Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 29 (18.7.1867)
- Date
- 1867-07-18
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 118 nun aber beide Remter gewöhnlich verbunden sind, so sollte man bei Heranbildung isr. Lehrer hauptsächlich auch darauf sehen, ob sie die zur Führung des Synagogenamtes nöthigsten Eigenschaften, eine mindestens nicht unangenehme und nicht zu schwache Stimme und eine deutliche und gesäusige Aussprache haben, und etwas, wenn auch nur ganz wenig, musikalische Fettigkeit sich aneignen können. Wir glauben hier vom angehenden Lehrer nicht zu viel zu fordern. Jeder, der sich einem Berm'szw.ige widmen will, "muß sich zuvor prüfen, ob er die zur getreulihen Erfüllung desselben nöthrgen Anlagen und die nöthize Energie in hinreichendem Maße besitzt. Will sich ein junger Mann einem Berufe widmen, der zu aller Zeit von großer und in unserer von erhöhter Bedeutung ist; — in einer Zeit der Geisteskrisen muß der Berus der Entwickelung und Förderung drr Geiuesthällgkeiten der w.chtlgste Beruf sein — so mag er sich prüfen, ob er nicht ein Psu'cher wird, und eine gesunde Bewegung tödtet. Die Lehrer der heutigen Zeit mögen bedenken, daß ein d.deutender Theil ihrer Wirksamkeit eine reformatorische ist, und daß man hierzu der Mäntter, tüchtiger Naturen bedarfl Die nöthigen Aeußerlichkeiten zur vollkommenen Ausübung eines Amtes dürfen nicht fehlen. Denn, nichts ist irrthümlicher als der Satz „er wem es, kann es aber nicht m.tthülen;" das ist ein psychologischer Jrrlhum, ein Unsinn. Wem Go:t die Sprache verliehen, der ist auch im Stande, das was er weiß, nützuth eilen; und. das, wegen man sich nicht entäußern kann, das hat man nichtwirklich Wir brauchen auf dem Lande keine gelehrten Rhetorcker — die, unter uns gesagt, auch sonst oft mehr scharen als nutzen. Wir brauchen noch we .igec „große C iasrnim." Wrr brauch:» tüchtige Lehrer und Vorbeter, die durch einen gemüthiichen, aus dem Herzen kommenden, in die Herzen dringenden Vortrag Geist und Gemüth ihrer Zuhörer zu fesseln misten. Wir brauchen Vocbeter/ die, des Hebräischen voll-, kommen kundig und von einer geeigneten Stimme un erstützt find, dem Zuhörer den Gottesdienst mcht zur Last machen, und mindestens nicht aller AssthetikHohn sprechen. Das sind zumeist Talente, die auch der tüchtige isr. Lehrer in seiner Schul: nicht zu entbeh ea vermag. Wir haben ja synazogelle Vorträge in Menge, d.e,sich der Lehrer, fehlt ihm z»r Selbstausarbeitung solcherZeit und Geschick, anzueignen vermag. Er hat hierzu nur die rechte Begeisterung nöthig l Ohne Begeisterung ist freilich der schönste Gottesdienst schaales Lippenwerk. Es muß dem Lehrer gelingen, seine Gemeinde zu überzeugen, daß unser seitheriger Gottesdienst iür unsere Zeit nicht mehr ausreicht — nnd der Weg weitgehender Verbesterung in Schule, in Synagoge und in seiner eigenen Stellung ist ihm geöffnet, von der Stunde an, wo er sich jmes Fäd der Wirksamkeit öffnet — die Hebung des Gottesdienstes. Der Lehrer hat viel gewonnen, sobald es ihm auch nur ein einzigesmal glückte, seine Gemeinde wahrhaft zu erbauen. Der Weg nach dem hohen Ziele ist nach Individualität des Lehrers und dev Gemeinde höchst verschieden, aber das Ziel ist immer das Gleiche: ein echt gemüthlicher, denAnsoroerüngen der Zeit, der Ge schichte desJudenthums(I) und seine n übrigen Inhalte entsprechender, Geist und Herz erhebender Gottesdienst! Dadurch segensreiches Wirken in der Schule, auf die Gemeinde l und