Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 30 (25.7.1867)
- Date
- 1867-07-25
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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122 - ar Männer- und Fraueüvereine. Ihre eifrigste Untrrtzung und Pflege möge oem Lehrer wann empfohlen sein. Sie sind eine bleibende Zierde unserer Gemeinwesen. In diesen Vereinen finden sich die lebensfähigen Elemente der Gemeinde in ällen Schattlrungen zusammen und alles Parteiwesen muß da sorgsamst fern gehalten werden. Doch soll der Lehrer einzelnen Unsitten, welche durch mißverstandene Anschauungen früherer. Zeiten fast religiöses Ansehen gewonnen haben, wie z. B. VaS zu frühe Beerdigen, das Abheben. der Tobten vom Todtenbette u drgl. — im Interesse der Menschlichkeit kräftig entgegentreten. Sollen wir das Leben und die Wirksamkeit des jsid. Lehrers vom Land« noch mehr ins Einzelne gehend betrachten? Es würde uns zu weit führen.^ Groß ist seine Aufgabe und er muß, um derselben genügen.zu können, ein ganzer Mann sein. Er steht in Mitten der Gemeinde oft als geistiger Führer und Leiter, oder doch als leitender Mittelpunkt. Freilich oft, — ach. leider nur zu oft — sind die jüdischen Lehrer auch noch die .leidenden" Mittelpunkte der Gemeinde, und es bat uns schon manchmal sehr geschmerzt, daß die Lehrer selbst von ihrem Streben und Wirken eine io geringe Meinung haben. Wir empfinden es immer wie einen schimpflichen Hohn, wenn ein Lehrer seinen Brief an uns mit der Phrase schließt, ^-,fie ist bei sehr vielen fast stehend geworden, — „Ihr Leidensbruder" (statt „Amtsbruder")das sind Gedanken und Ausdrücke, die bittere Folgen haben sür die Gemeinden und Lehrer. Groß und erhaben ist die Aufgabe des jüdische» Lehrers. Wer sie erkennt und begreift,, ist schon weit auf dem Wege; er wird seinen Platzes ist ein hehrer — ausfüllen. Nur derjenige Mensch ist im Stande, seine Ausgabe im Leben zu erfüllen, der von dersekben'groß und edel denkt. Begreifen das die jüdischen Lehrer? O, ja, sicher Viele; wir dürfen es ohne Ruhmredigkeit sagen: Der jüdische Lehrerstand Deutschlands m kleineren und größeren Gemeinden kann stolz »ein auf eine große Zahl seiner Genosien. Was die neue Zeit untxr den Israeliten Großes und Herrliches hervorgebrächt — der bescheidene, oft sehr gedrückte jüdische Lehrerstand hat fein redli^ Thell daran; vielleicht mehr, als ihm Audere zugestehen mochte». Daß aber nock viele, weitaus die größere Zahl der jüdischen Lehrer — hier mehr, dort weniger — ihrer Aufgabe nicht genügen und nicht genügen köunen; wer wollte das bezweifel« oder leugnen? Wir dürfen und können es nicht verhehlen, im eigenen Interesse, im Interesse des Standes, der Gesammtheit, daß der Lehrerstand auch viele unwürdige Glieder zählt. Aber nicht unser ist die Schuld! Wir wollen hier keine Vorwürfe machen. — Man wird uns jedoch erlauben, am Schluffe unseres etwas langgewordenen, doch durchaus nicht erschöpfenden Artikels einen Satz auszuiprechen, und wir fordern zur Widerlegung auf, wenn Jemand da ist, der ihn bestreiten mag. Das Heil des JudenthumS beruht vor Allem und hauptsächlich auf einen tüchtigen, strebenden, burchgebildeten und angemessengestellten Lehrerstand. Die Schule ist die Zukunft; sie ist die alleinige naturgemäße Grundlage aller weiteren Bestrebungen. Eine Gemeinde ohne Schule ist ein Körper ohne