Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1867-06-07 · 23 (7.6.1867) · p. Seite 94

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
23 (7.6.1867)
Date
1867-06-07
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4896751-5428720-5431747--1651-4898108
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

r — 94 — von denen Muselmänner und Christen ausgenommen sind. Die Alliance wendet sich an die- Pforte. Bald darauf fordert -durch telegraphische Depeiche Ali Pascha, Minister deS Aeußern, Bericht rom Gouverneur, und uns wird vollständige Genugthuung gegeben. . ' Zu Minsk und 10 Israeliten der Brandstiftung angeklagt gewesen. Eine telegraphische Depesche zeigt uns an, daß einer von ihnen zum Tode verurtheckt, erschossen werden solle und d'e'elbe Entscheidung, auck die Anderen treffen werde. Juden — Brandstifter! Unmöglich! Ihr Vorsitzender, meine Herren, rickte» an den Kaiser rvil.Rußland eine Bitischrist und überzieht sie rar Uebermittelung besten Gesandten ,u Paris, Herrn von Budberg. Wir mnsten Herrn von Budberg für seinen Eifer, wo-eir er unser Bertgesuck annabm 'und an den Kaiser schickle, öffentlich danken. Man kann sich schwerlich einen Begriff machen vou seinem Wohlwollen, womit er unS ausnahm, und welches umcr diesen Umständen seiner hohen Stellung so ganz würdig war. Tie Anlwortließ nicht auf ück> warten. Tie Todesstrafe gegen den Vereirtbeilten wuede in zwanzig Zahre Einsperrung umgcrvai'dclt, acht der neun Angeklagten wurden in Freiheit gesetzt; der nennte wurde z» Gefängnißstrasr verurthcikl imd seine Dorhaft drfür angerechnet. so. daß er sofort entlasten wurde. Wo gegen uns ein« Klage laut wird , dahin gelangt auch unsere Hilfe. Aus dem Berichte unseres Secretairs haben sie weitere Details vernommen. Tie Erhebung der Juden, wir haben nickt nötbig. in unsrer Nähe dafür Jo,ge zu tragen, wir ricktennach der Ferne unsere Blicke, :mr bewirken sie Im Ori-nt, unter Völkern, die unterm Bildungsgrad« so fern stehen, wo die Juden noch unter dem Gewicht der drückendsten Voruethesle leben; wir errichten mit der Börse in der Hand Schulest, wo sie bis jetzt noch unbekannt waren. Mogador, Teluan, Tanger, Constantincpe, Salonicki, Damaskus, dad, überall ist unsere Allianc- und beginnt die Kinder zu unterrichten, so daß in einem Mensckenältcr sie duich Kenntniste aufgeklärt sein iind rür die Bildung einen offenen Sinn haben werden. Ich we-ß nickt welcke angeb.rrne Lebhaftigkeit und schnelle Auffassungsgabe diesen Kindern deS Orients eigen ist, daß ihre Fortschritte kmS^ kn Erstaunen setzen! Knaben- und Mädchenschulen sind gegründet worden und gedeihen. Ti« Mädchenschulen in'e essiren unS sehr. Dir Mädchen werden Frauen, die Frauen Müttzr und von diesen empfangen die Kinder die ersten Grundsätze, die sich in ihr Herz einprägen, die ersten Ideen, die oft so rmscheidend sind für daS Leben. (Schluß folgt.) Tdernbeim. lt. Juni. Unser heutiges Blatt wird unseren ge'chäyr n Lesern zum Wochenteste zutommen, zu jene heiligen Feier, die'd r Erinnerung an die .rbabene weltgeschichtliche Tbatiache geweiht ist, durch welche der Beruf Israels und seine geistige Einbeit für alle Zeiten begründet wurte Natur und Geschichte vereinigen sich, üm dies Fest zu dem schönsten und inbaltreicbsten zu macken. Mögen die Blumen, die jetzt unsere Gotteshäuser und unsere Wohnungen schmücken, Sinnbilter sein des reichen Blumenschmucks, die auch den bescheidenen Lebensweg dedermstreuen Lehrers schmücken; mögen dieser Blumen in Ihren Häusern viele sein. In der kcm Feste folgenden schönen Festwoche werden neben der allgemeinen deutschen Lehrrrversammlung auch einige jüdische Lehrervcrsammlungen tagen. Wer senden allen den in der Ferne versammelten AmtSbrüdern hiermit unsere herzlichsten Grüß«. Wir werden im Geiste unter ihnen weilen. \ Die jüdischen Lehreroersaaemlungen haben