung bei den Zöglingen aufrichten könnte. Da« Elternhaus muß dadurch die ersten Keime des ästhetischen Sinnes im Kinde wecken, daß seine Angehörigen die Liebe, für Reinlichkeit, Ordnung und Wohlanständigkeit frühzeitig bei ihm anregen und pflegen. Das eigene Beispiel de- VaterS, der Mutter, der Geschwister und der übrigen Umgebung wird hierbei mehr und nachhaltiger wirken, alS alle Lehren und Vorschriften. Dabei dürfen die Eltern und Erzieher eS nicht versäumen, das Herz der Zöglinge früh für die Schönheiten der Natur empfänglich zu machen. Der Auf- und Untergang der Sonne, der Anblick des Regenbogen-, eines majestätisch dahinfließenden Stromes, einer im Morgenglanze sich ausbreitenden Landschaft, die aufmerksame Betrachtung der Blume--weit rc. rc. bieten dem Erzieher willkommene Mittel dar, der Kinder Gemüth für die herrlichen Schönheiten und Genüffe, welche die Natur, dieser große Tempel . er. Herrn, -in ihren heiligen Hallen entfaltet, zu begeistern. Sind die Eltern und Angehörigen des Kindes Freunde und Pfleger der schönen Künste, sind fle im Besonderen musikalisch, so sind auch hierdurch d.n zarten Pfleglingen Quellen des Genusses eröffnet, welche auf ihre Geschmacksbildung schon früh den heilsamsten Einfluß äußern werden. Wie manche Stunde können vie Zöglinge durch Musik, Gesang und Zeichnen edel ausfüllen! Wie wird ihnen dadurch auch daS Haus lieb und werth I Wie lassen sich diese reinen Genüffe mit sittlichen Gefühlen in schöne Harmonie bringen! Zugleich sind die Uebungen der Kunsttalente ein wirksames Verwahrungsmittel vor der Lesesucht. Bei Kindern, welche von der Natur mit reichen Phantasie- und Gesühlskräften ausgestattet wurden, erwacht nicht selten unvermerkt ein starker Hang nach llntertzaltungSfchriften, besonders nach solchen, welche die Neugier spannen und die Phantasie beschäftigen. Reichlich und leicht wird dieser Hang durch die in unserer Zeit allgemein verbreitete Lesesucht genährt, die, durch überall sich vorfindende Leihbibliotheken und ColporteurS gefördert, selbst den Eltern oft Schlechtes und Sittengefährlicher in die Hände spielt, das denn öfter auch in unbewachten Augenblicken von den Kindern leider ergriffen und gelesen wird. Belehrend und warnend ist in dieser Beziehung das ttagische Schicksal Karls von Hohenhausen, das feine unglückliche Mutter in einer eigenen Schrift (Karl von Hohenhausen, „Untergang eines JünglmgS von 18 Jahren." Braunschweig 1836) beschrieben hat. „Wir lasen," sagt sie, „in unseren literarischen Abendgesellschaften auch Heine'S Erzeugnisse (e« werden die beiden Trauerspiele Ratkliff und Almanfor genannt, in welchen der Selbstmord eine bedeutende Rolle fpiett). Karl, der damals eine der Berliner Schulen für Knaben besuchte, die «och nicht zum Gymnasium reif sind, und bereits lesen und schreiben konnte, hörte aufmerksam zu; als aber sein Vater bei der Vorlesung des Ratkliff ein« Stelle unoersehms überschlug, sprang er lebhaft auf ihn zu und sagte: „Nein, nein, Vater, daS kommt nicht, so heißt es nicht." Wir erstaunten und erfuhren auf diese Weise,- daß der sechsjährige Knab« schon Heine'S Trauerfptele leider nicht nur gelesen, sondern auch ganz in seine Phantasie ausgenommen hatte." Auch in'S Theater wurde der frühreife' Knabe zuwellen mitgenommen. Hierbei drängt sich uns die Frage auf, ob eS rathsam sei, Kindern den Besuch VeS Theaters zu gestatten. Manche Eltern huldigen nämlich der Ansicht, daß der öftere Besuch de- Schauspielhauses von Seiten ihrer Kinder die Bildung des ästhetischen und sittlichen Gefühls derselben ' ungemein befördern könne. (Schluß folgt.) - Wochenbericht. >t ein, 23. Dec. Heute fand eine Wabl von principieller Bedeutung in unserer Stadt statt, indem es sich darum bandelte, ob ein Israelite oder ein Canvidatwrs-tatbolischen Partei in der engeren Wabl für daS Stadtverordneten - Collegium durchgesetzt werde. Bon beiden Seiten leistete man, was nur;u leisten war, Vie Wähler' aus ihren Hausern an den Wablkisch zu bringen. BiS b'U Uhr war der Kaufmann Will,. Hertz, Candidat der Israeliten und des Handelsvereins, im Borsprunge: dann aber gewann der Kaufmann Tb. Wolff eine gering« Btajorität und blieb' in derselben. Bon 718 Wählern gaben 3ö1 'dein W. Hertz und 367 dem Tb. Wolff ihre Stimme. Es baben über 58 vEt. der Wähler ibre Stimme abgegeben und die Israeliten dürfen mit dem Resultate trotz ihrer Niederlage gewissermaßen zufrieden sein. I Trier, im Dec. 1867. In Folge der gefaßten Beschlüsse in j der Bersammlnng der Notablen auö Weftpbalen und Rheinland j im Nov. des vorigen Iabres zu Eöln, davon auch im „Israel. Lebrer" zur Zeit Erwähnung geschah, wurden im Berlanf des j Iabres die fünf Mitglieder des Euratvriums und deren Stellver-! trerer von den Gemeinden beider Provinzen gewählt und von dem Provinzial-Schul-Eollegium zu Münster bestätigt. Die Mitglieder sind: 1 Herr.Metz, Kaufmann in Münster, 2) Herr Rothschild, Banguier in Minden, 3) Herr Levy, Lollerie-Collecleur und Borsteher in Aachen, l Herr S. M. Frank. Kaufmann und Präses deS Bon'tandes in Eöln und 5>) Herr Ober-Rabbiner Kahn in Trier. Diese Hcr ren wurden auf den 27. des vor. Mvn. nach Münster eingeladen, znm Zwecke der Einführung in ibr Amt durch daS Provinzial-Schul-Kollegium und zur Beratbung und Feststellung der Statuten der Marks-Haindorf'schen Stiftung. Diese werden nächstens'im Druck erscheinen und den betreffenden Gemeinden zugesandt werden. Die Stelle des Directors des Lehrer-Seminars ist bereits ausgeschrieben und ist zu ivünscben, daß sich tüchtige Männer um dieselbe bewerben. Bo» > der' Wahl des Direktors hängt fcbr viel für das Gcdeibcn der ^cnovirten Anstalt ab. Die Gemeinden müssen aber auch das Ihrige thun, um diese zu unterstützen und zu erhalten. Mögen sie daher' ihre Beiträge reichlicher wie bisher spenden und mögen auch die geehrten Herren Lehrer ihren Einfluß auf ihre Gemeinden in dieser Beziehung gellend machen, was von ihnen mit Recht erwartet wird. . . . n. Berlin. Da haben wir die Bescheerung! Die Zeitungen berichten: Der Abgeordnete Harkort h<t als Commiffär des Abl r

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