Seele. Lassen wir darum alles Andere und bemühen I »ns, diejenigen Beranstaltungen und Vereine zu fördern, , welche die Sicherung u id Verbesserung der Stellung des Lehrers bezwecken und sein Zusammengehen als Stand unterstützen. „Lebe im Ganzen! Immer strebe zum Ganzen! Schließ an ein Ganzes Dich an!" In der Vereinigung der Kräfte liegt ein Schutz und Sporn. Suchen wir aber auch dahin zu wirken, daß in Israel keine Gemeinde mehr ohne Schule und Lehrer bleibe und eine genügende Anzahl tüchtiger, strebender Lehrer, die Schule in Mael, das will sagen: die Quelle der Erkenntnis, der Entwickelung und i Förderuog alles Heiligen und Großen pflege. iS p d> c it b c r i <b t. Alzey, 14. Juli. In 'Jiv. 27 des „Hamagid" wird ein Originalschreibeu des Vereins „Friede Ierusalein'S" in MinSk 1 veröffentlicht, welches eine Rechtfertigung des bekamilen Reisenden : Joseph Juda Tsckanii gegen die Beschuldigung enthält, daß der- I selbe seine llnrernebniung einestheils auf versöulichen Eigennutz, anderiikbeils ans die Absicht gegründet bade, .Propaganda für sein Karäerlbuin zu macken. Wir erfabren, daß Tl'ch. ein geborener! Minsker ist, und seine Landsleute, die ilm von Jugend auf und persönlich kennen, zeugen, sogar auch noch mit Berufung auf Rabbinalszeugnisse, für seine Rechlschasieiiheit und gegen sein Karäerrdum. Tich.. ist bekanntlich, voin seligen Munk unterstützt, i »ach Daghestau gegangen, um die verlorenen Reste der zehn | Stämme aufzusuchen. Rach Briefen seines Begleiters '1)1. Gudaj wusch iin „Hakarmel" ballen die Juden Daglwastan's in der That! sich selbst für Abkömmlinge des aufgelösten Zehnstämmereicks. | Daß beule noch unter ibnen sich keine „Kobanim" 'und „Leviten" befinden oder dock nick: unter ibnen nachweisbar sind, scheint dafür zu sprechen. Denn bie Xönige des „Reicks Israel" begünstigten bekanntlich den beidnischen Götzendienst, vor welchem die Diener j des wahren GoneS tbeils freiwillig, tbeils gezwungen die Flucht iiabmen- An ihre Stelle traten die „Baalspriester." Der Umstand jedoch, daß die dortigen Juden strenggläubige und strenglebende Rabbaniten sind, denen Talmud und Easuisten als Autoritäten gellen, gleich den übrigen Juden der Welt, scheint gegen : eine solche Annahme zu sprechen. Wir werden dem (Yegenstaude auch weilet' unsere Aufmerksamkeit zuwenven. R. Frankfurt a. M, Der Schulratb der. israel. Real- und Bürgerschule ehemals Philanthropin genanntzu Frankfurt a.M. bar nin das Recht der Abiturienlenprüfungen zum Zwecke des einjährigen Freiwilligendienftes nachgcsuchl. Es wurde Vas ge- ' nehinigt, jedoch rmter der Bedülgung, daß Die Schule fernerher nickt mehr, wie es seither häufig der Fall war, auch Christen aufnehme •!;. Aus Baden. Die jüngste 'Rümmer unseres Regierungsblattes brachte zu unserem größten Bergnügeu folgende Beförderungen jüdischer Sraatsdiener: Als Präsident für Vas neu errichtete Handelsgericht in Karlsruhe wurde der bisherige Kreisgenchtsrath, Herr Heimerdinger, ernannt; ferner wurden zu Kreisgericktsrätben befördert: Die Herren Staatsanwälte vr. Regensdurg in Heidelberg, Schloß in Karlsruhe und Hei nsheimer in Mannheim. Ein solcher Fortschritt unserer liberale» Regierung kann nicht perfekten, die bisherigen entgegengesetzte» Gesinnungen mancher politischen Gemeinden, wenigstens des Scheines halber, zu ändern. So bat z. Bvor wenigen Woche»