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Der israelitische Lehrer · 1867-12-19 · 51 (19.12.1867) · p. Seite 206

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
51 (19.12.1867)
Date
1867-12-19
Page
Seite 206 (sequence 2)
Language
German
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206 tuje, gediegene Menschen hat es zu allen Zeitm gegeben,-! ohne daß ed sich die Mütter darum schwer machten. Wie unzählig viele Kinder jedoch bei der auS solchem Schlendrian in der Kinderstube mangelhaften.Pflege zu Grunde gegangen sind, wird nicht berechnet. Daß hervorragende Menschen in den «eisten Fällen begabte, edle Mütter hatten, die den Weg der Gewohnheit verließen, um den der Vernunft einzuschlagen, ist eine anerkannte Thatsache. — Die beschränkte i Sphäre der Arbeit und wissenschaftlichen Vorbildung, die man den Frauen zuwies, die Geringschätzung mit der man den weiblichen Beruf im Hause anzusehen pflegte, das Ausschließen von allen gemeinnützigen Handlungen und dem Wirken für die Gemeinsamkeit — alles dieses hat es verschuldet, daß die Frauen und Mütter nicht wagten, ihre Gedanken über die nächste Umgebung hinauszuführen; in den kleinlichen Haussorgen vergraben, blieb ihr Sinnen und Trachten an Wohn- und Kinderstube gefesselt, jedoch ohne daS Bewußtsein, daß dies die Pflanzstätten der Menschen - cultur seien und die höchste, sittliche Aufgabe des Weibes darin besteh«, von hier aus für die Begründung menschlichen Glücks, menschlicher Gesittung, Größe und Veredlung zu wrken. (Schluß folgt.) Bücherschau Ged^chlnißrede für den am 17. Tisckri Hingeschiedenen ersten Rabbiner;u Prag, S. L- .Rappoport, gehalten bei der vdn der lkbl- Eullus-Gemeinve-Repräsentan; am 10- 'Ji'oi> lß67 veranstalteten Tranerandackt in der Messel-Synagoge vpn l)r. A. Stein. Verlag des Thalmud Tbora-Vereins tn_ Prag und 31111t Besten desselben. jpie vorliegende Rede-ist ausgezeichnet und interessant durch Forni und Inhalt. Derselben gebt eine hebräische erlegte voraus, welckk von Gewandtheit in Behandlung eines so spröden Stoffes zeugt; es ist darin eine geschickte Einflechtung der' literarischen Wirksamkeit und Verdienste R-'s enthalten- Die Predigt ist mit Absicht nach dem Geists und der Methode R.'s angelegt, obgleich eine solle Redeweise nickt in dör'Gewobnheil des geschätzten Redners liegt. Die'es Mal waren indesi aul die Eollegen und Scküler R-'s unter dem zahlreichen und gewählten Zuhörer- Publikum. bei denen ein besonderes Verständniß für eine solle Rede- und DeutungSwesse vorauszusetzen war. Als BibelsteUe wirk Psalm .'10,5 gedeutet, und darin erklärt, was R. «einer Zeit war ünd was seine Zeit ibm gewesen ist. Aus der Agava kommt die Stelle Sabb. zur Erklärung, an weller von >iönig David's Tod die Rede.ist. Es'rst unmöglich, bier die vollständige Erklärung und. Anwendung aus den vorliegenden Iall wiederzugeben. Eine Kritik soll ja überhaupt ein Buck nickt er setzen und die Lektüre deffelben überflüssig macken. Als Zeugniß für die fortsckrsttlicke «Besinnung des geehrten Redners beben wir hervor, daß er deutlich dem Iudenthum das Bedürsniß einer Entwicklung in und mit der Zeit zusprickt, und zwar' in dem bedeutungsvollen Worte und Aussprucke: „Das Leben bat doch Reckt; was todt ist, ist todt-" Die Stelle sprichtim Verfolg der zur Deutung vorliegenden Agata von w J>olo (Transportirung der Veile am Sabhatb), welche, wie es dort heißt und dem bestehenden (Ritualgesetz) entspricht, nur mit Hülse und zu Gunsten eines «indvs oder Brodes gestattet ist. Es soll damit gesagt werden, deuttt der Redner scharfsinnig, daß die todten