bisher auch oft unter den mißlichsten Verhältnissen durch ihre Verhandlungen einen Geist des Fortschritts, beilegen Streben«, religiöser iWeih« und Innigkeit beurkundet, daß an ihrer Fortbildung und Bedeutung nicht qezweiselt werden darf. Die rheinisch westfälischen Lehrer, zumeist aus einer Bildungsstätte hervorgegangen und schon darum von gleicherem Streben beseelt, haben zuerst in regelmäßigen Versammlungen da- .veile Gebiet der je bischen Schule zu bebauen und zu befruchten gesucht; eine Reihe gleichstrebender Schwesterveriammlurgen reiht sich ihnen jetzt mehr und mehr an. Die Wege mögen verschieden sein, daS Ziel ist een gleiches. Dee jüdische Eckule ist nur ein Glied im aroßen Organismus der deuischcn Volksschule; die jüdischen VolkSscbuw, die jüdische» Lehrerversammlungen betrachten ihre Wirksamkeit ebenfalls als den. Großen und Ganzen dieeeend. Ihre Bedeutung für die Gesammtheet lie.^t neben an ern besonderen Momenten auch e» der mehr freien und selbstständigen, von allen äußeren Einflüssen unbeenglen Entfaltung. So'steh die jüdische mehrerweit iamitt n mehrfacher co.ecentrifcher Kreise. Der jüdische Lebrer lebt als solcher mit ten Eollegea se neS Kreide-. Bezirks, Landes, zuooerst schließt er sich dann m t ganzem Herzen dem großen Bunde an, dem deutschen Lehrerkörper, dessen Herz die allg. deutsche Ledrerversammtuzeg ist. Bl«bt sich ja dies, daS Streben der Gegenwart oui fast allen Gebieten de« Leoeies gleich. Vereinigung, Äjsrc ateon, Or. ansauon, Seltsthülse. Ein bedeutsamer, unentoehrlecber Faktor in dies.m Strebe» ist aber auch die Presse. Die jüdische Schute hat nur ein einziges Organ, unsere Zeetscbreil. Wir haben dieselbe bisher mit schweren Opfern unsererseits erhallen. Wir täuschten uws darin nie, wir wußten, daß wir nur mit Opfern unserer>(its das begonnene Werk werden fortführen können. Die Verhältnisse, di-> gerinae Zabl jüdischer Lehrer ließ Anderenicht erwarten. Solche Opfer können aber nur für ein Unternehmen jg.bradjt werden; das unS mit Begeisterung erfüllt, Nur, wenn wir ein hohes Zi l unverrückt im Auge behaltcn, sind wir im ^Stande, das zu übersehen, was des Streben nack dem Ziele mus kostet. — Wir baden eine gleiche Begeisterung bei vielen unjeser Eollegen «stunden. Läugnen wir nicht — die Begeisterung,! cec nur das^Ziel und nickt immer klar den Weg sieht, maj in kleineren Dingen auch «inenst irren. Aber wir dürfen wei Sicherheit hoffen, daß solche-Irrungen, die dem regen Bewußtsein, daS Riecht und Gute zu nollen und mit aller Hingebung cwzustrebenf entstammen, nicht verkannt, entschuldigt werdtn. Es mag selbst zuweilen viel gefordert sein, die gleiche Begeisterung bei All-n gleichsam erzwingen zu wollen; und wir mögen darum in unseren Kämpfen für das hohe Ziel, das wir im Auge haben, wider Klugheit und strenges, kaltes Recht zuweilen zu herb gewesen sein. Kaltes Blut ist zuweilen auch gut. WirdS aber in solchen Dingen etwas zu Wege bringen? Dir dür en hoffen, daß unsere Eolle. en vor allen Dingen persönlicher Abneigung keinen Raum gönnen; vielmehr unsere gute Absichten anerkennend, sich unserm Streben anschließen. So erwarten wir denn, wer wir uns rücksichtslos bestrebten und auch fernerhin bestreben werden, die Confcrenzen nach Möglichkeit zu unterstützen, auch ihrerseits entschiedene und klare Förderung unserer Zeitschrift. Und wenn auch der Moment ungünstig sein dürste, das von uns stets im Auge behaltene und zuweilen, wie es durchaus in der Sache liegt, mit vieler Schärfe — verfochtene Princip der Einigung aller deutschjüdrscheu Lehrer in dem Lehrerbunde, dem wir angehkren turchzusühren, insoferne gleichstrebende Genoffensch asten in kleineren Kreisen ihre Selbstständigkeit nicht auszugeben gedenken; so dürfen wir umsomehr hoffen, daß .die Anderen« sich unserer heiligen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.