Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 25 (21.6.1867)
- Date
- 1867-06-21
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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103 i - mein Leben bald beschlossen ist, während einer halben Jahrhunderts wenigstens die Aufgabe erfüllt haben, welche ich gleich im Anfänge meiner Laufbahn mir gestellt: „die Rechte der Juden zurückzufordern, die Juden wieder zu erheben". Wenn mein Leben noch andauert, werde ich fortfahren, dafür thätig zu fein bi» an das Ende meiner Tage. (Diese Worte wurden mit allgemeinem Beifall ausgenommen. Die Sitzung wird unterbrochen und die Ruhe erst allmälig wieder heraestellt. Endlich kündigt der Präsident mit der Glocke den Wiederbeginn der Sitzung an.) Herr Jsaia Schmoll bittet um das Wort, um dem Comite für die glücklichen Erfolge seiner Bemühungen zu danken; er drückt den Wunsch aus, daß eine solche Amtsusurpation, deren der Herr Präsident sich beschuldigt habe, noch länger andauern möge. Herr Julius Lion verlangt, im Namen vieler Mitglieder, Abänderung des Artikels ll des Statuts, wonach die Wredererwählung des Präsidenten erst nach Ablauf der nächsten drei Jahre zulässig ist. Dieser Artikel, eingegeben von der Furcht, den Verein mit der Person eines einzelnen Mannes zu sehr verwachsen zu sehen, ist gegenstandslos, wenn es sich um eine so bedeutende Sache handelt, welche unaufhörlich die Beihülfe aller nutzbaren Kräfte erfordert und solche ausgezeichnete Männer nicht entbehren kann, die sich so sehr den Interessen des Vereins widmen. Der Herr Präsident gibt zu bedenken, daß dieser Vorschlag nicht dem Beschlüsse der Versammlung unterliege, weil jede Abänderung des Statuts vorher vom Hauptcomite gebilligt werden müsse, und zwar mit einer nach Verlauf eines Monats wiederholten Abstimmung. Die Herren Alex. Crehanze, A. Dettz und P. Pünel unterstützen den Antrag des Herrn Lion und fordern für die Gesellschaft das unbedingte Recht, über Abänderung des Statuts zu verfügen. Der Herr Präsident erwidert, daß daS Haupt-Comite den Antrag in Erwägung ziehen werde. De. Rothschild. Alzey. Die ReligionS-Verfolgung in Jassy. (Schluß). Der,Kaiser erwiederte: Diese Unterdrückung kann man weder dulden noch begreifen. Ich werbe es dem Fürsten sagen. Und ich, Sir, werde meinen unglücklichen Glaubensgenossen Rumänien's die ichönen Worte Ew. Majestät übermiiteln Sie werten daraus Trost und Hoffnung schöpfen. Und wenn der Kaiser öffentlich seine Meinung kund gibt und die Schmach deeichnet, wom t sich diese mittela terliche Barbarei b andmirkt, o wird ihr ein Ende gemacht und Abhülfe verschaff! werden. Meinerseits werde ich mich an die Presse wenden. Ich bin überzeugt, daß sie mit voller Theiln ihme unzu Hülse kommen wird und alle Stimmen sich gegen diese gehässige Verfolgung erheben werden, welche der Minister einer constitutionellen Regierung veranlaßt hat. Der Kaffer entaegn-te: Meine ganze Theilnahme gehört den von so großem Unglücke Bet-offenen an. So, mein Herr, liegt in.diesem Augenblicke jener trostlose Vorfall der rel g ösen Leid »scha len. Die Alliance bat sich lo'ort durch Vermittelung unse S GlaubenSbruderS, deS Hrn. Franc s G. Goldsmid, Mitglied d s Hauseder Gemeinen, an die englische Regierung gewandt und ebenso auch an andere europä.sche Regierungen. Ich zweifle mcht, daß diese durch ihre Ges dä tSträg r ohne Zöge n Einspruch erheben werden. Aber werden denn dlese Judenverfol- Snaen, deren Wuthausbrüche wir von Zeit zu Zeit an'verieoenen Punkten de» gebildeten Europa zum Vorschein kommen sehen, nicht einmal