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Der israelitische Lehrer · 1867-05-23 · 21 (23.5.1867) · p. Seite 82

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
21 (23.5.1867)
Date
1867-05-23
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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-V — 82 — hervorragendes Mitglied der allg. deutschen Lehrerversammj lung saß er im Ausschuß und seineglanzvollen Reden verfehlten nirgends ihren Eindruck. ■ Wir haben über die eigenthümliche Stellung Stern's! zum Judenthume und der jüdischen Schule der Gegenwart! in diesen Blättern manches Wort gesprochen. Wir leugnen i auch jetzt nicht, daß wir in sehr vielen bedeutsamen päda- : gogischen und insbesondere in religiösen Fragen nicht mit : ihm und seinen GesinnungSgenoffen zusammen gehen können.; ES ist eine Selbsttäuschung, der sich Männer, die in hervorragenden Stellungen großen Einfluß gewonnen haben, , so gerne hingeben, daß sie wähnen: der Punkt, aus dem - sie stehen, sei der Mittelpunkt der Welt, der Regelpunkt - aller Bewegung. Sie mißkennen die Macht des Kleinen, J und lösen den Zusammenhang mit der Gesammtheit und i ber'eigenen Vergangenheit. Es ist insbesondere die ganz j exempte Stellung der Reformgesellschaft, die den Blick S ter n's , von den Kreisen ablenkte, wo das herkömmliche Judenthum! noch sein berechtigtes Ansehen genießt und ihn in dieser; Beziehung gegen alle, die nicht mit ihm gehen konnten ungerecht machte, während er die Bedeutsamkeit der Frankfurter Schule und der Berliner Reformgenoffmschaft weitaus überschätzte. Do mortui« vii oisi bene. Sterns historische Bedeutung für das Judenthum wird die Nachwelt zu würdigen wissen. Mehr aber wird ihm die hochachtbare Gemeinde, in der er als edler und gewiflenhafter > Lehrer 12 Jahre segensreich wirkte, neben den großen vori angegangenen Lehrern der Frankfurter israelitischen Real- { und Bürgerschule, neben einem Heß, Jost, Johlsohn, Creize-; nach, Schlösser u. A. ein ehrendes Andenken bewahren. O. * - 3. Ä. . Der Lehrplau für die jüd. Schule. Conferen,-Arbeit für dit Lonsireaz der Lehrer, Rheinlands und West- ' faient ju Hamm am 12. und 13. Juni 1867. , Von Zehrer Oppenheim. I. K l a s s e n e i n t h e i l u n g. [ In der jüdischen Schule befinden sich stets acht natür-! liche Elasten — acht Jahrgänge, und falls der Lehrer der 1 halbjährlichen Ausnahme nicht entgegentntt — sogar sechszehn. Die Noth zwingt zur Combination der acht natürlichen- Klaffen zu einigen künstlichen. Statt der üblichen drei L>auvtklaßen empfiehlt sich in der jüdischen Schule für - die meisten Fächer, namentlich beim lauten Unterricht die 1 Eintheilung ist nur zwei Hauptclasten, so daß die Mittelclaste vorwiegend die- Gefährtin der Obetclaste bleibt und nur da, wo es noch äehlt, mit der Elementarclaste geht. — Die Ueberreste einer eingegangenen Oberclaste werden nur im Aussatz und R/chnen besonders berücksichtigt. Die Schüler vom sechsten bis zum neunten Jahr bilden die Elementarclaste; von 1 da bis zum vierzehnten die Oberklaste; günstige und ungünstige Einflüste machen m einzelnen Fälle ein längeres Verweilen oder eine frühere Versetzung nothwendig. Die Concmtratiou des' Unterrichtes und der Elasten hat weit beflern Erfolg als die Zersplitterung. Nichts reibt aber - auch die Kraft des Lehrers mehr auf, nichts hetzt ihn mehr, > als wenn er drei Elasten'gerecht