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Der israelitische Lehrer · 1867-11-07 · 45 (7.11.1867) · p. Seite 183

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
45 (7.11.1867)
Date
1867-11-07
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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183 Hauptversammlung daS Wort und wiederholte in meinem Berichte an meine Mandanten Folgendes: Bei allen Berbandlungen, sagte ich'schon »früher, bei allen Beschlüssen sei nur von kath. und Protest. Waisen rcdie Rede; in einem paritätischen Verein aber, wie der b. Volkssch.-Verein sollte wohl nur von deutschen Lehrerwaisen die Rede sein; wenn aber einmal zwei Bataillons speciell zur Revue kommen, warum nicht auch das dritte? Kommen die Alten zuletzt — oder wie hier — gar «nickt? Ein Berein, wie der unsere, der sich der achten Humanität riibmt, der die Ausschließung bekämpft, wie will der's verantworten, uns todt zu schweigen? Etwa weil wir die Minorität sind? Wabrlich, kein sittliches Recht, erlaubt uns zu ignoriren. Zeigt nicht das Beispiel unserer hstaatsregierunq vom grave» Gegentheil? sind die isr- -schulen nicht in allen Beziehungen jenen der andern Bekenntnisse völlig gleichgestellt? Over, ssind wir müßig geblieben bei den spenden für das Wair'enstifl? sind nickt auck unsere Gaben registrirt? Streben wir überhaupt nicht nack einem geineinschaftlichen Ziele, dem der Veredlung, Verbesserung unv Vervollkommnung der Menichl'eil? — 'Mil diesen Fragen richtete ick von der Rednerbühne aus meinen Blick zum Ausschüsse. — Der Vorstand, Herr Heiß, konnte nicht umbin, meine Anregung als gerecht anzuerkennen, und sprach aus: vaß §. 2 ver Statuten varthue: die Waisen aller veurschen r'ebrer baden gleiche Rechte in Beziehung ans Erziehung, Bildung und Unterstützung aus dem b. Bolkssch.-Vereine. Oie eigeiubüinliche Fassung in den Statuten blieb von veinselbe» jedoch uneröriert. — Die ganze Versainmlung erkannte mit Braooru'en die Billigkeit ineines Antrages an und garantirte unter Versicherung des Verstandes und Ausschusses unsere gleiche Reckte, — Das Ausschuß.nitglied, Herr Wälder, erklärte das eine »ock besonders ösfentlich, smirtelst Handschlags, versickern zu müssend — Die weiteren Mitlbeilungeu über das Vereins - Organ ..Bavr. sckulzeilung," dann über «Gemeinde l'chreiberei, über Branvoersickernngswesen bade» »ür diese Blauer kein eigentliches Interesse. > Fortsetzung folgt.' Berlin, 22. Oet. Der ReickSiag nabin beule das uiuenstebende Freiziigigkeitsgeietz an. das auch 'ür uns von besondere: Bedeutung ist, weil es einen großen Tbeil der Äusnabinsgeseve gegen Juden, welche'noch in einzelne» Tbeilen 'Rordkeutscklands herrschten, ein Ende macken. Oer b.'treffende erste sav dieses Gesetzes lautet: Feder Bundesangebörige bat daS Reckt, innerhalb des Bundesgebietes I) an jedem Orie sich anüul'glien oder »iederzulassen, wo er^'ine eigne Wobnuug oder em Uiuerkominen sich zu verschaffen im stände ist, 2) an jedem Orte sich GrundeigemKum aller Art zu erwerbe»,! nmkerziebenv oder an dem Orie des Aufenthaltes beziehungsweise der Riederlassung, Gewerbe aller Art zu betreiben unter den für Einheimische geltenden gesetzlichen Bestimmungen. In der Ausübung vieler Beiugniffe dar' ver Änndesangebörige, soweit nickt das gegenwärtige Gesetz Ansuabinen zuläßt, weder durch die Obrigkeit seiner Heimalb, noch durch Die Obrigkeit des Ortes, in welchem er sich aushallen oder niederlasse» will, gebindert oder durch lästige Bedichtungen beschränkt werden. Keinem Bundesangehörigen dar»" „min des Glaubensbekenntnisses willen" oder wegen fehlender Landes- und Geineindeangebörigkeit, der Aufenthalt, die Rieoerlasiung, der . deiverbebecrieb oder ver Erwerb von Grundeigenlbum verweigert werden. Berlin, 22. Oet. In