Familie, dadurch Sicherung und Bessergestaltung der Lehreroerhältaisse. (Schluß folgt.) Wochenbericht. Odernheim, 7. Juli. (Zur Gedächtniß frier an D.iesterw:g.) Es ist rme schöie uid sinnige Sitte der Js. raliten, daß st: erst nach eiiem Ja-re, am erst:» Jahrestage, der die Eriu «erung a i oen Hümzegangenen so Ubaaft weckt, den Grabstein aufricht n, der ein dauwibes Denkmal werden soll iür den 'Verklärten. Nicht der erst: Schm:rz soll sich verewigen in der Schrift» die den Verblichenen in der Erinnerung ehrt und festhaltet. D:r Hartz der Verklärung soll nicht wie ein Nebelschleier die Wahrhüt über das Ewige im Menschen verhüllen. Was wir an den Hümzegangcnen besessen und ver» loren haben, das züzt sich erst, nachdem sich der Schmerz des Abschieds genilderk, naydem ein: längere Frist zw.schen dem Heimgang und Jetzt li:qt. Kein prächtiges Denkmal zierte das Grab eines IS» raeliten. Einfach sei der Stein und wie in gleicher Form auch gleich die Schrift. Aber was in den Worten au»g:shroch:n ,st, senkt sich >n das Herz des über die Gräber Wandelnden und aus dem in d:m Epi:aph niedergelegten Gedanken erglebt sich, was ewig ist und was vergeht. Das Zufällen des Häzels kann durch ein praizend.s Denkmal nicht ausgehalten — nur beschleunigt w:rd:m A er der Liebesolick. d:r aas den einfachen Stein fällt» erhä t and heiligt die Stätte, uad di- Thräne, die ans dem Hügel niwersiikt, erweckt ein ,räu:n):s Pstan;enl:ben und macht oas G.ab zum T.m-el. Dee St-in wie der Staab z rsällt; die liebende Erinnerung überdauert sie. Ja die Fier d:r Jrirzeit ist auch so eine y:rrlich: Sitte der Jaden; uid so laige Waisen an Sterbetag: dal Andenken isrer E-tern in Kaddlschzwete feiern, wird das Band, das die Bekenner d:r Nüizioi Israels unich'.ngt, ein festes bleiben. Das Gebet, wücheS d:a M:nsch:n mtt Gott verbindet, erweckt auch Sie Eriiln'rang an die a »geschiedenen Lieben chieder. Es sprengt die Gräber und säst d:n Dahinzeschieoeuen, daß dir Leb.'nden ihrer li-b:nd gedenken. Das Klddisch tr.tt vor den Thron de? Allerhöchsten. Es bildet die Brück: in^sas geheim» n-.ßoolle Nih d.-s Todes and ket.et Himmel und Erde an eina ider. Der M inn, dessen Gedenktag wir heute mit solchen Worte» feiern, war k in Israelit:, es ist der am 7. Juli 1666 verstorbene Vater der deutschen Lehrer, Diesterweg. Der . Mann »aer war und bleivt aull> uns, auch w:nn wir. nicht! mit ih n eines Stammes seines Glaubens sind. Wie das Kad- : disch der Waisen die böchsten religiösen Ideen aaSsprechm soll, i die G danken, daß Gott der Alll-estlge vollkommen ist in seinem Thun und alle seine Wege gerecht, so tütet uns die Erinnerung an diesen edelen und erhabenen Lehrer der Menschheit in der; N -uzeit aus die hö bsten Ideen, die.die Menschheit veredeln, ans Liebe, Humanität, Freiheit, UebcrzeuzungStrene und Alles waS es sonst i'vch Großes und Edles giebt unter der Sonne. Was man auch sagen mag, die jüdischen Lehrer haben,! noch eine besondere Pflicht, das Andenken an Diesterweg heilig zuoewahr'n. Ec war ei, der die Pforten heS pädagogischen Ghetto's für uns spreizt«. W-lN wir Sich schoi in den Worten der Trauer, die wir wenige Tage nah seinem Ä »st erben in di'sen Blättern niederlegtea, dieses ahnten, — in diesem Trauerjahre ist diese Ahnung für unS zur lichtvollen G.-w ßh-'it geworden. Durch ihn wurden wir innerlich gleichberechtigt unter den dentschen Lehrern. Und, wenn wir das innerlich ganz sind, kann unS die äußerliche Gleichberechtigung für di«