Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 35 (29.8.1867)
- Date
- 1867-08-29
- Page
- Seite 142 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Ordnung darf aber nicht in -Pedanterie ausarten, die > kleinlich, splitterrichterlich, haarspaltend das Kind quält. Im Gesetze muß die Freiheit walten, die Ordnung ist die Mutter der Schönheit und wenn die erste gepflegt wird, so erwächst aus ihr die Liebe zur Kunst und.was zuerst beim Kinde unbewußt aus Gehorsam gegen den Lehrer geschehen, wird mit klarem Bewußtsein vollbracht. Also sei der Lehrer ein lebendiges Vorbild der Ordnung! Wenn der Lehrer an stch selbst die Ordnung zur Anschauung bringt, so wird sie auch in der Schule herrschen. Die. Kinder müssen gleich beim- Eintritt in die Schule merken, daß in ihr Gesetz und Ordnung herrschen. Die Ungebundenheit des Kinderspiels muß sich umgestalten in das Selbstbewußt lern; der Schüler mqß sich als ein Glied des ganzen Schulorganismus betrachten lernen. Das Etillesttzen, nicht nach Willkür reden dürfen, kommt dem Schüler zuerst schwer an, bis er daran gewöhnt ist. Ebenso das Lernen; es wird zuerst dem Schüler schwer und es soll auch nicht zur Spielerei gemacht werden, daS Kind darf merken, daß Lernen ein Geschäft ist. Daß man das Lernen zu leicht machen will, verzieht unsere Jugend und macht sie arbeitsscheu. Das Memoriren habe ich als treffliches Zuchtmittel zur Angewöhnung der Ordnung kennen gelernt. Da gibt es kein Springen, kein Hudeln; man muß stch an das Wort haltm, bis es eingeprägt ist. DaS Abhören des Auswmdiggelernten ist wiederum ein treffliches Mittel zur Angewöh- , nung und Anerziehung der Ordnung. Aber auch das Leben zu Hause hat der Lehrer zu beachten; .es ist eine irrige Meinung, wenn der Lehrer sein Regiment an der Schulhausthüre begrenzt glaubt. Die Volksschule wurzelt in der Familie, es kann der Volksl-chrer die Familie nicht ignoriren. Das Gesetz' der Schule ragt hinein ins Leben und der Lehrer darf nicht indifferent sein für das Betragen des Kindes im Elternhause. Die Schuldauer muß genau geregelt sein. Die Schulausnahme und die Schulentlanung, die tägliche Schulzeit, die Vakanzen müssen nach gewissen Obiervcmzen und nach dem Landesgesetze geordnet iemi Schulversaumnisse müssen gerügt und bestraft werden. Zn geordneten Schulen werden die Schulversäumnisse weniger ''ein und man kann sie durch Sorgsalt selbst in. solchen Gemeinden mindern, wo sie bis jetzt eine Kalamität wareü. Die Gewissenhaftigkeit des Lehrers ^beim Aufzeichnen der Schuloeriäumnisse, die geordnete Buchung derselben, das Ablesen und. die Mittheilüng der Versäumnißstatistik. vor der Prüfung wirkt sehr wohlthätig. Die Schule beginnt mit Gebet, das gehört zur göttlichen Ordnung: „Mit dem Herrn fang Alles an;" sie schließt mit Gebet. Die Ordnung beim Gebet ist ebenso anzuerziehen, wie jedes andere Wissen und Können. Beten will gelernt sein. Es giebt ja schon eine Gebetordnung, die Liturgie: ein gemeinschaftliches Beten, die Responsorien, die Litaneien. Diese Ordnungen wollen geübt sein. Haus-, Schul- und öffentliche Kirchena ndacht beruhen auf Ordnung.