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Der israelitische Lehrer · 1867-08-15 · 33 (15.8.1867) · p. Seite 135

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
33 (15.8.1867)
Date
1867-08-15
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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135 £VU «m Schuld haben, der von der Brutstätte deS ZelotiSmus in Unterfranken auS leider mehr und mehr über Bayern» iSrael. Gemeinde und deren Lehrer sich verbreitet. Ueber diese Thatsacke wollen wir uns keiner Selbsttäuschung hingeben*). — Bekannt ist ferner — und Sie berührten daö bereit» in diesen Blätter-» schon lange — daß der bayerische Ledrervercin die Gründung einer Lehrer- Waisenanstalt 'anstrebt, wozu bereit» über 25,«X» fl. gesammelt find, daß aber diese« Waisenstift in bückst ausfallender Weis« von vornherein die Israeliten von der Theilnahme auSschloß; d. h. sammeln und beisteuern dürfen wohl Juden und jüdische Lehrer, aber das Stift, das „zum Andenken an den höchstseligen König Max" gegründet wurde, sorgt nur für „katholische und protestantische Lehrerwaisen" ist eine „christl." Anstalt; jüd. Lebrerwaisen sind definitiv ausgeschlossen. Sehen Sie, es ist immer noch etwas faul im Staate Dänemark. Liegt wohl ein Grund zu dieser Ausschließung vor? Sicherlich nicht! Wenn man auch damit umgeht, für die christlichen Lebrerwaisen ein Waisenhaus, eine geschlossene Waisenanstalt zu gründen, so hätte inan dock jüdische Lehrerwaisen in jüdischen , '^tiDalbäuffTn unterbriugen können. Sicherlich wären dann auck von jüdischen Lehrern cnsprechende Zuflüsse beigebracht worden. Ter Jude ist im „Geben" gegen seine christlichen Mitbürger nie zurückgeblieben. Lasten Sie mich in Bezug hierauf hier ein Euriosum mittheilen. Es ist wahrlich nickt meine Art gegen Genoffen ineines Standes zu kämpfen; und doch kann ick dieses Faktum nickt mit Schweigen übergeben. Ter sebr fromme, auch sonst sehr tüchtige jüdische Lehrer I. S. zu T. hat sich laut Berzeichniß der Sammlungen in der bayr. Lehrerzeilung bemüßigt gefunden, für dieses LeKrerwaisenstift, das Juden ausschließt, eine Sammlung in seiner Gemeinde zu veranstalten, die 11 fl. ergab. Dem „Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger isr. Lebrer, Lehrer-Wittwen und-Waisen" hat derselbe bisher seine Mitwirkung.versagt, obwohl die Hälfte der von ihm derzeit Unterstützten bayr. jüdische Lehrerangebörige sind und folglich für die bayr- Lehrer jüdischer Eonfession, auch wenn sie nickt Mitglieder deS Vereins sein sollten, doch gewiß damit eine nähere und heiligere Verpflichtung geworden ist, als die Sammlung für ein Stift, daö sie ausschließt- Es isr — sagen wir — auch für die Nichtmilglieder Pflicht für daö Fortbestehen und die Entwickelung unseres Unterstützungsvereins Sorge zu tragen. Was sagen Sie aber zu jener Thatsacke? Ist eine solche Handlung Toleranz — oder Servilität? Kann man von uns Mitwirkung verlangen, wenn man uns ausschließt? Dürfen wir, wenn wir gereckt sein wollen gegen uns selbst und gegen die (Genossen unseres Glaubens, Intoleranz und Ausschließung unterstützen? Erscheint das nicht gleichsam als ein Gegenstück zu dein bekannten Gerede, das ich stets für eine Satyre hielt und nickt glauben wollte: daßnämlick einmal die frommen Rabbiner gegen die Emaneipalion agitirten und petilionirten**)? Doch genug von dieser betrübend lächerlichen Geschickte. Wir haben noch zu berichten, daß auch der bayr. Lehrervein augenblicklich einer Krisis entgegengeht. Ein obscurer Lehrer Auer ans Schnufenhofen, wahrscheinlich ein Strohmann, strebt die Gründung eines Gezenvereins. eines „katholisch-pädagogischen Vereins in Bayern" an, und wenn auch sehr viele Stimmen gegen diesen *) Sicher ist doch, daß sich der gelch. Herr Correlpondent über d>» Tragweite «birfer immerhin