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Der israelitische Lehrer · 1867-10-10 · 41 (10.10.1867) · p. Seite 166

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
41 (10.10.1867)
Date
1867-10-10
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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hemmte« und dar gante so otelotrsprechende Unternehmen im Keime «Kickten.' Daß die s. g. Orthodoxie, trotz anscheinender Tätigkeit für die Sache der „Alliance", doch kein rechter Herz dafür hat und habül kann, bedarf keiner Auseinandersetzung. Bildung, wahre Bildung verträgt sich schlecht mit den Bestrebungen derjenigen Männer, deren Religion wie Bildungsstrebe« nur an der Form klebt , und bei vielen nur Schein ist; abgesehen davon, daß die Leiter und Stimmführer der „Alliance" eben den Männern dieser Richtung nicht genehm sein mögen, und daß man es in den Schulen NN' Orient wohl mehr auf moderne Bildung als auf unfruchtbare», theologische» Wissen abschen mag. Talmudschulen braucht man im Orient nicht zu errichten; dar wäre keine Fortbildung und Entwicklung, sondern nur eine Conservirung unfruchtbarer Jastitute. Es ist selbstverständlich, daß wir damit nicht dem wissenschaftlichen Talmudstudiu« überhaupt entgegentreten. Wir wissen seinen bedeutsamen Einfluß auf dar religiöse Leben sowohl, als auch auf die Entwicklung mänichfacher GeisteSfunktioneu genugsam aus Erfahrung zu schätzen. Aber, wo die Entwicklung der Geister, da» ganze Schulwesen in neue Bahnen gelenkt werden müssen, ist es nicht Zeit, für das talmudische Wissen, für die Erhaltzmg der finsteren Ehedarim und Talmudschulen eine Lanze zu brechen. Die s. g. orthodoxe Presse, wenn sie sich zuwellen auchau» leicht begreiflichen Gründen anders geberdet, ist doch principielle Gegnerin der „Alliance" und wird derm Bestrebungen nie mit Aufrichtigkeit unterstützen. Als ganz einfacher «ud sicherer Beweis hiefür dient uns da» Auftreten dieser Presse gegen unseren Verein, die „Achawa," die mit Parteifragen noch weit weniger zu schaffen hat, als die „Alliance," und die dennoch von vorn herein mit Feindseligkeit wohl nur aus persönlichen Gründen und zwar deswegen behandelt wurde, well an ihrer Spitze einige Männer stehen, die zu den würdigsten und chataktertreusten Vertretern der Reformrichtung im deutschen Judenthum gehören. Darum ist für tue „Alliance" in Deutschland noch wenig in der Presse geschehen; darum aber auch für dieselbe kein einigender Mittelpunkt in 'Deutschland gefunden. Indessen wirken auch noch sachliche und tieferliegende Gründe derselben in Deutschland entgegen und wir wollen auch diese Gründe hier nicht aufzuführen unterlassen. Die deutsche Judenheit ist in vielen, ja Hunderten von kleineren und größeren Gemeinden zersplittert. Alle diese Gemeinden, die kleineren wie die größeren, haben für die Erhaltung ihrer synagogellen und anderen cultuellen, Schul- und WohlthätigkeitSarKalten selbst Sorge zu tragen, und werden hierin vom Staate meistens gar nicht, in einzelnen Fällen nur ganz unbedeutend unterstützt. Das erfordert oft sehr schwere, fast unerschwingliche Ausgaben. Wir haben schon oben angedeutet: die Fälle sind'),, äußerst häufir, wo es den Religionsgemeinden fast unmöglich oder doch äußerst schwierig wird, die nothwendigsten Anstalten zu unterhcllten und herzustelle«. Ost erfordert die Unterhaltimg einer auch nur einigermasse« genügendm Gemeindeschulc geradezu fast unerschwingliche Opfer; und die Fälle, wo gar kein Re- *) Insbesondere in Süddeut, chland — im Großh. Hessen, in Bayern und Baden. liglonÄchrsr geh»««» werden kam fick» nicht selten. E«e erschrecklich große Zahl von jüdischen Kindern wächst; zur Zeit ohne allen Religionsunterricht auf, ohne «enntniß > der jüdischen Religionslehre, des Religionsgebotes. Da» [ find Thatsachen, vor denen wir unser Auge nicht verschließen dürfen, wenn Abhilfe möglich sein soll. Auch in den großen Gemeinden sind die Cultussteuern oft nicht unbedeutend. Dann herrscht aber hier auch ein solcher JndiffereutiSmus gegen alles Jüdische, daß wir von dieser Seite wohl zuweilen auf eine unbedeutende Geldunterst ützung — die unter günstigen Umständen auch zu Zwecken zu erlangen ist, die den Spendern im Ganzen interesselos find, — nie aber auf rege.persönliche Betheiliguug zu jüdischen Zwecken rechnen können. Mit solche« unbedeutenden Spenden allein ist;edoch der „Alliance" nicht - gedient. Es ist dennoch nicht zu leugnen, daß bei ernster und hingehender Anregung eine namhafte Zahl strebender Israeliten sich der Gesammtheit anschließen würden. Aber auch diese Besten und Begeisterten erwidern uns auf unsere betreffende Anfrage oft mit den Worten: „Wir haben im Innern von Deutschland noch so viel ungelöste jüdischen Fragen, daß wir nicht wohl in den Fehler der Orthodoxie fallen dürfen, die Palästina unterstützen und die heiligsten Angelegenheiten der Heimath vernachlässigen. Wir brauchen Lehrer und Prediger, daher tüchtige Lehrerbildungsanstalten; wir brauchen allgemeine Waisen- und Armenanstalten und eine Organisation der jüdischen Gemeinden zum Zwecke der Unterstützung solcher Gemeinden, die kerne Schule oder Synagoge erhallen und mit benachbarten Orten nicht verbunden werden können, thut dringend Roth; die Lehrervereine haben eine weit kräftigere Unterstützung zu beanspruchen, al» ihnen bis jetzt geworden; wie dürft« wir bei solchen Mißständen und Mängeln im Innern daran denken, nach dem Oriente hin za wirken? — Ja Frankreich wird die Synagoge vom Staate unterhalten, in England und Nord-Amerika erlauben die durchschnittlichen günstigen Verhältnisse die Wirksamkeit nach Außen; u. s. f. — Ader in D'utschland? Wir müssen diesen Einwürfen in Folgendem zu begegnen suchen. (Schluß folgt.) Einiges über SchuldiSciplin. (Schluß.) Eine in unwürdiger Weise erworbene Achtung fällt wie ein abfälliges Blatt vom Stängel; denn nur das Aechte und Wahre bewährt sich auf die Dauer. Es rotfb schließlich jedem vernünftigen Manne einleuchi ten, wie eine finnige Beachtung des Anständigen und Schönen in Sitte und Kleidung auch für den Lehrer nichts Ueberflüssiges ist. Ein Jeder wird in diesem Punkte, wie eS ja auch sein Interesse erheischt, das Rechte zu treffen wissen, damit Stand und Beruf in Ehren bleiben. * Dasjenige, worauf bei der Kindheit und Jugend alle DiScipliu, als auf einem sicheren Fundamente zu begründen ist, ist die Autorität des Lehrers. Derselbe wirkt und be-! wirkt einestheilS in der Regel soviel, als er audernthetlS! bei den Zöglingen und ihren Eltern gilt; ein jedes seiner

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