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Der israelitische Lehrer · 1867-06-07 · 23 (7.6.1867) · p. Seite 92

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
23 (7.6.1867)
Date
1867-06-07
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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— .92 lesebuch Bis zur Geläufigkeit im Lesen wird vielfache Uebung ein und' desselben 'SrückeS und ein längeres Verweilen dabei nothwendig. Da aber hierbei der Inhalt wie von selbst vom Kinde ausgenommen wird, so kan« die Qualität dieses Inhaltes nicht gleichgültig sein. Es genügt Nicht, wenn er allein behaltens werth ist; er muß vielmehr für die Bildung auch unentbehrlich, obligatorisch sein. Wenn also geübt und abermals geübt werden soll, geschehe es an Bibelstoff. DaS Borlesebuch hat eine andere Bestimmung. Es soll seinen Inhalt auf kürzerm Wege und in kürzerer Zeit dem Kinde zugänglich machen,-indem hier nur vom Lehrer oder von geübteren Schülern vorgelesen wird. Selbst Kinder, die noch gar nicht lesen können, verstehen auch schon eine ansprechende Erzählung, fasten einen großen Theil aus einer anschaulichen Beschreibung, wenn sie gut voegelffen und klar gemacht wird: Vom eistn Schulbesuch bis zur erlangten Lesefertigkeit liegt eine geraume Zeit; bis dahin kann ein Kind für Kopf und Herz durch Borlesen Biel erworben haben. Hinsichtlich des Materials würde das lebendige Wort des Lehrers freilich dasselbe thun. Doch muß das Kind frühzeitig den gehobenen Ausdruck der Büchersprache verstehen lernen .Das Wort des Lehrers accommodirt sich zu leicht und zu lange. der Elementarstufe der kindlichen Naivität und verflacht sich. Außerdem bilden sich durch Vorlesen einzelne Schüler im Lesen. Das Beste und Zweckmäßigste aus verschiedenen Büchern wird aüsgewählt. Bildung des Gemüchs und des religiösen Gefühls vorzugsweise; so wie auch die des Vorstellungs- und Eprachvermögens therlweise sind die leitenden Grundsätze bei dieser Auswahl. Viele Leicstücke von Stern, in denen jüdisches Denken und Fühlen, jüdisches Leben und Mische Anschauung in Herz gewinnender Darstellung einen Ausdruck gefunden, entsprechen besonders ersterm Zwecke. Auch Hästers-Hecht für Mittelk asten, zuweilen auch »och aus der Fibel eignen sich solche Lesestücke die d m Realunterrichte zur Grundlage dienen können. A. Aus der Naturkunde- 1) Das Huhn. 2) Die Stubenfliege 3) Die Biene 5) Der Huns. 6) Der Apfelbaum. 7) Der Stachelbeerstrauch. 8) Der Maikäfer. 9> Der Regenwurm. 10) Die Schnecke. 11) Die Kartoffelstaude. 12) Der Roggen. 13) Tie Eiche. 14) Die Tanne. 15) Die Moose. 16) Die Pilzen 17) Der Hecht. 18) Der Frosch. 19) Der .Blutegel. 2<>) Das Eisen. 2t) Das Kochsalz. 22) Die Cteink"hle. 23) Die Sonne. 21) Der Mond. 25) Die luflartigen Erscheinungen. 13) Aus der Geographie: 1) Etwas aus der Erdbeschreibung. 2) Das Dorf; die Stadt. 3) Der Marktplatz. 4) Beschreibung des Masters. 5) Beschreibung der Erde. Der 4. Jahrgang,-alw'die unterste Stufe aus der Mittelklasse, nimmt an diesem Unterrichte Theil. 