Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 39 (26.9.1867)
- Date
- 1867-09-26
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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158 wo es der tüchtigen Lehrer eben nur wenige gibt, vielfach Gleichgültiakeit für die Interessen deS Lehrerstandes naturgemäß treffen müssen. Darum ist die Gründung einer tüchtigen jüdischen Lehrerbildungsanstalt eine tiefgehende und allseitig anerkannte Zeitfrage. Gestehen wir unS jedoch, daß das bisher zu diesem Zweckt Angebahnte nicht zu einem gedeihlichen Ziele führen konnte, In einer Zeit, wo Alle- „mit vereinten Kräften" arbeitet, ist der Abschluß einiger jüdischer Gemeinden, einer oder zweier Provinzen zw einem solchen Unternehmen widernatürlich und kann nimmermehr zu einem gedeihlichen Ziele führen. Es liegt im jüdischen GewohnheilSleben ein gut Stück Particularismus-, ja ich glaube, daß! unter den deutschen Particularistcn die Juden die allerärgsten j find, so sehr auch die Grundideen, des Judenthums den Blick \ immer auf das „Eine," das „Allgemeine" lenken sollten. Wir in alter Zeit ein eigener „Kehillageist" in jeder irgendwie bedeutenden Gemeinde herrichte, der den Blick n'cht über die Ghttlomauern schweifen ließ-, wie dazumal eine jede jüdische Gemeinde ihre eigenen Minhagim (Gebräuche), ihre eigenen Silben und Gewohnheiten und Rechte, ihr eigenes Leben batte,| wie sie derjenigen ihrer Brüder die. außerbalb dieser Mauer lebten, -selten gedockten, io sehr ste auch brüderliche Aufnahme fanden, wenn sie innerhalb dieser Mauern sich als Gaste befanden, weshalb wir von gemeinsamen Schritten dir Inden, so nothwendig and Mörderlich d'es zu allen Zeitfn auch sein könnte, nur wenig hören, so möchte auchheute noch jede Gemeinde — und sei sie auch noch-Zwckleift, ja die r> oder 6 Familien eines kleinen Ortes um Alles ihre „Selbstständigkeit"'wahren und sorgt nur für sich. Wo aber gem ei y sam e Beranstaltungen nothwendig sind, da —1 entickli-ßen sich nach langen Gcburtöwchen eine ' einzige Provinz oder höchstens zwei Provinzen statt einer imponirencen, großen, allgemeinen Beranftaltung immer wieder eine wi zige Anstalt „für die Provinz" zu errichten, schaut nicht über die willkübrlich gezogene Gränzc hinaus; und dir Particularisten, die Menschen mit dem „engen Gesichtskreise,!" die Herren, -die - in ihrem kleinen Kreise gerne eine wichtige Rolle spielen möchten, die sic in dem großen Ge'ammtunternebmen nicht zu finden fürchten, sagen: n-in; bleiben wir hübsch für unS; sor-zen wir in kleinen „bescheidenen" Kreisen;, sonst.gehtS zu weit, ist unfaßbar, unübersehbar. AllcS recht schön und gut, wenn cS nur wahr und möglich wäre,'wenn nur kein Fiasko auf dem Fuße folgte! Wohl, Alles hat seineGränzcn;. aber auch die'Beschränkung! sie hört dort auf, wo nur durch eine große imponirende Gesammtbeit ein großes Ziel erreicht werden kann. Wohlan denn, soll eine jüdische Lehrerbildungsanstalt geschaffen werden, so-muß sie aitf der Höhe der Zeit stehen, muß nach jeder Richtikng mit den besten Lehranstalten zu diesem Zwecke ccneurriren. können in äußerer unv innerer Ausstattung, muß neben Freiplätzen für die Zöglinge olle Mittel zu in r vollständigen Durchbildung, einer den weitgehendsten Anfordeningen entsprechenden Lehrerbildung bieten. Sie muh