Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 41 (10.10.1867)
- Date
- 1867-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der ZsrseAlscke Iekrer.! Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes » und zugleich Crgatt für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehror- Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 41 Mainz, den 10. Oktober 1867. (Sisdsntsr wöchentlich I Summet. Vierteljährlicher Bbonnementspreis 27 Ir. —- */* Thlr. Bei franlirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 sl. 12, Ir Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeile. Lestellungm nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Aeitfragen zum Zeitenwcchfet. (Fortsetzung statt Schluß.) Die „All'ance" hat, wie wir bereits andeuteten, in allen Theilen der Erde, die von Juden bewohnt werden, Tbeilnahme, Mitglieder und vielfache Förderung gefunden, und sie hat für die kurze Zeit ihres Best.hens Bedeutendes und Erhebendes gewirkt — Dank der göttlichen Vorsehung und der Energie ibr.r edlen Leiter. Sie hat den Geist der Einigkeit, der Brüderlichkeit, des Zusammengehens in den allgemeinen Angelegenheiten der GlaubenSgenoflenfchast bedeutsam gefördert, sie hat der Judenheit als solcher Ansehen und Einfluß verschafft in den europäischen Kabinetten, so daß nicht mehr wie früher die Stimmen Einzclner ungehört verhallen, wenn ein Lheil der Brüder unterdrückt wird. Und wenn wir sehen, wie hie und da immer wieder Intoleranz und Fanatismus mächtig ihr Haupt erheben, so dürfen wir eine solche Stimme, die nicht mehr leicht ignornt werden kann, weil sie die Stimme vie'cr Touiende ist, nicht unterschätzen. Tie „Alliance" sucht überall Cultur unter den Juden zu verbreiten. Sie bat insbesondere in den Gegenden, wo die Judenheit der. Weg der jituit geistigen Entwicklung rrcht sellstständig zu betreten vermag — also insbesondere in den roch uncultivirten Gemeinden des Orients, — durch Gründung und Unterstützung jüdischer Lehreionstaln» zu wirken gesucht und es ist ihr bereits gelungen, in zahlreichen Städten jene noch sehr der geistigen und materiellen Förderung bedürftigen Morgenlands zahlreich besuchte und blühende Pflanzstätten der Bildung zu errichten, die nach einer berechenbaren Neihe von Jahren jenen Gemeinden ein ganz anderes Gepräge geben werden. So sehen wir die „^Iliancs isr. rmivorsells" die »allg. jüd. Bereinigung" nach so kurzem Bestände in wahrhaft großartiger Entwickelung begriffen. Deutschland ist das einzige Land, daS bisher fast ganzdiesem Bunde, diesem Greben fremd eblieben ist. Deutschland, die Gebmts- und Heimaths- I ölte MendelSsohn'S und Rießer's, das Land, von wo eigenti Iid> die neuere Wissenschaft und die neue höhere Entwick- ■ lung des Judenthums auSgegangen ist und das seine Lichtboten, seine Rabbinen und Lehrer der Neuzeit nach allen Ländern der Erve aussendete; Deutschland allein beiheiligte sich bis jetzt nicht nennenswerth an jenen wackerw Bestrebungen und unberechenbaren Erfolgen. Sollen wir den Gründen dieser auffallenden Erscheinung nachspüren? Sie liegen für den aufmerksamen Beobachter offen zu Tag, und sind thcilweise rein persönlicher, theilS sachlicher Natur. Die jüdische Presse in Deutschland hat die „Alliance" bisher nur schwach gefördert; traurig genug, daß in solch heiligen und wichtigen Angelegenheiten der Gesammtheit persönliche Eitelkeit und Anmaßung hindernd in den Weg treten kann. Die deutsch-jüdische Presse war zur Zeit der Gründung der „Alliance," (in, Jahre 1860) eigentlich nur durch ein einflußreiches Organ vertreten. Anfänglich hat man das Unternehmen .einiger unbekannten jungen Männed' in Paris verhöhnt, und als dies nicht mehr anging, traten einzelne Stimmen gegen eine derartige Bereinigung auf, weil mhn angeblich besürcktete, es möchte eiüe wiche Bereinigung nach Außen hin Aufsehen erregen und als „jüdischer Eonderbundur Intoleranz von gegnerischer Seite Veranlassung bietest^ Und doch bestanden schon damals und bestehen auch jetzt noch ähnliche christliche Vereine aller Art — der mächtige Gustav-Adolph-Verein, die MiisionSvereine. die Pius - und Gesellcnvereine, der deutsche Brotestantentag u. s. s. bis selbst zu dem Verbände der deutschkatholischen und srejreligiö'en G meinben und dem religiösen Reformvereine. Wie nichtig jener Grund war, erkennt man daraus, daß bis zur Stunde, nach siebenjährigem Bestehen, noch keine Stimme! von Außen gegen tue „Alliance" einen solchen Vorwurf oder Berdacht ausgesprochen, selbst in Frankreich nicht, wo die völlige Gleichstellung der Juden längst vollendete Thatsache geworden ist, und daß man hingegen dieselbe überall als etwas natürlich berechtigtes ansieht. Als im Jahre 1865 in Deutschland der Gedanke der Gründung eines ähnlichen Vereins auftauchte, wurde auch von der Seit§, welche früher gegen die „Alliance" auftrat, für diese Idee gewirkt, und zwar so lange gewirkt, bis — wahrscheinlich abermals persönliche Gründe den Plan in feiner Entwicklung