der Sitzung des norddeutschen Reichstags von heute lagen Petitionen ver Judengemeinden im Großherzogtbum Mecklenburg - Schwerin vor, um Aushebung der Beschränkungen der Inden im Genüsse der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und zun Gleichstellung der Juden mit andere» Staatsbürgern. Die. Eommission beantragt, die Petitionen dem Bundeskanzler mit der Aufforderung zst überweisen, „in nächster Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch iwelchen alle nochbestehenden, aus den Verschiedenheiten! des religiösen Bekmntniffehergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerliche» Rechte assgehoben werden." Der Berichterstatter Abgeordneter Endemann empfiehlt den Antrag dringend zur Annahme, die hierauf ohne Discussion erfolgt. Brüssel. 23. Oet. Verfloffcnen Sonntag fand hier die feierliche PreiSvertheilung an die Zöglinge der israelitische» Elementarschule unter dem Vorsitze des Schöffen. Herrn Funk, statt. Unter den Preisen, welche die Kinder erbielten, befanden sich auch israelitische Gebetbüchelchen, reiche gebunden in rothem Maroquin und mit dem Wappen der Stadt Brüffel versehen, daS de» j Drachentödtenden Samt Michel in's Felde führt. Ein katholischer i Heiliger auf dem Einband eines jüdischen Gebetbuchs ist aller- dings ein starker Anockronisinus, über trotzdein inuß man eS j lobend anerkennen, daß der bocklöblicke Brüsseler Magistrat keinen 1 Religionsuntersckied kennt und dies bei^ jeder Veranlassung bethätigt. « Wien, 2 l.-Oktober. In der heutigen Abgeordneten-; huus Sitzung liegen nicht weniger als 44 Petitionen um Aushebung des Concordats vor, ie dem confessionellen Ausschüße, überwiesen werden. Au den Präsidenten Giskrr und den Abg. Mühlseid ist nachfolgendes Telegramm aus Przemyl gelangt: „Meine vierzehnjährig? Tochter Chase Lea ist mir; irr das Benedictinerkloster entlausen. Alle Schritte, mit ihr i sprech n zu Dürfen, blieben erfolglos. Ihre Mutter starb in Folge des Schreckens am schlage im Kloster hinter der j Scheidewand. Ich bitte um Befreiung, allenfalls Verwen- - düng,, uJinit ich meine Tochter ohne Scheidewand sprechen kann. Jonas Freund Dr. v. Rühireid beansragt, die- Teiegramm dein Petitions-Ausschüße zur schleunigsten Behandlung zuzuwerien. Es tu d:eS der orilte Fall, in welchem; entlaufene Tochter der väterlichen Gewalt entzogen werden, und b »uht aller Wahr sch . tnltchleil nach ..us -imr melho- . bischen Bekehrungsweise. Es möge dem Petitions Ausschüße aufgetraaen werden, ip ciell auf jenes G-ietz Rücksicht zu nehmen, welches neulich gewißermaß n als Schild.für dieses Vorgeben angeruren' wo'den ist.' Für den Antrag erhebt . sich fast das ganze Haus vr. Mühis ld Und Genossen haben folgende Interp Ration an die Minister der Juni, und des Innern cingebracht: „Ist Chase Sarah N>»damski aus dem Benedrctlner-Rann nkioster in Lentberg bereits enllaßen, oder wie w 'it sind die hierauf bezüglichen Schritte eingeiestet und gerührt roo-oen?" Justiznunister v Hye verliest den Bericht i des Grafen Goiuchowski Er lautet: Ich beehre mich, im Rachhange zu meinem Telegramm , vom t». d. anzuzeigen, daß ich die protokollarische Vernehmung der in dem Benedictmer - Nonnenkloster befindlichen Chase Sarah Nadamrki veranlagt habe. Das Protokoll ist ausgenommen von dem Poirzerdirector unter Mitwirkung eines Bezickscomnußärs In demselben erklärt sie, daß sie schon längst den Entschluß geiaht habe, zum Ehcistenthum überzutceten, und oeßhalb das elterliche Haus verlaßen habe. Hiebei bringt sie die Klage vor, daß der Vater sie schlecht behandelte, gar nicht für sie srrgte. daß er ihr vor einigen Monaten einen Meßerstich versetzte (Hört I im rechten Centrum), ihr o'tmalS die Hacke nachwarf und daß sie bei

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