Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 33 (15.8.1867)
- Date
- 1867-08-15
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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134 .1 und Dialekt und immer wieder di« Vergleichung mit den bekannte» Verhältnissen der Heimath. Ist einmal ein Land in dieser Richtung tüchtig behandelt, so ist ein Musterbild gegeben und der strebsame Schüler wird in anderen Verhältniffen selbst sich weiter helfen können. Die Anleitung bei eine«, mehrstündigen Spaziergang mit den Schülern, wie «ine Gegend zu betrachten ist, ist eine sehr nutzbringende geographische Lection. Ein Spaziergang mit meinen Schülern n<u$ Dischingen war für diese ein Gewinn an Kenntnissen. Wir überschritten Rottau und Durnau, kamen an die Donau, und sprachen von Flußgebieten und Wasserscheiden; wir durchwanderten mehrerer Herren Gebiete und die Feudalzeit wanderte vor dem Geiste der Kruder vorüber. Ach erzählte vom Grafen von Schenk in Dischingen, der für viele Duodezherren der peinliche Gerichtsvollstrecker war und jetzt besitzt ein Jude dessen Gebiet; früher aber hätten Juden ohne Geleitsschein und Iudenzoll kein Gebiet betreten dürfen. — Da brauste der Schnellzug an uns vorüber und die Reisenden schwenkten aus den Waggons der munteren Schülerzahl die Hüte entgegen. Jetzt brachte ich das Gespräch auf Eisenbahnen und Landstraßen rc. Ws Vakanzausgabe' müssen mir die Schüler erlebte oder erdachte Reisebefchreibüngen bringen. Wie instruktiv ist die Beschreibung der Volkstrachten. Der Tyroler, dessen Gewandung seinem Klima und seiner Gebirgsgend angepaßt ist. Ein Saooyarde mit dem Leierkasten oder dem Murmelthier ist mir ein geographische- Charakterbild; der polnische Betteljude und der aus Jerusalem entsandte Emissär, um zu sammeln für die Rothleidenden seiner Vaterstadt, geben mir Veranlassung zu geographischen und ethnographischen Bildern. Ein Haupterforderniß des geographischen Unterrichtes ist eS, bekannt zu machen mit den politischen Zuständen des Vaterlandes. Die Behörden der Gemeinde, des Bezirks, des Kreises; die Landstänbe,. der- Hof, das Militär; die gemeinnützigen Anstalten des Vaterlandes find dem Schüler vorzuführen. Die Aufgabe scheint schwer, wenn es schwarz auf weiß vorgeschrieben ist; aber in vierjähriger Unterrichtszeit vom 10/14. Jahre ist es nicht schwierig, es zu erreichen. Methoden lassen sich zwar beschreiben; aber diese Beschreibungen nützen wenig; die Methode muß selbst erfahren sein, aps dem Lehrer selbst hervorwachsen. Stetes Fortbilden, nnmerwährendes Achten auf die Culturentwicklung, verständige Lectüre -sind dem Lehrer unentbehrlich und wo und wann es Gelegenheit gibt, bringt er in seiner Schule seine neuen Erfahrungen an den Mann. Aber auch hierin muß man gegen Mißbrauch vorsichtig sein, daß man nicht ein Vielschwätzer werde. Der Geographie-Unterricht, wie ihn die Volksschule als Basis ertheüt, gü»t Zugrundelegendes, wenig, aber das Wenige vielseitig und vollständig, daß der Schüler lerne auf der Erde mit Verstand wandeln und mit Emsicht den Himmel bettachten. Wochenbericht. Odernheim, den 12. August. In dem Momente, wo unsere geschätzten Leser dieses Blatt empfangen werden, wird ein großer Theil derselben bereits zur Reise nach Frankfurt gerüstet sein. Wir können nicht umhin, hier nochmals den Wunsch auszusprechen, daß unsere geschätzten (Lollegen — auch die nicht Mittglieder des Unterstützungsvereins sind, sich zahlreich in Frankfurt einfinden mögen. Abgesehen von der Wichtigkeit der Verhandlungen in Bezug aus den Verein wird, wie wir dies schon öfters zu sagen Gelegenheit hatten, sich so Manches besprechen laffen, was für alle jüdischen Lehrer bedeutungsvoll ist. Wir können hier auf Einzelnes nicht eingehen, wollen uns auch alles unbescheidenen und unbcrechagten Einfinffes auf die Verhandlungen enthalten, aber — es wäre doch eigenthümlich, wenn ein zweitägiges Beisammensein befreundeter (Lollegen nickt Anregend und begeisternd nachwirten sollte für Schule und Leben; ein Zusammensein, wie es nur selten ermöglicht wird. Ohne den Verhandlungen vorgreifeu zu wollen, dürfen wir boch eines hier mittheilen, was dort zu besprechen sein möchte und was uns vielleicht manchen Freund nach Frankfurt bringen dürste: es handelt sich um das gedeihliche Fortbestehen dieses Blattes, deS einzigen Organs, wo die Stimme der Schule, die Stimme der Lehrer offen und klar, ohne Scheu vernominen werden kaim. — Der Lchrerstand hat stets viel und Wichtiges zu besprechen. Es wird — so hoffen wir — an Zeit, und Gelegenheit nicht fehlen. Auch die ß,bre des jüdischen Lehrerstandes ist bei dem recht zahlreichen Besuche in Frankfurt vielfach betheiligt. Es ist den Lesern dieser Zeitung gewiß nicht unbekannt, daß man in großen Städten gar zu gerne mit geringschätzigem Achselzucken auf die arrnen jüdischen Landlehrer herabschaut. Eine recht zahlreiche, in würdiger Weise aufttetende Versammlung, die sich auch als Lehrerversammlung fühlt, würde gewiß dazu beitragen, in manchen Kreisen von den Gliedern unseres Standes eine andere Meinung zu bilden- Wir mißkennen die Opfer nicht, dieManchcr zu bringen - haben dürfte; aber, einmal in drei Jahren, glaubeich, wird man dieses Opfer wohl bringen können,- dürfen und müssen- Also nochmals, wir zählen auf einen recht zahlreichen Besuch! Aus Ober-franken. Die B. Blätter melden aus Burgprcppack vom 27. Julr: „Unterm 23d. hat sich auch hier ein Lehrerverein gebildet, der als Zweigverein des allg. bayr Lebrervereins dessen Programm verfolgen wird- Die Gründer dieses Vereins (der kath., Protest, und israel. Lehrerschaft in und um Burgpreppach angehörig) erkannten einsitinmig. daß die Verfolgung und Er-reichung des großen Ziels der wahren Volksbildung vor allem Einigkeit der Volksbildner unter sich erfordern. Möge diese- Beispiel der Zusammengehörigkeit und des einheitlichen Wirkenwünschenswerthe Nachahmung da finden, wo die Eintracht vermißt und ihr geflissentlich entgegen gearbeitet wird." Ich säume nicht, Ihnen diese Miltheilung zu machen, weil sie, Angesichts alles dessen, wav jetzt in Bayern geschieht und die Lehrerwelt bewegt, immerhin einige Bedeutung hat. Sie wissen, daß der „allg. bayr. Lehrerverein" auch einige — wenn auch im Ganzen nur wenige — Juden unter seinen Mitgliedern zählt. Doch tonnten diese nie so eigentlich Bürgerrecht in diesem Vereine erlängen. Warum? Vielleicht wegen der im Ganzen schwachen Theiknahme. der jüdischen Lehrer- Möglich ist's wohl und wieder kann an dieser auffallend schwachen Betheiligung der finstere Geist sein