^ Darum hat der Lehrer auch am die Ordnung seiner Schüler beim öffentlichen Gottesdienst Acht zu haben. Durch das gemeinsame, öffentliche Gebet kommen wir auf das gesellige Verhalten des Schülers, als Angehöriger der Gemeinde, des Staats. Das Verhalten des Schülers zum Mitschüler muß geordnet sein Sie sollen verträglich mit einander leben. Durch die Mentoren wird die gegenseitige Hilfeleistung geweckt, eine Nachhilfe außer der Schule. Der Lehrer darf wohl aus den Besseren einen Cadre bilden, der dm Schwächern nachhilft, rhnen als Muster dient. Es darf wohl in der Schule eine Aristokratie des Geistes und der Sitten bestehen. Die Mitschüler erkennm sie gerne an. Beim Wechselseitigen-Unterricht wird diese Lernordnung und Gliederung ja methodisch verlangt. Freilich bedarf es hier besonders einer geeigneten Lehrerpersönlichkeit. Die Ordnung im geselligen Leben. Unterthanen und Obrigkeit — freilich ist der Ausdruck Unterthan jetzt verpönt, Staatsbürger ist an seine Stelle getreten; — muß dem Schüler in der Schule schon bildlich vorgeführt werden. Er ist Unterthan und der Lehrer die Obrigkeit. Der Besuch deS Inspektors, die Schulprüfunqen rc. lehren ihn die Ordnung der Staatsgliederung die Ordnung des geselligen Lebens. Die Mmschenliebe, die Achtung vor Obrigkeit und Alter muß durch die Schule angeordnet und angewöhnt werden. Die Sch ile gewöhnt auch an Ordnung in der Arbeit. Man hat schon von Arbeitsschulen gesprochen; jede Schule ist in gewissem Sinne Arbeitsschule. Der Lehrer muß in jeder Schulklasie 'einen Schülern im Berhältniß zu ihren Fähigkeiten Arbeit zumuthm in rechtem'Maße, denn oas Sprüchwort sagt: „Zu wenig und zu viel verdirbt allen das Spiel!" Also Maß und Ziel in der Arbeit. In der Schule selbst muß der Schüler durch die-Schulordnung angehalten werden, geordnet;u arbeiten. Das Rechnen, besonders da« Schlußrechnei^, zwingt den Schüler geord iet zu denken und zu arbeiten. Das Schreiben in der Schule und die Hausaufgaben sind Mittel zur Ordnungszucht. Pünktlichkeit und Reinlichkeit müssm strenge gefordert werden. Ordnung muß auch im Schulraume herrschen, Ordnung gepaart mit Reinlichkeit. In dem Schulzimmer sollen die Wände, die Fußböden, die Bänke und Tische rein sein, Ordnung in den Schulgeräthe» herrschen. .;ch habe angeordnet, daß die Mädchen jedm Morgen den Pult des Lehrers, die Simsen, die Fmster rc. rc. zu reinigen haben; Knaben; haben die Läden zu schließen und zu öffnen; andere wechseln in dör Aussicht über die Schulbücher und müssm sie vertheilen und einiammeln. I Die Kleider müssen geordnet, die Haare rc. gekämmt sein rc. Rein und ganz, verleiht oen Glanz. I Die Location gehört auch zur Ordnung; sie gewöhnt an Ordnung und Unterordnung und stellt wieder dar, wie ■ das Verdienst belohnt wird; die Location erleichtert dem ' Lehrer den Unterricht. i Ordnung muß sich kund geben im ganzen Benehmm! der Kinder, im Sitzen, im Gehen, im Eintreten und Weg- . gehm. Ich lasse die Kinder nach dem Kommando die Schule £• verlassen. Ich dulde kein Zuschlagm der Thüren, kein un« anständiges Eintreten. Ich dulde keine wollene Umschlagtncher im Winter im Zimmer, keine Kcinolinen, die den ' Platz versperren und unzüchtig sind. j Wir könnten noch viele Zuchtmittel zur Ordnung«- r» aewöhnung nennen, wie sie die Gesetze der Schule und diel Autorität des Letzteren vorschreiben. Wir wollen aber jetzt vom Gesetz zur Freiheit übergehen. Der Schüler muß!.