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Der israelitische Lehrer · 1867-12-19 · 51 (19.12.1867) · p. Seite 207

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
51 (19.12.1867)
Date
1867-12-19
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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207 Das Iudenthum ist eine gar zu mächtige in seiner Totalität aufzufassende Erscheinung, gerade durch seine große Vergangenheit und die nach unserem Glauben und Hoffen glänzende und erhabene Zukunft! Darum ziemt einein Organe des Iudentbums ein weilergehender Raine, als ein solcher, der es nur;um Tummelplätze für die Kämpfe des Tages gleichsam äußerlich kennzeichnet- Im Namen sei die Idee gekennzeichnet. — Es fällt unS nickt im Entferntesten ' ein, hiermit einen Tadel gegen Tendenz und Haltung dieser Blätter auszusprechen, die ja, soweit religiöse fragen im engeren Sinne in unser Bereich fallen, dem unseren verwandt sind. Wir wollten nur iin Allgemeinen eine Ansicht anssprechen über Würde, Bedeutung und Alifgabe der jüdischen Preise. Red. Alzey, A. Dez. Der deutsckkalbol«cke Prediger Hr. Scholl in Mannheim hat jüngst hier astronomische Vorlesungen geleiten, um an nalurbistorischc und biographische Schilderungen freigeisterische Ideen zu knüpfeir. Er benabm den Zuhörern sowohl den Glaube» an das Dasein Gattes, wie die Hoffnung auf Unsterblichkeit der Seele. Wenn er auch diese gotteSleugnerischen «Grundsätze nickt direkt aussprach, so legte er dock mit der an sich wahren Behauptung: „Es giebt keine» Geist ohne Körper" die Folgerung nabe genug: „Also giebt es anck keinen Galt." Man trug triumpbirend dieses „neu" gewonnene Resultat umher, und airck in Israel's Lager, wo man an ein freigeistiges Denken iin Sinne der Religion gewöbnt und . an einem solchen weder durch vriesterlicke Macht noch Zuckt gebindert ist, stimmte man diesen Auslassungen im Sinne der Mfklärung des vorigen Jahrhunderts bei. Unser Rabbiner'' Hr. li,. Rothschild nahm hiervon. Veranlassung, am jüngsten Sabbat über daS Dasein Gottes zu predigen, und har die Beweisgründe Sck's inil so schlagenden «Hegengründen zurückgewiesen, daß wohl Alle überzeugt von dannen gingen und Biele, darüber' entzückt, dem Hru. Rabbiner ausdrücklich für diese wahrhaft woblzhuende Predigt dankten. Obgleich Hrvr. Rin der Regel abstraelc nnd dogmatische Tbemale nickt für die Kanzel wählt, so wird er dock, wie wir hören, vielleicht einen Eyklns einschlägiger Predigten folgen lassen, welcher kann anck ganz oder mit Auswahl, wie wir hoffen, dein Druck übergeben werden wird, da gerade derartige Predigten nickt bloß gehört sondern anck gelesen sein wolle». Alzey, *. De;. Sir Moses Momefiore hat, wie „Hamagid" ‘JJr. 47 berichtet,;n»i Andenken an seine verstorbene «Baltin Lady Judith in RamSglaie ei» Bel Hanildraich gegründet. Zehn darin unterhaltene Rabbiner haben die Ausgabe, täglich deu Tora-Talmud und rabbiniscken Studien obzuliegen. Die Statuten sind von vr. Löwe entworfen. Es walket in denselben ganz der alle «Heist des „Lernens." Auf den «Heist der ..lernenden" Rabbiner wirb cs ankommen, nun durch ibr „Lernen" die'jüdische Wissenschaft wirklich zu, pstegen und zu fördern- Sonst steben solche Anstalten iin Widerspreche mit dein «leiste und den Ansorderuiigen unserer Zeit. Tie Statuten der Anstalt widersprechen indeß nickt einein wisienschattlicken Studium, sie schreiben wenigstens nickt ein ausschließlich ascelisckes vor. So ist der Zickunsr doch die Möglichkeit Vorbehalten, zu bieten, was die Gegenwart vielleicht .nickt ~ leistet. Möchte daber die Anstalt nur davor bewahrt werden können, daß sie, wie es mir anderen ähnlichen geschehen ist, in falscher Deutung des Zeitgeistes und seiner- Anforderungen, in Verkennung und Verachtung der jüdischen Wissenschaft, ihres Werthes und ihrer Bedürfnisse, in eine gewöhnliche Unierricktsanstalt und Kindersckule umgewandelt werde. Rach demselben Blatte und dem.