Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 22 (30.5.1867)
- Date
- 1867-05-30
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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86 herum schriftlich auszuarbeitenden Frage» am geeigneten | Orte die Entwickelung der- Grundgedanken. als Erkenne»r : erhabener Charakterzüge, göttlichen Waltens im Leben Einzelner, wie in der Geschichte unseres Volkes, löblicher und strafbarer Vorgänge im Zusammenhänge mit ihren Folgen, -daS Erkennen.der Tugend und sittlichen Lebens in der j Bibel, insbesondere aber die Hinführung auf Glauben und Leben des Judenthums in derselben, adzwecken. Die zu näherer Betrachtung kommenden Geschichten werden vom Lehrer erzählt —, erst, nach der Behandlung werden sie gelesen. Nicht jeder Geschichte wird diese Rücksicht geschenkt; bei vielen kann nur, aus Oekonomie mit dck Zeit, die Auffassung des historischen Inhaltes, und nur bei den wichtigsten und fruchtbarsten ein tieferes Eingehen! angestrebt werden. Die Bibel von Büdingen hat allein an 130 umfangreiche Kapital historischen Inhaltes ohne den prophetischen Theil, der ein Viertel des Ganzen beträgt: Werden dem Bibelunterricht in der Oberklaffe auch zweii Stunden wöchentlich zuerkannt, — das sind nach Abzag der auf die Mittelklaffe zu verwendenden Zeit und der Ferien nicht viel mehr als vierzig Stunden jährlich — fo| ist das reichhaltige Material auch während des vierjährigen Cursus nicht zu bewältigen, wenn bei jeder Ge'chichte verweilt werden soll. Die Ausarbeitung der Katechvationen erscheint auf dieser Stufe um so dringlicher, als nur dadurch der Lehrer k.är wird, wo Eile und wo Weile am Platze ist. Es wäre allerdings Aufgabe des Planes, diejenigen Geschichten zu bezeichnen, die vorwiegend fruchtbar sind Doch kann das einer spätem Bearbeitung Vorbehalten bleillbn. Der prophetische Theil wird von Zeit zu Zeit zwischen Yen Büchern des historischen Theiles vorgenommen. Wenigstens allmonatlich eine Stunde. Er darf nicht außer Acht gelaffen werden. Lesen und Erklären, Einprägen von Kernsprüchen bleiben hier Regel. Ein verstandener Psalm ist ein werthvollerer Memorirstoff als ein profanes Gedicht. Die Mittelklasse nimmt verhältnißmäßig Theil. Nach Beendigung ihres Büchleins reihe sie sich gleich da an, wo auch die Oberklafle gerade stehen mag. — Die Elementarklaffe hat in dieser-Zeit bei zwei Hilfsschülern hebräisch Lesen. 2. Abstrakter oder systematischer Religionsunterricht. Nur eine Stunbe für beide Claffen gemeinschaftlich. Die Schüler hab«r ein Religionsbuch mit Bibelsprüchen im Urtexte in Händen. Die Lehren müffen kurz und einfach gefaßt sein. Bon den mir bekannten Merkchen hat sich Herheimer am kürzesten zu fassen verstanden. Gelehtte Betrachtungen gehören in die Predigt; tieferes Eingehen auf einen Gegenstand kann in einer Aufsatzstunde geschehen. Umständlichere Betrachtungen wie über Unsterblichkeit, Weisheit und Tugend, Nächstenliebe, göttliche Güte rc. sind Themata für schriftliche Arbeiten, formalbildend an werthvollem Stoff. Bier Aufsätze dieser Gattung jährlich stören den methodischen Gang des stilistischen Unterrichtes nicht und sind dem Religionsunterricht förderlich. DaS durchzunehmende Pensum für die Stunde wirb zunächst ohne Buch besprochen. Die Lehrform wechselt, bald ist Entwickeln, bald Geben zweckmäßiger. Die Bibelverse sinh so zu wählen, daß sie zwar als Belegstellen Dienen, doch aber auch eventuell losgetrennt von den auf sie gestützten Lehren für sich selbst Sinn und Werth haben. Das Maximum an Bibelstellen ist 150. — Davon kommen » auf die Elementarklaffe 50 — deutsch, d „ daS '4. Schuljahr dieselben und 50 dazu — deutsch, c „ „ 5. „ 50 — hebe, und deutsch 6 „ „ 6. „ 100 hebr. und deutsch — wöchentlich also 2 — « „ „ 7. „ 150 hebr. u. deutsch wöchentlich also 3 — f * „ 8. „ Dasselbe Pensum. Die Bibelsprüche werden im Urtexte gelesen, fest übersetzt, sinngemäß erklärt und dann nummerirt. Wer die . Sprüche nur in der Uedersetzung lernen läßt, hat daS Kind vergeblich bemüht; denn weil sie-zu leicht gelernt wurden, und weil sie des besonder» Gewandes entbehren, werden sie! bald spurlos verschwinden. Regel bleibt, daß jeden Mor-! gen ein Spruch hebriäisch und deutsch vor Beginn" des Unterrichtes vorgesagt wird, nach Umständen wirs daran eine kurze Morgenandacht angeknüpft. Ein Lehrgang für Anordnung des Materials ist überflüssig, weil jedes Religionsbuch schon eine gewiffe Ordnung befolgt. Die Jüngern und Schwächer» beantworten leichtere Fragen, wiederholen die richtigen Antworten rer Fähigeren. Zum Minimum soll sich der Schüler über die Eigenschaften Gottes und deren Anwendung auf uns, klar aussprechen können, die zehn Gebote und die dreizehn Glaubensartikel verstehen und sich dieselben wo möglich im Ifrtexte angeeiqnet haben, die Bedeutung der Festtage kennen,, mit der Offenbarungsgeschichte vertraut sein und den Glauben an die Unsterblichkeit, das Jenseits und Messiasreich in sich ausgenommen, so wie die Pflichten 1 gegen Gott. Welt und sich kennen. Die Elementarklasse hat dabei in aller Stille bei einem Hilfsschüler hebräisch Lesen.. 3. D i e T e f i l o h. Ihre Wichtigkeit für den Religionsunterricht ist bisher noch nicht genug eingesehen worden. Bib- . lische Geschichte und; Religionsbuch bieten Material zum Unterrichte in Religion; aber die Tefilloh zu ächt jüdischer Religion. Sie ist der Einguß jüdischer Lehren ,>und jüdischen Denkens, Fühlens und Höffens. Nicht bloß >der Pentateuch ist das Judenthum, seine relgiöse und geschichtliche Entwickelung sind von ihm unzertrennlich. Jüdischer Geist, jüdisches Leben und jüdische Auffassung haben in der Tefilloh einen Ausdruck gefunden, den man im Re- ^ligionsbuch vergebens sucht. Die erhabensten Lehren deS Judenthums gibt uns dir Tefilloh in kernigen, klaren Sätzen. .Die Tefilloh ist daS »fahre Religionsbuch in der jüdischen sSchule. Das ist einnml die Eigenthümlichkeit jüdischer Ge- , betdücher, daß sie ebensowohl unterrichten als erbauen i wollen, wie die jüdische Synagoge ebenso gut eine Stätte der Belehrung als Erbauung ist. Ich will nur als Probe auf einige Stellen Hinweisen. (Forts, folgt.) Wochenbericht. i Alzey. Alliance isra^lite universelle. (Fortsetzung), j Wir verlassen nun die serbische Angelegenheit und kehre« i wieder zu dem Sitzungsbericht der Alliance zurück Da die Mittheilungen des SecretairS wie des Schatz-