Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 24 (14.6.1867)
- Date
- 1867-06-14
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die Jugend einerseits die ersten Elemente der taditionellen ^hre kenne? lerne, und ander,eitS die Möglichkeit vorhanden sei, daß sich talentvolle Schüler den jüdisch theologischen Studien zuwenden und widmen können. Ueberdieß lernt der Schüler aus der Mischna das Neuhebräisch;. Er ist auch dringend nothwendig, daß Schulbibeln versaßt werden, mit einer gleichförmigen deutschen, leichtfafflichen Uebersetzung und angemessenen Auszügen aus den Commentaren. Ein specieller Religionsunterricht ist für die Knaben, ganz überflüssig und zwecklos. Dean die Bibel in der Urspräche gibt die ganze Kenutniß der Religion, geordnet und kunstgerecht gefügt, in die Hand. Der Pentateuch mit seinem geordn ten Geschichts- und Lehrstoff, in der kindlich reinen, und doch erhabenen, mit dramatischer Lebendigkeit gegebenen Form ist daS beste Schulbuch. Die hebräische spräche des Pentateuchs wird der Hast und Flüchtigkeit beim Religionsunterrichte, der aus dem Buch der Bücher refultirt, einen Damm entgegen setzen. Sprüche, Psalmen und Propheten geben die schönsten religiösen Ideale, erwecken heilige Gefiihle; dagegen entweicht der religiöse Duft, wenn der Inhalt der religiösen Bibel in ein fremdes Gewand eingehüllt wird. Es paßt hier, was Omar bei der Berbrennung der alexandrinischm Bibliothek geäußert, auf alle Lehrbücher der Religion: Entweder, sagt er, steht das alles im Koran, wozudann die Bücher? oder es steht gar nicht darin, dann fannS ja nicht wahr sein. Die israelitischen Religionsbücher find ein Product der laxen Neuzeit, aber Religion steht höher als Zeitgeist und launisch wechselnde Mode. Wie die Naturwissenschaften auf Thatsächliches und Konkretes; wie die Sprachforschung auf Erkennung des Sprachgehaltes gegenüber leerem Regelwerk; wie die Kunst auf Darstellung des MealS durch Thatsächliches' und Lebendiges dringt, so soll die Jugend auS der. Geschichte, dem Gesetze aus dem Stoff der Bibel erbaut werden und Material zur Religionswissenschaft im höhern Alter erlangen. — Nur den Mädchen soll die Bibel in deutscher Sprache vorgetragen, und damit sollen die Lehren der JudenthumS in Verbindung gebracht werde». > Die Reihenfolge, in welcher der hebräische Unterricht erthellt werden soll, ergibt sich im Allgemeinen von selbst. In der BorbereitungSklafle: hebräisch Lesen im ersten, und nebst diesem der Anfang der h. S. im zweiten Jahre. In der ersten Klaffe Bibel und die Anfangsgründe der Grammatik. In der zweiten Klaffe Bibel und Grammatik, in der 3. Klaffe dasselbe und Geschichte der Juden rc. rc. Das Specielle bleibt dem Lehrkörper und dem Schulinspektorate überlassen, und müßte zu-diesem Zwecke eine faßliche kurzgefaßte de« kindlichen Alter. angemessene Geschichte der Juden, von der Rückkehr derselben unter Serubabel verfaßt, sanktionirt und gleichförmig für alle Schulen eingeführt werden. Wochenbericht. Alzey. Alliance israilite universelle. (Fortsetzung statt Schluß). Ich gestehe unter uns, meine Herren, daß ich immer gegen die Frauen das Gefühl des Wohlwollens und hohen Achtung gehabt habe. Ich habe früh erkannt, daß von ihnen vorzüglich das.Geschick unserer