„Iew. Ebron." hat die englische Mission in Konstantinopet eine jüdische Scknle eröffnet, wo öffentlich daS Ebristenthum gelehrt wirk. Mit Reckt wird über ein so actives Borgehen auf der einen und ei» ko passives Verhalten auf der andern Seite ein Sckröi des Entsetzens erhoben- Die hingehende Aufopferung für das Iydentbum, wie wir sie iu der oben erwähnten Stiftung von Mvntefiore schilderten, steht im schrillen Gegensätze zu der indifferenten Aufopferung deS Judenthums. wie sie sich in dem hier mitgetbeiltcn Vorgänge kundgiebt. — Freiherr' E- M. v. Rothschild aus Frankfurt a. M. wurde in's preußische Herrenhaus berufen.- Bekanntlich ist Salomon v. Rothschild in Wien schon lange ksten Reicksratb.) Das Frankfurter Journal läßt sich hierüber schreiben: Wer bis jetzt nock an dein gewaltigen Fortschritt in Preuße« gezweifclt bat, dem inuß die gestrige Provinzial-Eorresponden; die Augen geöffnet haben. Sie bat es als ganz bestimmt gemeldet, daß der Freibr. v. Rothschild in das Herrenbaus berufen ist. > Was der Tag von König-, grätz für. das Kaiserlbuin Oesterreich,1 das ist der' Al. R»v. 1867 für das preußische Herrenhaus! Es ist in seinen Grundvesten erschüttert, stärker als die gründlichste Reform dies verrnocht bätte- Man wird künftig die> Tage, wo im Herrenhause so stolze. Pbilip- . piken gehalten wurden gegen die Emuneipalion der Juden, zu den längst vergangene» Zeilen rechnen, von denen die Einen lagen, es ist gut, daß sie vergangen sind, and die Andern, es sei höchst bedauerlich und führe dje Welt schnell dein Untergange entgegen» daß man die alten Zeilen zuvergessen strebe. Wenn künftighin ein preußischer Eullusminister' oder' ei» Instizininister es noch verteidigen will, daß bei gewissen Gelegenheiten ein Unterschied geinachl werde zwischen Inden nnd Christen, so wird ein Redner der Opposition statt aller theoretischen Auseinandersetzungen nur den Artikel der gestrigen „Provinzial-Eorrespondenz" voriesen, in dem die Berufungen iu das Herrenhaus mirgetbeilt worden, und' wenn er dann liest: zu Mitgliedern auf Grund besonderen Vertrauens werden berufen...... ->) Freiherr Mayer Karl v- Rothschild, so wird der Minister seine Einwendungen fallen lassen und die EmaneivaiioV Per Juden wird nickt mehrbloß auf dem ■ Papiere stehen. Zu Melsungen (KurHesse» wurde am A',. Oeiober daS fünszigjährige Dienstjubilänm des dortigen Lehrers Müller in solenner Weise gefeiert. Die Festrede in der Synagoge hielt Hr. Landrabbiner >>>. Adler aus Kassel. Dein Jubilar gvurde pon Seiten, der Gemeinde eine sebr bedeutende Ehrengabe' — über lck» Tl'lr. in Sraalsesfeelen — iiberreichl. - Aus dem bavr. Schwaben. .Fortsetzung und Schluß*.) Es ist immerhin peinlich aber bezeichnend, auch in Fragen, deren Ernst von einer erhabenen Versammlung, von den Abgeordneten. .eines großen Reiches anerkannt ist, Fragen, die die ^Gesellschaft in ihren Gpunvoeste» erschüttern, Ausbrüchen kleinlichen Hasses, und Neides zu hegegnen. Dock, lassen wir die „Allgemeine." Fragen wir uns vielmehr: Sollten wir an diesen Vvrkominnisseu. die beule aus Rheinland oder Lurembnrg und morgen aus Oesterreich gemeldet werden, nickt auch theilwei« schuldig sein'? lind wenn dies der Fall ist, was können wir thnn, um unserer Pflicht gegen die unS von «Hon anverlranlen Kinder zu genügen'? Es ist eine unleugbares Thatiache, die wir uns zum Tröste^ vor Allein constatiren können miv die aus der «beschickte fast aller sog. Bekehrten, aller Täuflinge erwiesen werden kann: daß selten *1 Aus Rr. 47.'' Zu uyserem Bedauern wegen Mangel an Raum so zurückgesetzt.

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