schon dadurch zeigen, daß sie eine freie Anstalt ist, hervcrgegangen aus einer Körperschaft, die ein hohes Ziel verfolgt uns darum sich nicht beeinflussen läßt von „herrschenden Strömungen/ auf die wir nickt eingehen wollen, die aber an und für sich schon für den der fortschreitenden Pädagogik huldigenden Juden die Gründung eine« eigener Seminars bedingen würden Darum kann eine geeignete, hen berechsigten Anforderungeil entsprechende Anstalt nicht gegründet und erhalten werder, wenn nicht mindestens die auf der südwestlichen Hälf e Deutschlands wohnenden Juden zu diesem yochen Zwecke zusammentreten. Nur dann, wenn alle etwa im Rhein- und Weserstromgebiet wobnenden jüdischen Gemeinden-sich vereinigen, läßt sich erwarten, daß eine Anstalt geschaffen werde, die eine segensreiche Zukunft verspricht. (Fortsetzung folgt.) Einiges über Schuldisciplin.! _ i Die Erfahrung hat es mir wiederholt und aus's Neue bestätigt, daß im Schulamte viel, unendlich viel von der Persönlichkeit, Würde und Tüchtigkeit des Lehrers abhängt. Wer möchte dieses in Abrede stellen? Was zuvörderst die Eigenthümlichkeit des Lehrers anbelangt, so ist sie die eigneste Gabe deS gütigen Schöpiers und soll und darf nicht nach jeweiligen Ansichten Anderer umgewandelt werden. Es mag wohl daher jeder Lehrer seine Manier auch als Erzieher beibehalten, wenn er nur dafür sorgt, daß diese seine eigne Art und Weise nicht in's Absonderliche, Unangenehme oder gar in's Lächerliche fällt oder dahin ausartet, was allerdings, wie in allen Ständen, io auch in dem Lehrerstande nicht gerade zu den Seltenheiten gehört. Darum thut der Lehrer gut, um io strenger auf sich selbst zu achten, und alles Gemachte, Absonderliche, Pedantische und Unnatürliche in Haltung und Benehmen, in Sitte und Kleidertracht, in Rede und Handlungsweise zu vermeiden. Das Pathos und die vielen Gestikulationen beim Reden, das Bücklingschneiden und Katzenbuckelmachen, die weibische Zierlichkeit und Ziererei u. drgl. m. vertragen sich schlecht mit der einfachen Würde eines verständigen Mannes und sind wohl die ungeeignetsten Mittel, die äußere Würde eines Lehrers zu erhöhen. Nehrigens hat die wahre Würde, wie alles Wahrhafte, Tüchtig« und Gesunde, ihren Ursprung im Innern. Die äußere Würde, insofern sie nur von der inneren, der sittlichen, getragen wird und ein natürlicher Abdruck derselben ist, ist die richtige, die wirkliche Würde. Es sorge daher ein jeder Lehrer und Erzieher dafür, daß es in seinem Innern, in seinem gesamwten Empfinden, Denken und Wollen recht bestellt lei, so wird sich die äußere Würde schon von selber ergeben und finden Es strebe also der Lehrer nur dahin, daß er selbst ein tüchtiger Mensch und Charakter sei, daß er selbst d e sittliche Lebenskunst meisterhaft auszuüben verstehe, und er sorgt zugleich für sein Amt und seinen Beruf. Zu einem tüchtigen Charakter gehört zwar, im Einzelnen genommen, sehr viel. Ich will jedoch hier nur einen Hauptpunkt, in Bezug aus die Behandlung der Geschälte, aus den Grundsätzen der Disciplin von G. Dodschall ansühren. Derselbe sagt in seinem Werke (Liegnitz, 1841) S. 78, wie folgt: „Zu einer achtungswerthen Persönlichkeit des Lehrers gehöi t eine gewisse Festigkeit und Entschiedenheit in der Behandlung der Geschäfte. Sie beruht zum Theil auf einer intellektuellen