2 Stunden nur wöchentlich. Durch zweckmäßige Fragen wird überall die mündliche Darstellung der Hauptg danken versucht. Abgerundete Sätzeauch schriftlich. MitteluNb Obei Ucste bat keinen besonderen Leseunterricht, er ist Eins mit dem Unterrichte in Geschichte, Natur- und Weltkunde. Füt Gepgrophie allein besteht noch eine besondere Stunde. . In 4 wöchentlichen Stunden wird an der Hand des Lesebuches Geschichte, Geographie, Naturgeschichte und jüdische Geschichte betrieben. Für die Behandlung der wichtigsten Lesestücke gelten 4 Punkte, l) Der Inhalt trftb der Hauptsache nach vom Lehrer anschaulich vorgetragen, labgefragt, in der Geographie -Und Naturgeschichte, so wett eS thunlich, die Wirklichkeit, Karte und Atlas gebraucht. 2) Dann wird gelesen; aber gut gelesen, wobei die Jüngeren besonders berücksichtigt werden. 3) DaS Ganze in einzelne Gruppen gebracht oder der zu Grunde liegende Plan ausgesucht. 4) Nach diesem Plane mündlich, zuweilen auch schriftlich dargestellt. Ueber die Realien soll noch besonders abgehandelt werden. Nur so viel sei hier bemerkt, daß von den Lehrstunden für Geschichte und Naturgeschichte 2/3 auf erster? und '/3 auf letztere verwendet wird; ferner: daß Geschichte, als ein feststehender und Naturgeschichte, als ein terminirender Gegenstand zu betrachten ist, der mit Physik und dem Nöthigsten aus der Literatur- und Culturgeschichte abwechselt.- Auch wird manche jüdische Geschichtskunde zu diesen. Zwecke verw ndet. Von den besten Gedichten!hald jüdischen, bald allgemeinen Inhalts werden 6 bis 8 enlärt, auswendig gelernt und sinngemäß vortragen. D e Mterstufe der Elementarklaste wird in diesen Stunden, im Sommer in einem beiondern Raume, im Lesen von einem HilfSschüler geübt, die obere Abtheilung derselben ist zuhbrend bethciligt oder nimmt sie Abschreiben ihres Lesepen! umS. Die Ruhe des Unterrichts wird dadurch nicht gestört. Weil der Name auch Etwas thut, so stehen diese Lesestunden Unter dem Namen Geschichte, Geographie rc. rc. auf dem Plgne. Wocdenbericht. Alzey. Alliance israelite universelle. (Fortsetzung). An edelstes Frankreich, du, welches die Welt wieder belebt, zum Glücke die heiligen und edlen Grundsätze der Philosophie des 18. Jahrhunderts in sich ausgenommen hat, von unsterblichen Geistern erleuchtet ist, die stromweise das L.cht über die menschliche Erkenntniß ausgoffen, welches! mit den glänzendsten Strahlen sie zu erleuchten und auszu-! klären bestimmt ist; du Frankreich, das in seine Gesetze die . erhabensten Ideen übergeh.m ließ und an die Spitz! aller Menschenrechte Freiheit und Gleichheit aller Culte! setzte; wir sind deine Krnder, voll Hingebung für dich, die französische Familie ist unsre Familie; Ehristen Frankreichs, 1 wir sind eure Brüder I In dieser Brüderlichkeit vergeht und! verschwindet aller Religionshaß, er gehört unsrer Zat nicht , mehr ap. Wer würde es denn wagen, den Katholiken uni serer Tage zuzurufen: ihr seid schuldig an jener Bärtholo- - mäus-Nacht, an jenen Dragonaden? Und dieses große Berj brechen des katholischen Fanatismus datirt doch gleichsam von gestern: wie wagt man denn nach 18 Jahrhunderten den Juden unserer Tage zuzurufen: ihr habt JesuS Christus ekreuzigt? 1 Ach, ich weiß wohl, daß die Borur heile von Jahrhnnderten nicht an Einem Tage zum Falle gebracht werden. Wir müffejr noch lange Geduld haben, und die Jüngeren unter uns werden wahrscheinlich noch über grausames Mißgeschick zu seuf,en haben, welches in gewiffen Ländern über unsere Glaubensgenossen wird ergehen können. Selbst iy Frankreich wirft noch von Zeit zu Zeit ein schlecht aus^elöschteS

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