aushören? Werden wir nicht von allen Seiten einen Schrei de» Vorwurfsich erheben hören und diesen zum Vorzeichen allgemeiner Maßnahmen zur Verhütung solcher blutigen Trauerspiele machen sehen? Wie denn? Im Jahre 1848 emancipirte die Regierung, an welcher ein Jude Theil nahm, die Reger-Sklaven in den französischen Besitzungen, machte au» ihnen freie Mensche«, denen gleichgestellt, welche einen Tag vorher noch ihre Herren waren. Und gerade eben erst ist ein brudermörderischer Krieg keendigt worden, welcher drei Jahre hindurch die amerikanische Republik mit Blut getränkt hat; ein großes Blutbad der Tapfere» hat diese» Land der Freiheit zu dem Zwecke befleckt, um die Aushebung der Sklaverei für d,e Schwarzen zu erlangen, und im folgenden Jahre werden die Juden in Böhmen angegriffen, in S rbien wie Parias behandelt, in Bucharest be-agbt und in diesem Augenblicke in der Moldau wie wilde Thiere verjagt. Was soll denn dieser Religionshaß im 70. Jahre des, 19. Jahrhunderts? Ist ei denn nöthig zum t msendste« Mal, zu widerholen, daß, wenn es noch Juden gibt, welche ihren Mitbürgern nicht ebenbürtig sind, der Grund dafür darin liegt, weil die Juden . 15 Jahrhunderte hindurch mit Füßen getreten und nach Willkür und Vergnügen erniedrigt worden sind? Um diejenigen wieder zu erheben, welche ihr fov erniedrigt habet, reicht ihnen die Hand; und sie werden euch bald gleichstehen. Wiel Frankreich, England, Italien, der größte Theil Deutschland», Holland, Belgien kennen diesen gehässigen Unterschied der Religionen nicht mehr, die Türkei läßt den Anhängern der verschiedenen Religionen allen gleichen Schutz »nzedeihen, und Seroien, Rumänien wollen die Juden verfolgen! Und einige andere Staaten wollen sich weigern, ihnen sogar die bürgerliche Rechte zu verleihen! Zeigen sie sich denn nicht überall, wo die Gleichstellung sie erhebt, in allen LebenSberufe» al» die würdigen Wetteiferer mit ihren Mitbürgern? DaS schändliche Vorurtheil muß fallen vor dem Lichte unsrer Zeit. Hier handelt es sich nickt um Fragen der Politik, sondern der Wissenschaft und Humanität. Wir rufen die Presse an, von ihr verlangen wir alle Zeit Unterstützung. O! die Schriften, die Schriften! WaS wart ihr denn, Franzosen de» dritten Standes heute vor 100 Jahren? Unsere Schriftsteller de» vorigen Jahrhundertbedurften ein halbes Jahrhundert, um die bewundernswürdige Revolution von 1789 herbeizuführen, welche euch zu dem gem'cht hat, was ihr seid welche inallen Rationen den Samen für alle Arten von Freiheit ausgeftreut hat. Einige Kämpfe der Presse zu Gunsten der Juden, einige hoch begeisterte Schriften, und diese Streitsache gegen welche man nur mit ohnmächtigen Waffen kämp't, wmd überall gewonnen sein. Während Serbien und Rumänien sich durch Verträge crnstituirte, in denen Allen gleiche bürgerliche Rechte und persönliche Freiheit zuzesichect wurden, haben die hohen Mächte diese Verträge garantirt. An ihnen ist es also, d e gesetzliche Ausführung dieser Verträge zu fordern, ei ist das ihr R-cht, es ist ihre Ausgabe. In dem Augenblicke, wo diese Mächte jetzt d n Boden unser» gastlichen und sreundschastlich.n Frankreich betreten, können alle in unsrer Hauptstadt vereinigten Fisten den Hauch der Begeisterung für die großen und edelmülhigen Ideen in sich aufnehmen. 1 Genehmigen Sie, mein Herr, den Ausdruck der Hochachtung. A. Eremieur. Die „Palrie* fügt hinzu: Mit dem lebhaflesten Interesse haben wir obigen Brief entgegen genommen. Als wir die ersten Mittheilunzm von den unwürdigen Verfolgungen brachten, deren Opser die moldauischen Juden eben i