Kinder, daS Glück unserS Ladens abhängt, und wenn ich es ihnen vollständig gestehen soll, daß-ich es nie ganz begriffen habe, warum man sie in einem untergeordneten Verhältnisse halten wolle. Ich kann dies vor Allem nicht in der jüdische» Famrlie begreifen. Unsere Geschichte ist voll ausgezeichneter Züge ihres Helvenmuths, die lieblichsten Bilder häuslicher Tugenden sind in unseren heiligen Sch iften von ihnen entworfen. ES ist wahr, Gott hat zur Eva gesagt: „der Mann soll über dich herrschen" aber er hat sich wohl gehütet, zu sagen: „du kannst ihn nicht bezwingen." Die Männer haben die Gewalt, womit sie herrschen, aber die Frauen haben Anmuth, womit sie gewinnen. Ueberhaupt ich sage es ganz laut: es ist keine Bildung möglich ohne glückliche Vermittelung der Frau; also gibt eS keine Rechtfertigung dafür, sie dem Manne unterthänig machen.zu wollen. Die Frauen zu uns erheben heißt gewiß nicht unS erniedrigen, es heißt nur: jene größer machen. Auf meiner frühern R.'iie nach Aegypten und bei meinem Aufenthalt in Kairo überzxugte ich mich von dem Zustande der Unterthänigkeit, worin die jüdischen Frauen gehalten werden. Die. jungen Tochter der Reichen wurden in die Schule geschickt. Aber was für SchulenI zum Schutz vor der Hitze in unterirdischen Räumen auf Teppichen nachlässig hingestreckt, verbringen sie den ganzen Tag in Unthätigkeit. Die jungen Töchter der Armen batten gar keinen Sammelplatz. Im Innern der Häuier lebten die Frauen in Abhängigkeit und Unterwürfigkeit. In der großen Synagoge erwiesen mir die Juden so große Ehre, daß sich das Andenken daran nie aus meiner Seele verwischen wird, die Frauen aber waren wie verbannt und boten sich kaum meinen Blicken dar. Ich war entschlossen mich gegen solche Familien-Gewohnheiten auszusprechen und richtete daher an dem heiligen Orte an die mich umgebende Volksmenge folgende lebhafte Anrede: „Seid ihr Muselmänner, sagte ich ihnen, daß ihr eure „Frauen behandelt, wie diese es tbun? Hat der Gott Jsra.ls „di? Frau nicht von unserm Fleischgeschaffen? Ist sie nicht „die Mutter eurer Kinder? Enthält unsre Geschichte nicht „die Namen jener lieblichen Frauen, welche wahre Vorbil- „der häuslicher Tugenden sind: Rebekka, Rächst, Noomi, „unv jenen opfermüthigen Frauen, welche Borbstder hstoen- „müthiger Entschließung und Thaten sind: Debora Esther, „der frommen Esther! Wie! der Berg Sinai li gt da vor „euch; seine Spitze erhebt sich gleichsa n vor euren Blicken, „und eure Frauen sollen sich vor euch niederbeugen: Seid ihr „denn die Enkel Joseph's in Aegyten, den Sitten rarer „Frauen entsprechend, noch Sklaven? Seid ihr nichr im Ge- „qentheil die Abkömmlinge freier Menichen, welbe van „Gott selbst das heilige Ges tz emvsangen haben? Hat die- „ses Gesetz die Frau nicht dem Mann gleich gestellt in den „so rührenden Worten: Eure deinen Vater und ae ne Mutter? „Wie aber vermag euer Sohn seine Mutter zu ehren, wenn, „in dem väterlich n Hause sie, die Gattin, nicht dem Vater „gleich verehrt sieht?" Ich will Ihnen, meine H rren, nicht jene ganze Rede wiederholen, da Sie ja den Frauen Eure u.io Zivvrkonmenheit erweisen; aber dort wurde st: lehr gut ausgeao nmen. Die Worte desjenigen, welcher ka n, um von llllehemet-Ali die Befreiung unserer Brüder zu erlangen, welche