Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 37 (12.9.1867)
- Date
- 1867-09-12
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4896751-5428720-5431779--1721-4898164- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
150 — Seite gemacht wurde, daß sie nicht genugsam für die Interessen der Anstalt eingetreten seien, mußte die Conferenz entschieden zurückweisen. Die Lehrer als solche sind von keiner Seite her zur Mitwirkung an dem Werke der Reorganisation eingeladcn worden; ging doch die Einladung zu der bekannten Versammlung in Cöin nur an die Gemeindevorstände. Wir sind aber dessen gewiß, daß, wo den Lehrern nur irgendwie Veranlassung gegeben war, sie aufs Thätigste für ihre Anstalt gewirkt haben. , Dritter Gegenstand der Tagesordnung war die Besprechung des Referats des Herrn öppenheim aus Marburg: der Lehrplan der jüdischen Schuld Der Referent hat eine Arbeit geliefert, die sich gewiß des Beifalles eines jeden Fachmannes erfreuen wird; sie zeugt sowohl von seiner pädagogischen Erfahrung, als auch von feiner tiesinnerlichen Religiosität. Wir erinnern uns nicht, je eine Arbeit gelesen zu haben, in der in so klarer Weile, wenn auch nicht in detaillirter Ausführung, so dochin allgemeinen Umrissen das ganze innere Wesen, der innere Bau der jüdischen Schule gezeichnet ist.*)' Wir enthalten uns der Scizzirung der Arbeit, da sie durch den „Jsr. Lehrer* zum Theil schon veröffentlicht und deshalb schon allseitig bekannt ist, und bemerken nur noch, daß das Referat, von welchem wegen Zeitmangel nur der kleinste Theil zur Besprechung kommen konnte, von der'Conserenz mit dem größten Beifalle ausgenommen wurde. Die Conferenz beschloß aber auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung, die nach Beschluß in Dortmund stattfinde,! soll, Die Besprechung einzelner Theile des Oppenb.im'schcu Referats, sowie des auch auf der Tagesordnung der diesjährigen Conferenz gesetzten Referats des Herrn Lewinger „Ueber das Maß und die Art des Religionsunterrichts den solche Schüler erhalten 'ollen, die nicht ständig die' jüdische Schule besuchen," daS vom Ref. vorgetragen, wegen Zeitmangels aber nicht zur Besprechung kommen konnte, zu setzen. Auf der diesjährigen Conferenz wie auf allen früheren machte sich wiederum der Uebelstand geltend, daß es der Versammlung an einer bestimmten Geschäftsordnung, die vielfach zur Vereinfachung der Verhandlungen und Ersparniß von Zeit fuhren könnte,-fehle. Die Versammlung wählte eine Commission zur Ausarbeitung einer solchen und in dieselbe: Kronenberg aus Gesecke, Mandel aus Lippstadt, Wolksdorf aus Erwitte und Neustaedter aus Hovestadt. Katz aus Brilon machte nach Schluß der Verhandlungen der Conferenz die Mittheilung, daß er beabsichtige, die sämmtlicher. Festtage, in Noten gesetzt, herauszugeben. Dieses wiä> gewiß Manchem willkommen sein, und sind wir der Ueberzeugung, daß Herr Katz. der als tüchtiger Musiker bekannt ist, etwas Gediegenes liefern wird. — Mit Freude und Genugthuung konnten die Theilnehmer an der Conferenz aus die Tage zurückblicken, die sie den heiligen Interessen ihres Standes gewidmet Hallen und es ist gewiß Niemand von der Conferenz geschieden, der nicht neue Anschauungen mit hinein in das Leben genommen hätte, der nicht mit neuer Liebe für seinen Beruf erfüllt wäre und sich nicht lebhaft als Glied eines großen Ganzen gefühlt hätte. Hovestadt, im Juli 1867. Neustaedter, Schriftführer. *) Ter Schluß der Arbeit wird mit rem Beginne des neuen Quartals in diesen Blättern gebracht werden. — Red. Wie kann der Lehrer auf das sinnliche, wie ans das geistige und wie auf das sittlichreltgiöfe Begehrungsvermögen der Schüler nützlich ein» wirken? beantwortet von Zakob Hrthal, Lehrer in Fellheim. Sinnlichkeit und Vemunft machen das Wesen des Menschen aus. Die erste regt sich früher und reizender; die zweite soll die Herrschaft üben. Auf beiden muß bei der Erziehung Rücksicht genommen werden. Wäre der junge Mensch nur tat Sinnenwesen, so dürfte gewiffermaßen nur eine mechanische Angewöhnung angewendet, durch eine beständige Einwirkung auf die Sinnlichkeit das gleichsam abgenöthigt werden, was man erzielen will. Dieß wäre ungefähr so eine Werse, wie man Thiere abrichtet. — Aber auch der noch zarte Mensch ist Nicht blos ein Sinnenwesen; ec hat die Gaben des Gemüths, der Vernunft und des freien Willens, und die Fähigkeit, seinen Willen auszuüben und immer bester, edler und vollkommener zu werden. Es ist daher die Einwirkung auf die Richtung der Triebe und des Will°ns um von so wichtigerer Bedeutung, . als sie mächtigen Einfluß auf die Handlungsweise und auf die Religiosität des Menschen hat und wird sie etn eifriger Lehrer gewiß auf thunlichste Weise sich zur angelegentlichen Aufgabe machen. Er ist nicht blos bildendes Werkzeug für die Erkenntniß-Anlagen dev Kinder, nicht ein bloßer Schreib-, Lese- und Rechenmeister, Sprach- und Geianglehrer; er soll auch ein bildendes!Werkzeug für ihr Herz und Gemüth werden.! Bildung des Verstandes und Bildung des Herzens bleibt Hauptzweck der Schule; denn die Kinder haben ein Erkennt»iß- und ein Willensvermögen. Das Erkenntnißvermögen ist der Baum des Wissens; das Willensvermögen aber der Baum des Lebens, dem unbestritten das Hauptaugenmerk zugewendet werden muß, und zu dessen Pflege und Gedeihen eine Einwirkung auf das BegehrungSvermögen der Jugend in feiner dreifachen Beziehung kein unerhebliches Ersorderniß ist. . Die sichtbare Natur wirkt mit ihren Gegenständen von allen Güten auf die Sinne des Menschen und durch diese auf seine Seele. Diese von Außen erhaltenen Eindrücke sind angenehme oder unangenehme Gefühle. Die Gefühle des Menschen werden eingetheilt in sin nliche, d. h. m solche, die aus Eindrücken, welche auf die Sinnesorgane gemacht, heroorgebracht werden, und in übersinnliche oder überirdische — solche, die von keiner Reizbarkeit der Smne, — die von der Vernunft bedingt stad. Durch die erhaltenen Eindrücke entstehen Vorstellungen; diese bewegen hinwieder den Gei st zth Wirksamkeit nach Außen, undwerden somit die Triebfeder zum Streben, Begehren — und Handeln. Je nachdem nun die Vorstellungen beschaffen sind, wird auch selbst das Begehren sein. So lange der Mensch auf der untersten Stufe der Cultur steht, bietet sich nur