benrerken-wertbcn und auffallenden Erscheinungen «tuscht — Sied. **) Ist saNisch! — Red. Mann und seine wohl von der kath. Geistlichkeit geschürten Bestrebungen laut werden, so läßt sich dock nicht zweifeln, daß diese Zerwürfnisse den allg. bayr. Lehrerverein sehr schädigen können, weil eben die streng-kirchliche Richtung auch unter den Lehrern noch stark in Bayern ist und weil die immer noch sehr mächtigen Ultramonlanrn, die geistlichen Führer, durch Einschüchterung und andere Mittel einen großen Einfluß ans die Entwickelimg dieser Angelegenheit gewinnen werden. Möge der allg. bayr. Lehrerv er ein daran jedoch erkennen, wohin Ausschließung, Intoleranz confessionelle Scheidung auch nur im kleinsten Maaße führen und fernerhin bei seinen Bestrebungen auch der Juden nicht vergessen, daher zuoberst das „allgemeine," das „humanmenschliche" nickt das immerhin exclusive „christliche" Princip walten lgffen- Dann, wenn er selbst kein exclusives Princip bat, hat er nicht zu fürchten, daß Dunkelmänner den confessionellen Zankapfel in den Verein werfen, der freisinnigen Grundsätzen' huldigen will. Aber auch für uns liegt eine Lebre in diesen Vorgängen. Wir wollen vor allem uns nicht selbst ansschließen, aber auch nickt so sehr selbstlos voreilig und übermäßig servil hingebend sein. Wir wollen wobl prüfen, wie man mit un» verfährt. Schließlich mag auch der bald tagenden jüdischen Lchrerversammlung, der Angesichts svlckcrBorgänge geiviß Niemand Abschlicßungssuckt vorwerfen kann, und hie als Generalversammlung des UnterstützungSvereins rc. rc. eigentlich so recht ein Akt notbwendiger Selbsthilfe ist, vielleicht eine bedeutsame Frage zur Erörterung vorliegen, die sch, da ich leider am persönlichen Erscheinen in Frankfurt verhindert bin, hier zur öffentlichen Kenntniß bringe: Wäre es nickt möglich oder gar geboten, einen Tbcil der Tbätigkeit des Vereins abzuzweigen und die Gründung eines jüdischen Ledrerwaisenbauses wobl vom Vereine aus, doch bis zu einem gewissen Grade selbstständig anzustren? Für eine solche Anstalt würden sich vielfach Mittel und Beziigsguellen finden, die unserm Vereine abgeben; und gewiß würden einer solchen Anstalt auch solche Lebrer' ihre Theilnabme zuwende», die bis, jetzt umereist Vereine aus dem Grunde etwa nicht angebkren, weil sie als ordentlich vom Staate bestellte Vvlkslebrer für sich und ibre Wittwen ans den allg. Kaffen Pensionen einpsangen*). Ick hoffe, keinen unnützen Gedanken geäußert zu haben und glaube: die Sache will reiflich erwogen sein. Aus Oberfranken. Wie Sie-ft Z. berichteten, war bei Besetzung einer Stelle an der ttädlikcken Realschule zu Fürth -auf einen Israeliten besonders Rücksicht genommen worden, der den zahlreichen Israeliten dieser Anstalt zugleich den Rcligionsnnterrichl ertbeilen sollte. Diese Stelle war demzufolge, bereits auch an eine» Israeliten, dein weit bekannten und sebr geschätzten Lebrer Ii'aac Oberineier zu Tulzbach übertragen. Nun enthalten die öffentlichen Blätter folgende auffallende Notiz: .Auszug ad. Kr. A. Bl.) „Uebertragen: Die Realleiitekrerstelle an der mit der isolirten Lateinschule zu Fürth verbundenen Realschule unter Enlbindnng des isr. Schul- und ReligionSlebrers Isaac Obermeier zu Sulzback vor dem Antritte dieser- Stelle auf Vorschlag der städtischen Gemeindeeollegien zu Fürth dem dermaligen Seminarhilfstehrer Wilhelm Rohniederzu Sckwabach" Es wäre interessant, zu wissen, ob dieser Rücktritt nur aus persönlichen (gründen geschehen ist, oder ob hier vielleicht Einflüsse sich geltend machten, die von de» ursprünglichen Tendenzen.abweichende waren? *) Das freilich nicht ganz ohne Egoiöjnus, doch oft Ang sicht» der bedeutend » Bitrci<e, di« sie zu dies« Raffen leisten müssen, einigerm -ßen entschuldbar ist.!

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