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Der israelitische Lehrer · 1867-08-08 · 32 (8.8.1867) · p. Seite 130

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
32 (8.8.1867)
Date
1867-08-08
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 Da» Leben mit seiner reichen Mannigfaltigkeit ist ein vortrefflicher Schulmeister, wenn wir nur seine Lehrqehilsen sein wollten und wiederholend nachhelfen, wo die Familie und dar Leben schon gelehrt haben. In der Schule selbst, wie oft kommt man da auf geographische Begriffe zu sprechen. Ist die Schöpfungsgeschichte nicht mathematische und physische Geographie; die heilige und profane Geschichte — hat sie es nicht mit Land und Leuten zu thun? Wenn wir nur einmal von der Gewohnheit abließen, jeden Unterrichtsgegenstand einzuschachteln, wie ein Einsatzgewicht, wie die Apothekerbüchsen, mit Etiketten versehen, daß der Lehrjunge nur hingreifen kann und herunterlangen, was er braucht. Die Welt- und Naturkunde bedürfen einer besonderen Eonc« ntration, und darum, besonders seit der Einführung der Lesebücher, kann viel Nützliches gelehrt werden, ohne einen recht gelehiten LertionSplan zu haben. Und das ist der Fehler unserer Zeih daß sie für Alles einen besonderen Kunstaustruck haben will. Lehren wir in unseren Schulen recht lesen, recht schreiben, recht betrachten, recht denken rc., so haben wir der Pensen genug. Ich verlange nur eine Stunde wöchentlich für Geographie; nicht nur in der Volksschule, auch in der Mittel- und Realschule genügt sie. Die Vyrbegnffe zur Geographie lernt daS Kind von der ersten Stufe als Elementarschüler schon. 'Ein richtiger Anschauungsunterricht kommt darauf zu sprechen. Waren auch nur manche dieser Elemente Worte, die der Schüler sich einprägt, sie werden später rcproducirt und gehen vom Gedächtniß in den Geist über. Wenn ich nun von Höhen und Tbälern spreche, so kann daran wohl die Vielgestaltung der Erde explicirt werden. Das Kind sieht den Mond, er ist rundg kann es nicht auch b'greisen, daß die Erde'rund ist? denn daß sie ein Himmelskörper ist, hat es schon auf Treu und Glauben hingenomu en. Sommer- und Winterseite begreift das Kind an seinem Hause; sollte es daran nicht die Weltgegenden kennen lernen? — Der Bach, der Fluß, seine Ufer, seine Strömung rc. liegen ror ihm, sollte es daran nicht auf das Entferntere schließen können? — Und doch täuschen wir uns so oft zu unserem und der Schüler Schaden, wenn wir vermuthen, wir sind verstanden worden, und .s gibt auch einen Mechanismus des Gedankenausdrucks, der scheinbar rationell ist und doch nur des Lehrers Worte, wiederholt. Darum bedarf die Schule in manchen Dingen, .symbolisch, verjüngte Darstellungen und das sind beim geographischen Unterricht die Karten, die Globen, die Kartennetze u. s/w. Wenn wir von besonderen Anschauungsmitteln sprechen, so können diese nicht so gelegentlich nur benützt werden, sondern es bedarf eines besonderen systematischen, methodiichen Unterrichts. Die Geschichte des geographischen Unterrichtes zeigt uns folgende Entwicklung: Zuerst griff man zu einem Lehrbuchs, legte eine Kai te daneben, ließ den Schüler einen Ab-_ schnitt im Lehrbuche les-n und dann auf der Karte Flüsse, Berge, Seen, Meere, Länder und Städte nachzeigen; eine Karte ohne Namen wurde beim Repetiren angewandt. — Später ging man von der Erdobei fläche aus, ließ die Flußgebiete, Flüsse, .Gebirge, Wasserscheiden rc. memoriren, die politische Eintheilung wurde nur nebenbei berücksichtigt. Der Schüler kannte den Rhein und alle Nebenflüsse und alle Gebirge mit den Höhen, wußte aber nicht, an welche Gerichtsbehörde bei einer Berufung gegen da« Bezirksgericht man sich zu wenden habe; der Sitz der Kreisstellen war ihm fremd. Wegen des Abstrakten wurde das Nächstliegende zum bürgerlichen, beruflichen Leben nothwendige vergessen. — Grube hat mit seinen geographischen CharakterbilvekN neue Bahn gebrochen. Dä werden Land und Leute, Thier- und Pflanzenleben, Himmelskunde, physikalische und politische Geographie in einen Rahmen gebracht, das ist wohl schön und gut. Aber Palmer fürchtet mit Recht, daß der Unterricht dadurch in Spielerei auSarten kön te. Diese Art der Darstellung eignet sich auch mehr für höhere Anstalten, für Schüler, die weiterstrebend, selbst lesen; aber für die Volksschule wird diese Methode allein nicht ersprießlich sein. (Schluß folgt ) Recerrsion. Der Mann und seine Zeit. Predigt von l)r. Adolf Salvendi, Bezirks-Rabbiner in Dürkheim. Frankfurt am Main, bei I Kaufmann 1867. Man merkt es der äußern Form der Predigt an, daß d/r Verfasser, aufnicht-deutschem Boden geboren und erzogen, zur Wohlredenheit die deutsche Sprache noch nicht vollständig beherrscht. Er vcrräth indeß ausreichende Anlage dazu. Durch fleißige Lektüre deutscher Classiker und guter Musterpredigten wird er die erwünschte Vollendung in der Behandlung der Sprache bald erlangen. Der Inhalt der Pre-' digt offenbart uns die religiöse Gesinnung des Rabbiners, dessen angeblich starke Hinneigung zur Hyperorthodoxie man bereits von der einen Seite stark getadelt, von der andern freudig begrüßt hat. Nach dieser Predigt halten wir eine solche Beurtheilung für voreilig und sogar fehlgegriffen, obgleich der Redner seine, religiösen Principien mit durchsichtiger Klarheit nicht offen gelegt hat. Er behandelt daS -in dji£ , um zu sagen, daß der religiöse Führer mit den Zeitbedürfnissen seiner Gemeinde fortschreiten, mit denselbin gleichen Schritt halten müsse. Wir begrüßen den Verfasser auf dieser Bahn und zählen ihn zu den Unsrigen. Zwar wird dieser Fortschritt nur dahin gedeutet, daß zum heutigen Amte, wie bei den Rabbinern der Vorzeit, nicht mehr und ausschließlich hebräisches und talmudisches Wissen genüge, sondern daß auch die profanen Wissenschaften gelernt sein müßten. Der Herr Rabbiner gibt aber auch zu erkennen, daß das bloße Wissen und doctrinäreS Torastadium in unserer Zeit ebenfalls nicht mehr ausreiche, gleich wie in der Vorzeit, sondern daß die faktischen Berührungen mit dem Leben den Rabbiner nöthigen, die Widersprüche zwischen Lehre und Leben für sich und seine Gemeinde m wirkliche Ausgleichung zu bringen. Aller Anfang mit Gott. Predigt am 7ten Tage deS PessachrFestes von Dr. Adolf Salvendi. Frankfurt am Main bei I. Kaufmann, 1867. Der Text ist dem Hohenlieds entnommen, dessen bilder¬ und schwungreiche Sprache der Sprache des Rednereben-

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