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Der israelitische Lehrer · 1867-10-03 · 40 (3.10.1867) · p. Seite 163

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
40 (3.10.1867)
Date
1867-10-03
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 Statt: „Hauptcomitö" soll ei fernerhin heißen: „Verwaltung." Zum Schluß dankt der Präsident der Versammlung für die Nachsicht, welche sie ihm bei der Leitung der Verhandlungen geschenkt, sowie für die Aufmerksamkeit und rege Theilnahme, welche sie während derselben an den Tag gelegt. Er fordert die Anwesenden noch auf, materiell und geistig für den Verein zu wirken, namentlich in den einzelnen . Gemeinden die Herzen edler Menschen für unsre Sache zu begeistern, und hofft, daß der Verein mit der Hilfe Gottes und dem unermüdlichen Streben seiner Mitglieder einer immer frischen, kräftigeren Zukunft entgegen gehen werde. Nachdem dem Hrn. Präsidenten, sowie Hrn. Dr. Stein, Herrn Klingenstein und dem Schriftführer der Dank der Versammlung ausgesprochen, wird die Sitzung geschloffen mit der Hoffnung, in der nächsten Generalversammlung sich eben so munter und geistesfrisch wieder zu sehen und den Verein als einen lebenskräftigen Baum zu erblicken, der in allen Gauen unseres lieben Vaterlandes Wurzeln geschlagen und deff-n Früchte zur Ehre und zum Wähle der iSrael. Lehrer Deutschlands erfrischend und belebend nach allen Seiten hin wirken und Gutes verbreiten möchten. Alsheim, im August 1867. Im Auftrag der Verwaltung: Der Schriftführer der Versammlung, K. Marx. Zeitfragen zum Zeitenwechsel. (Fortsetzung.) Wir werden mit unserer Aufforderung, die Gründung einer jüdischen Lehrerbildungsanstalt betreffend, vielfache Gegnerschaft sinden. Man wird von den bereits bestehenden provinziellen Anstalten sprechen; wir haben nur aus die anerkannten Mißstände derselben hinzuweisen, die von den Leitern selbst zugestanden und in diesen Blättern öfters gerügt wurden. Man wird uns andrerseits auf die neugegründeten Seminarien in Würzburg und Düsseldorf verweisen. Wir wollen hier von unsere.: religiösen Anschauungen ganz absehen; aber als Pädagoge und Jude müffen wir unS gegen Anstalten verwahren, welchen man in der Geburt alsbald einen Parteistempel aufgedrückt und denen man dadurch die freie Entwicklung abgeschnitten, sie für den größten Therl der Juden unpraktisch gemacht hat. WaS würde moir sagen, wenn die Anhänger der Reform eine Anstalt gründeten mit der Ausdrücklichen Bezeichnung: Lehrerbildungsanstalt für die jüdische Reformpartei, oder drgl.? Das wäre eben so lächerlich als verwerflich! Wir haben in diesen Blättern schon zum Oefteren daraus hingewiesen, daß die Schule dem Parteigetriebe fern bleiben soll und muß; daß man sie nicht hineinziehen darf in diesen Strudel, der schon so viele Opfer verschlungen! In der Schule mindestens muß das Wort in# »u dxiv' -pjo ’Oi seine volle Berechtigung erhalten. Nun hat man diesen Anstalten wohl nicht solche Namen gegeben. Namen thun aber auch hier nichts > zur Sache. Das ganze Gebühren, insbesondere bei der Gründung der jüngeren Anstalt:' zeigt es recht deutlich, daß man damit eigentlich nur ein Parteimanöver im Schilde führt? Abgesehen davon, daß die ganze äußere Einrichtung mehr auf klösterliche Conoikte, als auf PildungSanstalten für Lehrer hinweist, wo Männer heranreifen sollen, ausgerüstet mit lebendigem Wissen und charaktervoller Denkungsart; Männer von Kraft, die im Stande sind, den Anforderungen der Zeit zu entsprechen und den Anfechtungen der Lebens zu begegnen. Es ist insbesondere das gezwungene Internat mit seinen verderblichen Folgen, da« wir an diesen Anstalten mit allem Ernste zu bekämpfen haben. Gerade darin dokumentirt sich aber die Einseitigkeit der genannten Anstalten. Wir wollen, daß der Lehrer ein freier, sittlicher Charakter sei, daß er den Geboten der Wahrheit, der Religion und Sittlichkeit-entspreche, nicht weck ihn die Hausordnung dazu nöthigt, niüt weil er den lauernden Spion fürchtet, sondern auS Ueberzeugunz. Nur was bei dem freisittlichen Menschen der Ueberzeugunz entstammt, hat Werth. Und sagt man uns, daß diese Festigkeit nicht von angehenden Seminaristen erwartet werden kann, so erwidern wir: wer gibt uns Gewähr, daß die erzwungene Religiosität des Seminars nicht eine erheuchelte ist, uno am Schluffe der Seminarzeit in das Gegentheil umschlägt? Wer bürgt uns. daß der angehende Lehrer sich nicht später für den Zwang der Seminarzeit entschädigt? daß er, wenn er in die freie Luft des Leben« kommt, besteht? Fragt alle Autoritäten der Pädagogik, Alle, so es mit der Wahrheit und ihrer Lehre ernst meinen, und sie werden Euch sagen: Gebt Euren Zöglingen, sobald sie in die Lehrerbildungsanstalt treten, so viel Freiheit, als ihrem Wiffen, ihrem Bildungsgrade entspricht, damit sie Menschen unter Menschen, unter Männern Männer werden. Wir wiffen wohl, daß ein großer Theil der vorzüglichsten älteren jüd. Lehrer und fortgeschrittene Männer aus allen Schichten der Gesellschaft der Gründung eines jüdischen Seminars überhaupt widerstreben, weil sie die konfessionelle Scheidung bekämpfen. Ihnen haben wir nach unserer wohl begründeten Erfahrung zu erwidern, daß ein großer Thell der Seminare der Gegenwart nicht dazu angethan sind, den Geist edler Duldung zu verbreiten, daß sie klarem, freien Denken Feind und Freunde sind des Muckerthums, des Pietismus, des Ultramontanismus u. s. f. Es ist nicht mehr v die Zeit Hergenröthers und Diesterwegs. — Völker, Wantrup, Stiehl und die Genoffen der Regulative sind die Leiter der heutigen Seminare. So sehr uns die Interessen der Religion, ebenso sehr fordern uns auch die Interessen des Fortschritts auf, eine selbstständige, auf wahrhaft jüdischer und freier Grundlage ruhende Lehrerbildungsanstalt zu errichten. Daß diese, um Bedeutung und Kraft zur Fortbildung zu baden, in Unterricht und Leitung auch viele« Anforderungen der s. g. orthodoxen Partei zu genügen hat, liegt in der Natur der Sache. Es ist hier der Ort nicht, auf diese Controversen weiter einzugehen; wir wollen nur andeuten, daß uns ein Seminar nur dann genügen kann, wenn es allen Anforderungen der Pädagog k im vollsten Maaße entspricht. So lange dies nicht der Fall ist, glauben wir mit Recht sagen zu ' können : eine mangelhafte, selbst eine nicht gut kundirte Anstalt ist nicht bester als gar keine. Das deutsche Juoenthpm hat j die Mittel, eine solche Anstalt zu errichten und zu erhalten, j.wenn der ernste Wille vorhanden .st. , Wir kommen zu einer zweiten Zeitfrage. — Wix haben

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