werdm will. j Traurig ist es allerdings, daß bei der Unvollkommeaheit der Zustände ganze Jahrgänge hingehalten werden müssen, die vermöge ihrer Entwickelung und Kraft weiter geführt werden könnten. Dennoch muß dieser Faden, diese Stetigkeit durch dm Stand der Dinge bei manchm Jahrgängen unterbrochen, in der Weiterführung Haft gemacht, die Zwischmabtheilung je nach Maß ihres Standpunkte» entweder auf- oder abwärts anzelehnt werden, bis der rechte Anknüpfungs Moment gefunden ist. Man muß zugeben, daß zur Gründlichkeit des Unterrichtes jede» Kind jedes betreffende Fach in stufenmäßiger Aufeinanderfolge durchmache, ohne Lücken und Sprünge. Aber auch aus diese Ununterbrochenheit muß zuweilen verzichtet werdm, und der Schüler hat sich, ohne quantitive Fortschritte zu machen, bis zu günstigm Zeiten zu bequemen. Die Unterrichtszeit von 33 Stunden wöchentlich ist so zu vertheilen, daß der Elementarklaste V3 und der Oberklaffe 2/:i zufällt. Dabei wird für einzelne Kinder noch manche Stunde ertra geopfert werdm müssen. Mag der Vorwurf einer Ueberbürdunz auch gerechtfertigt sein, die Anforderungm der jüdischen Schule sind noch gerechtfertigter und die Behauptung, ihnen bei einer ermäßigten Stundenzahl doch zu gmügm, kann nur auf Selbsttäuschung beruhen. Bei elf Stundm wöchentlichen Unterrichts in der Elemmtarklaffe kann in drei Jahren die geistige Kraft eines Schülers bedeutend gestärkt und ein guter Grund gelegt werden. Nicht aber, wenn drei Klastm bestehm, wobei in der Regel die untere stiefmütterlich bedacht wird. Indessen verschwindet bei dieser Verschmelzung die Verschiedenheit der Altersstufen nie ganz auö dem Unterrichte; darf es auch nicht. Bücher und Anforderungen lasten den Schüler doch erkmnen, daß er mehr der einen, als der andern Abtheilung angehört, wenn sich der Unterricht auch an die Gesammtheit der Claffe wendet. . In der Oberklaffe sind die Erkennungszeichen noch deutlicher. Originalität oder bloße Reproductivität in schriftlichen Arbeiten; die Abstufung im Rechnen, die Dispensation vom 1 orthographischen Cursus, speziellere Kmntniffe in den Wis- | senschaiten rc. sind geeignet genug, das Ehrgefühl eine» s Schülers aus der Oberklaste zu erhaltm und dm aus der >l Mittelklaste vor Selbstüberschätzung zu hüten. Beim Rechjj neu jedoch, als das reine Abstractum, wobei weder von > Büchern noch vom Mitunterricht viel erwartet werden darf, ist eine weitere Auseinanderhaltung unvermeidlich. Wenigj stens gestalten sich darin vier Abtheilungen von je zwei 4 Jahrgängen. Die Anfänger werdm m ihren Schreib» leseansängen besonders unterrichtet und müssm in der Zuganqsperiode die geförderten Schüler dm unmittelbarm Unterricht der Lehrer einige Wochen entbehren, unterdeß dieser sich mehr den Ansängern zuwendet, um sie frühzeitig.so weit zu befähigen, daß sie sich bald anschließen, bald sich selbst beschäftigen, bald von ältem Schülem unterrichtet - werden können. 8 Indessen reicht trotz der Elassenconcentration der un-» mittelbare Unterricht des Lehrers für die Aufgabe der jü-> dischen Schule nicht aus. Viel, sehr viel muß vom Mit-H unterricht durch Hilfsschüler und entsprechende Bücher ge- schehen. Ist die Hilfeleistung auf die Fähigsten, nammtuch aber, beim Pentateuch auf die Mädchen, da diese nicht dabei betheiligt find, abwechselnd vertheilt und geht sie 7

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