Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 25 (21.6.1867)
- Date
- 1867-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelitische Lehrer. Zeitschrift i für die gesammten Jnteresien des israelitischen LeHrerstandeS! «nd zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waisen in Deutschland. I M 25. Mainz, den 21. Juni 1867. (Siebenter Jahrgang.) wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher SlbonncmentspreiS 27 kr. -- >/« 2hlr. »ei irankirtcr Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 sl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. > Verschiedene Ansichten. (Schluß.) i Wir stellen diesem Gutachten die. Aeußerung einer anj deren Richtung gegenüber, die übrigens besser nie gekenn-; zeichnet worden, als es hierdurch geschieht.. Es ist das Programm der Religionsschule der Berliner Re form gemeinde, dem wir aus dex Einleitung folgende Worte ihres Predigers des Herrn Dr Ritt er entnehmen: Er sagt:*). „Es begegnet uns oft genug, daß von Seiten Fremder die Frage gestellt wird, was denn der besondere jüdische Religionsunterricht noch für eine Bedeutung habe, wenn eines Theils die hebräische Sprache nicht in seinen Bereich gezogen, andern Theils von den biblisch jüdischen Vorschriften nur die rein menschlichen zur Befolgung empfohlen würden. Wenn Ihr, — so sagen sie, — der Jugend die heilige Sprache und alle die eigenartigen Formen vorenthaltet, durch welche die Väter sich als eine religiöse Besonderheit erkannten, wie wollet Ihr derselben doch noch immer das bestimmte Gepräge des JudenthumS, seinen specifischen Glauben und Charakter, seine eigenthümliche Sittenlehre aneignen? Was zunächst die hebräische Sprache angeht, so hält dieselbe kein Denkender mehr für einen dogmatischen Bestandtheil unserer Religion. Nichtsdestoweniger wäre es sehr schön, wenn man die Jugend soweit darin bringen könnte, daß ihr dadurch der ursprüngliche Geist des Gesetzes und die Grundlage unserer heutigen Glaubensbegriffe deutlicher erkennbar und zu selbstständiger Beurtheilung geeigneter würden. Denn denjenigen, welche des Hebräischen wahrhaft mächtig sind, geht allerdings der vielgehaltige Sinn der Schrift in all seinen Nüancen und feinen Schattirungen leichter durch den Urtext auf und wirkt nachdrücklicher durch denselben auf sie, als durch die Vermittelung einer Uebersetzung. Aber so weit bringt es ge¬ *) Wir entnehmen diese Stelle der „Gegenwart". DaS Programm selbst lag uns nicht vor. radein gebildeten Kreisen heutzutage keine einzige Religionsschule, weil aus deren häuslichem und geselligem'Leben die Uebung jener alten Sprache und jeglicher Zusammenhang mit ihr verscheucht ist. Eine Analogie dafür bietet sich etwa in der Schwierigkeit, einem jungen Manne dürch Unterricht in der griechischen Sprache die Pforten des inneren Geistes und das rechte Berständniß des alten Griechenthums zu eröffnen. Dazu gehört schon eine-ttirie und eingehende Kenntmß der Sprache, während in der Regel beim Hebräischen nur ein oberflächliches Anlernern erreicht wird. Aber es gibt einen anderen Weg, Gutes zu leisten, und zwar durch begriffliche und geschichtliche Ausführungen. Unsere fremden Zuhörer sollen sich davon überzeugen, daß auf diesem wissenschaftlichen und dem Bildungsgang» unserer Jugend angemeffenen Wege ihr der Inhalt d>s JudenthumS zweckmäßiger zugesührt wird als durch immerhin unausreichend bleibende Sprachkunde. Ebenso bekennen wir ganz unzweideutig, daß wir es unö in der Schule angelegen sein lafsin, nur diejenigen Glaubenslehren und Gebote in den Verstand undldaS Gemüth des Kindes hinüberzuführen, welche wir .dazu bestimmt und fähig halten, das Eigent.hum aller Menschen zu werden. Wir lasten uns darin nickt irre machen durch die Einrede, daß wir dann keine besondere Religion mehr hätten, welche unsvon Anderen unterscheidet. Wenn unsere Bibel wirklich zugleich das Grundlehrbuch allerKulturvölker geworden, sollen wir deshalb unzufrieden sein und: UNS zur geflrstentlichen Unterscheidung Formen aneignen, die an und für sich werthloS sein mögen? Bei geistigen Gütern verhält es sich doch nicht etwa so, wie bei materiellen, daß, wenn Andere von uns empfangen und angenommen haben, unser Antheil daran hierdurch verkürzt wird. Die Lehren bleiben Eigenthum der Gemeinde Jakobs > und die Sittengesetze ein Erbgut Israels, auch wenn sie auf unzählige Menschen übergegangen sind. Im Gegentheil ist es ja unser gerechter Stolz, daß das alte Wort von der AuSerwählung Israels eine so heilsame und uns rechtfertigende Bestätigung in der Geschichte der Menschheit selbst gefunden hat, ist eS unsere Freude, wenn ein geistvoller Kenner dieser I