Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 25 (21.6.1867)
- Date
- 1867-06-21
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Verhältnisse, welcher unserem Stamme nicht angehört, sich also äußert: „Wir Späteren bewegen uns in dm durch Mose und andere ihm vergleichbare Geister einmal in Bewegung und Geltung gekommmm Wahrheiten. Wir lassen unS durch sie tragm und beschützen, wir genießen stündlich ihre Früchte zum eigenm Wähle; aber ebm diese Leichtigkeit, womit man sich jetzt darin bewegt, verführt dazu, ihre Gründung und erste Offenbarung für eine leichte Sache zu haltm; und wie wenige vermögen jetzt die Kraft klar zu erkmnen, welche allein fähig ist, solche Wahrheiten zuerst nicht nur auszufassm, sondern auch mit dem innersten Leben eine- Volkes zu verknüpfen und dadurch dauernd in der Welt zu begründm. (Ewald, Geschichte des Volkes Israel il. S. Dennoch ist es natürlich,'daß sich diese Wahrheitm, die Grundgedanken des Judenthums, nirgends in derselben Reinheit und Strmge, wie bei den Trägern selbst, erhalten und fortgebildet haben, und daß wir diese Thalsache in den verschiedenen Entwickelungsstadien nachzuweisen nicht unterlassen. Andererseits hat das Judenthum im Laufe der Jahrhunderte bereits unbewußt eine Menge von symbolischen und nationalen Einrichtungen abgestreift, ohne deshalb an seinem JnhaUe zu vertieren, und augenscheinlich werdm durch seinen Lebensprozeß noch viele ändere äußere Elemmte weichen, nachdem sie ihre ernährende Substanz an dasselbe abgegebm habm. Aber darum haben diese Symbole und Formen noch immer ihre große Bedeutung für den Unterricht; dmn ebm an ihnen wird erstder volle eigenthümliche Sinn und Charakter,, die ganze so erhabene Absicht der Gesetze und Lehrm erweislich. Und für die Kenntniß der Geschichte und des inneren Fortschritts im Jud^nthum find ihre Entwicklungen geradezu unentb hrlich. Je weniger Sympathie wir daher für die äußere Erhaltung der alten mosaisch-jüdischen Formen hegen, desto mehr schätzen und betonen wir ihre Dignität als Ueberlieferinnen der wichtigsten Religionsgedanken, welche wir in dem Geiste unserer Zöglinge zur Gestalt und in ihren Gesinnungen zur Frucht bringen." Wir enthalten uns jeder Kritik, jeder Beleuchtung. Wir wollten nur ein Bild geben der verschiedenen weitauseinandergehenden Ansichten. Wir sind die l.tzten, die wohlbegründete Ueberzeugung, wenn sie sich offen und ehrlich und ohne Parteileidenschaft .ausspricht, ' antasten wollen. Für die zeitgemäße Schu e, wie sie hier zu Lande und auch wohl anderwärts besteht, haben extreme Richtungen keine B-deutung. Praktische Lehrer werden das Bedürfniß und die Umstände zu erwägen und darnach ihre Vorkehrungen zu treffen suchen. Aber — belehren wollen wir unS über Alles, vibrrr: Wochenbericht. Alzey. Alliance isra61ite universelle. (I ch l U ß.) Dmken Sie sich unter der Menge der Erdbewohner unsrer Erde, der Millionen Menschen, welche sie füllten und bildetm, ein Völkchen von 60^,000 Seelen (und man hält diese Zahl noch für übertrieben); denken Sie sich unter dm auf der Erde btfindlichen Könige und'Kaiserreichen ein kleines, in einem Winkel der Welt verstecktes Reich: dieses Völkchm ist die Mische Ration, dieses Reich das Reich Juda unter David und Salomo, mau sieht es wachsen, sich aus« dehnen, wie Flüsse auS einer unbedeutenden Quelle sich bilden und im Laufe zu großen Wafferströmm werden, zur Befruchtung ungeheurer Ebmen. Aber wie ist dmn Israel eine so wunderbare Bestimmung überkommen? Meine Herrml dadurch, daß Israel allein auf seine Fahne geschrieben hatte: „die Einheit GotteS." Ja, Israel allein, und daS ist sein unsterblicher Ruhm, ist das Volk gewesen, welches den einzigm Gott angebetet hat. Unsere Väter, meine Herren, und sagen wir es mit einem Gefühl des Stolzes, unsere Väter haben allen Völkem der Erde die Erkenntniß des einzigen Gottes gelehrt. Denken Sie daran, daß es die ganze Erde war, der Moses diesen Gott verkündete. Als das jüdische Volk aus Aegypten zog, hatte sich mit einer wahren Frechheit die schimpfliche Herrschaft des HeidenthumS über die Erde ausaebreitet; die rohestm und lächerlichsten Gottheitm hatten sich in die Herrschaft der Welt getheilt; der Stier ApiS war das edelste der Thiere, vor welchem die Menschheit niederknieete. In den aufgeklärtesten Ländern hatte jede Länderschaft ihren Gott, und das waren die am wenigsten bedäuernSwerthm Religionen, welche nachsichtige Götter und liebliche Göttinnen zulieben. Welche Röthe bedeckt unsre Etime, wmn wir daran zurückdenken: die größten Geister des Alterthums beugten sich vor dieser endlosen Menge von Göttern! Aber welch' gerechtes und wohlthueodes Freudengefühl ergreift uns, wenn wir uns, hier die Bruderhand reichend, einander sagen können: in diesem ChaoS haben unsre Väter die Idem des einzigen Gottes aufgestellt. Ol wie könnt ihr die Nachkommen dieser Männer verfolgen, welche der Welt eine so unermeßliche Wohlthat erweism, ihr die unerichörflichen Quellen der reinsten Sittenlehre eröffnet haben, wodurch der Mensch erst würdig wird, Mensch zu heißen! Wenn zuweilen, altem Aberglauben nachgebend, sie sich zu den Baalsgötzen gewandt habm. welche Reue folgte alsdann einem solchen Fehltritte! Und wenn die bösen Tage kamen, trotz welcher Veränderungen,- Verfolgungen und Leiden habm die Nachkommen jener ägyptischen Flüchtlinge die Fahne deS einheitlichen Gottesglaubens bewahrt, sie allein, ja allein bewahrt! Gott ist „einig und einzig," nur keine Person... Ich begehe eine Blasphemie; unser Gott ist keine Person, man kann weder erklärm was, noch wie er ist; er ist Geist und Licht, und, wenn er sich zu erkennm gibt, sagt er selbst von sich: „Ich bin, der ich bin." Unendliche Größe, die nie verschwinden konnte! Diejenigen selbst, welche unS verfolgen, verbreiten unsre Lehre. Und welche Lehre! Das Zehngebot ist der Inbegriff von Allem, und kein Gesetz erhebt sich darüber. Meine Herren, ich köre auf! Helfen Eie uns diejmigen der Kinder Israel erheben, welche in der Erniedrigung lebm. Was mich betrifft, so habe ich in den letzten drei Jahren daS mir anvertraute Amt mit vollem Eifer verwaltet. An der Seite des Präsidenten, meines Nachfolgers, werde ich es ferner thun. Wie viel Jahre noch? Gott weiß eS l Meine Herrml Dre Jahre, welche uns nach 70 gewährt werden, sind Jahre der Gnade und, offen gestandm, ich stehle sie rechts und links. Uebrigens werde ich, wenn r