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Der israelitische Lehrer · 1867-12-05 · 49 (5.12.1867) · p. Seite 198

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
49 (5.12.1867)
Date
1867-12-05
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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198 mung desselben sich in seiner Existenz schwer bedroht, und was noch mebr ist, der religiöse, moralische und bürgerliche Fortschritt, so groß und bedÄttsain in einem gewissen .streue des bayerischen Volkes, seitdem die Staatsregierung in anerkennendster Weise so viel für dessen Schulwesen gethan, ja dasselbe ganz neu gesckassen, wird durch das neue Gesetz in Frage gestellt. Und Vieser streis de- Volks sind die bayerischen Israetilen, diese stlasse der Lehrer sind die israelitisch :n, und diese Gesetzesbestimmung, die das ganze israelitische Schulwesen und die daraus gegründeten schönen Fortschritte in Frage stellt,, ist die zweite Alinea des Art. 18 im Schulgesetzentwurf. Dieselbe lautet: „Diesen Glaubensgenosse» bleibt es jedoch unbenommen, eigene Schulen für ihre-Kinder zu errichten, wenn sie den gesetzlich geforderten Schul bedarf nachbaltig aufzubringen bereit und im Stande sind." Damit wäre dann daß ganze israelitische Schulwesen mir die Bestimmungen des Iudenedikts oom io. Januar 1818 zurückgeworfen und während der christliche Lebrerstand sich eines weirern, folgmrcichen. in der' Zeiilage wobibegLl'inketen Fortschrittes erfreut, sind die Israeliten auf einein Standpunkt festgeballen, zurückgedrängl, der längst überwunden ist, derfaktisch nicht mebr bestebl, der durch die polittscken Geineinden der Pfalz selbst abiolel geworden ist. Als das jetzige Gebier des Kreiies Pfalz an Bayern siel, lag das israelitische Schulwesen in der' heillosesten Perwabrloiung: in den s. g. Cbeder oder Winkelschulen lebrie irgend ein bergelatiseuer polnischer Rabbi wemi es iwch ein Rabbi war , oder auch ein vagirender .Hanvwerksburi'che die israelitischen stinder bebräii'ch lesen und schreiben, die stnaden wobl aück eine Art Bibelübersetzung mit Eomtnenrar in einem-kamst verständlichen stauderwelsch, das deutsch sein sollte. größter Prübe^ mit unermüdlicher Sorge gelang es endlich der Staatsregierung, die Furcht und de» Wider - »stillen der israelitischen Bevölkerung gegen öffentliche Schulen, gegen ordnungsmäßig geprüfte.und aiigessellre Lebrer zu überwinden. Wie es oft iin Geben geschieht, io auch bier: Die«'e Schulen und Lebrer, deren gesegnete'WirkiaMkeit bald zu Tage irar, wurde«« von den Israeliten in ihrem Wende erkannt und bald «vurde von ibnen mit großein Esser unk oil unter schweren Opfern das erstrebt, was sie Anfangs nur uorbgedrungen zugegeben. Und dieses segensreiche Wirken der iir. Spulen «md Lebrer, das zur moralischen .Hebung eines, nicht eben unbedeutenden Tbeiles der Bevölkerung so wesentlich beitrug, wurde.auch von Seiten unserer j christlichen Mitbürger anerkannt und gewürdigt- Der israelitischen Sckule kam man mit Wohlwollen, entgegen, die Lebrer wurden mit ihren christlichen Kollegen aus gleichem 'Fuße bebandelr, den mitunter schwer bei rn'teren israelitischen Gemeinden griff man kräftig stützend unter die Arme. So geschah es, daß unter den 121 itv. Schulen des Königreichs beure 01 auf die Pfalz kommen und daß unter diesen 81 Schulen sich nur wenige finden, die nicht entweder glanz oder mm Tbeil von den politischen Geineinden erhallen oder zu denen nickt mindestens ein oft. reck» ansehnlicher Beitrag aus den Gememdekaffen geleistet wird. * ' Hj *) @9 bestehen in. der Pfalz 6t öffentliche ssrael. Schulen. Ein Mitglich der Lehrer-Versammlung vom 17. Rov. hatte es übernominen, sowohl als Material für die Lehrer-Adreye. als zur Grundlage für die Berathung der in Aussicht stehenden Notabel» - Versammlung, eine statistische Aufstellung über -die Leistungen der politischen Gemeinden für i die israsl. Schulen zu ermöglichen. Leider! haben mehrere jsrael. Lehrer auf freundliche, frankirte Aufforderung nicht einmal eine Antwort ertheilt, so daß wir der Kammer