und,abgestorbenen Formen des Iudentbums in Bewegung gesetzt und beseitigt werden dürfen um der leiblichen Bedürfnisse in der Gegenwart Brod), wie um der geistig-religiösen Interessen für die Zukunft (Ander) willen. Es wird auch in jener Agava der Vers aus stobeleth angeführt; „dem lebenden Hund ist besser, als dem todten Löwen." Es will nach der Deutung des Redners dies wiederum sagen: Spätere Lehrer, wenn sie jauch keine Löwen, d, h. nicht so gesstesgroß und -stark sind, wie die früheren, haben dock als Lebende ein größeres Recht ünd mekr Autorität für ikre Zeit und -daS Leben in ikr, als der größte ukd weiseste Lehrer vor ibnen, wenn er todt ist. Jede Zeit Kat eben ibr Reckt. Auch ist der Mulh an dem Redner zu loben, womit er die Repräsentanz, welche gegenwärtig war, an die verfehlte Einrichtung erinnerte, daß es R.. als Mann der Wissenschaft, als Forscher und Kritiker nickt gegönnt war, ausschließlich seine ganze Zeit und alle Kräfte seinen ffackstudien zu widmen, und daß er genölbigt war, Zeit und «träne in populären Vorträgen und Predigten, wie untergeordneten Amlsgesckäflen zu zersplittern und anfzureiben. Männer von io reichem Wissen und so eminentes' Geisteskraft fördern, wie der Redner sagt. «Goldklumpen zu Tage und geben große Roten aus, — eine Parallele zwiscken reicken Banknoten und großen wiffensckastlichen Roten —, das Volk aber bedarf kleiner Sckeideinünzen. Diese Mahnung ist gleickzeitig auck an die Adresse anderer «Gemeinden zu ricklen, wo ebenfalls Heroen der Wissenschaft ihre Zeit und Arbeitskraft auf 'untergeordnete Rebengeschäfte zu verwenden genöthigt sind, welche an rabbinischen Hochschulen mit Erfolg wirken! könnten, während sie nun, in populären Vorträgen und Predigten! sich abinübend, für gelehrte Zwecke nur mit Kal der- >1 rart lbätig zu feilt vermögen. _ R Wochenbericht. Odern beim, 5. Dez- Das Frankfnr Journal läßt sich auS Eöln schreiben: Heute Abend faßten die Stadtverordneten einen Beschluß, dessen Eonseguen; die ilebernabme der israetit. Sckule als Gemeindeschule sein wird: also baden die Israeliten in Eöln für die nächste Zeit di>' Parität in der Sckulfrage zu erwarten. — Die 7. Iahresgeneralversammlung der Alliance israeüte "Universelle findet Donnerstag den 11». Dez. Abends rf Ul>r im Saale Her; in Paris stall. Wir werden den betreffenden Bericht ausführlich und zeitig bringen- — Israel's „«Gegenwart" ist gesickert. Wie stebl's um dessen Zukunft? — Es erscheinen jetzt zwei jüdische Zeitschriften, die den Rainen „Gegenwart" tragen, die eine in Berlin seitAnfangdes Jahres 1d67 und die andere in Prag, die in der vorigen Woche ibre erste 'Rümmer ansgegeben,' nachdem der Redakteur des in Prag seither erschienenen „Abendland" als Religionslehrer an daS Gymnasium nach Brünn versetzt' worden. Beide Zeitschriften haben in dem Leben der großen Gemeinden, in welchen sie erscheinen, bedeutungsvolle Anknüpfungspunkte, der Schwerpunkt ihres Wirkens ist daher wobl ein örtlicher, wenn auch die Tendenz und Haltung der beiden Blätter auf das Große und Ganze gerichtet ist, und dem Fortschritt im Iudentbum im Allgemeinen zuneigt. Ans erscheinen die Titel „Gegenwart, Reuzeit" rc für jüdische Blätter etwas ominös uny beschränkt. Wer denkt bei solchen Titeln nickt an Eintagsfliegen, die am publieistiscken Himmel erscheinen,-um bald wieder zu verschwinden? „Die Zeit (Gegenwart) ist ein -Ungeheuer, das sich selbst verschlingt." „Richt der Gegenwart in ihrer Beschränkung, nur der währenden Zeit, die eigentlich die Zukunft ist, gehört unsere Kraft, unser Streben."

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