nur über 53 Schulen Auskunft geben | können Das, gewiß überraschende, sehr interessante Resultat, das ' So gestalteten sich die Sachen unter der bisherigen Gesetzgebung in allseittger Einigkeit und Zufriedenheit zum 9kutz und Frominen des Kreises. In diese Sacklage wird aber der Art. 18, sollte er unglücklicherweise zuin Gesetze erhoben werden, einen Riß. mache» und sie zmn großen Racktbeile der isr. Lehrer und Schulen uingesialten. Die Israeliten wären fortan anzubalien: „den Bedarf für ihre Sckulen nackbaltig auszubringen." Die politischen Gemeinden also, welche bisher die isr- Schulen ganz oder zuin Tbeil erbietten, werden, da ein klarer (desetzesartikel sie dieser Pflickr entbindet und anderseits der Gesetz-Entwurf ibnen neue Opfer fiir kie katholischen und prorestanttschen Schulen anrerlegk, ihre Beiträge zurückzielw», die Enratelbebörde ('?) kann die deßfallsigen Beträge in den Budgets streichen, die isr. Geineinden «verden großembeils nicht mehr im Stande sein, ihren Berpflichrungen gegen Lebrer und Sckulenackzukoinmcn, denn die Besreiung von den allgemeinen Scknllasten ist weil entfernt, ein Aeguivaleni für das in dieser Weise Entzogene zu sein), die isr. Scknleit werden früher oder später wieder aufgelöst «verden. Die christlichen Sckulen «verden bier und da sich überfüllen und «vaS der schreiendste Mißstand sei» wird: .die isr. Lebrer werden «nit ihren Fainilien brodlos gemacht, großenlbeils in den äußersten Roth,stand versetzt. Wal'rlick! dessen vcri'aben sich die wslickilreuen, an solch' vroböndein Unglück ganz uiiverschuldeten Männer nicht: daß durch ein Gesetz, welches den Fortschritt und die Besserstellung der Lebrer an der Stirne trägt, ihr Geschick eine so traurige Wenj düng nehmen würde! Gleich mncru christlichen College» haben j wir uns «ür unser Fach gebilvel, i»«i§r Opfern hüben «vir unS! dem bebren Berufe der Jugenderziehung geividinel, «vir I>aben vie- ' selben Prüningen bestanden, sind von derselben Behörde lvesiniriv; iinP unter ausdrücklicher Zusicherilng unserer Reckte) angestellt, unterstehen der gleichen Aussicht und ersüllen die gleichen Pflichten; j unter gleichen Opfern lreten wir den Pensions- und Wikkweu- kaffen bei, und all dieser «voblcrworbenen Reckte sind wir in . - höchster Gesahr-nunmehr verlustig;» gebe», dnrck einen Feder-! frricb, ohne irgend ein Verschulden unsererseils! l Rein! wir können es nicht glauben, daß dies in der Absicht! des Gesetzgebers liegt: zu Zurücksetzungen und Verkürzungen des j allgemeinen Reckrs um des Glaubens «rille», dazu ist unsere Zeit, ,soir Lob! nickt «nebr angetban. Wobl bilden die iir. Lehrer eine verschwindende Minderheit, ein kleiner Brucktbeil der Bevölkerung erbebt viermil «einen Klageruf vor -dem Obre unserer Volksvertreter. Aber diese kleine Zabl von Arbeitern im Weinberge des Herrn bat doch auck ihr bescheidenes Sreincken beigelragen zum Aufbau einer neuer««, und lbeffern Zeit und es «vird nickt nnbcsicher an maßgebender Stelle des Einvrucks nicht verfchlen wird, ist in Kürze Folgendes: 8 israel. Schulen (Speyer, Landau, Jugenheim 1, Honiburg, Schwegenheim, Niederhochstadt, Leimersheim und Rülzheim I) werden von der politischen Gemeinde wie die christlichen Schulen ganz und gar, « (Neustadt, Dürkheim, Pirmasens, (*), Herxheim und Steinbach a. d. Glan) fast ganz (mit ff. 300 bis fl 400) auS der Gemeindekaffe bezahlt; 23 christliche Gcnieinden tragen zwischen fl. 100 und st. 200 (zahlen meist auch noch Beheizung und Schulapparat), dieübrigen unter fl. 100 zur israel. Schule oder zum Gehalt des israel. Lehrers bei; nur 3 politische Gemeinden unter 6l; Alsenz 6 israel. Scküler), Kirrweiler (»l und Arzheim (10?) leisten aus den Gemeindekaffen nichts kür die Israeliten. Ist dieß nicht ehrend für die israel. Schulen und Lehrer, vor Allem aber ftir den voruttheilsfteien Sinn der christlichen Bevölkerung? Und welcher Theil Deutschland'^ hat AehnlicheS aufzuweisen? . r *) Hier stand im Mamsscript Dürkheim doppelt; wohl em Schreibfehler. 2kd.

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