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Der israelitische Lehrer · 1867-05-16 · 20 (16.5.1867) · p. Seite 78

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
20 (16.5.1867)
Date
1867-05-16
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
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die Rücksicht auf die kommerzielle Carriers, die für den jüdischen Knaben die wahrscheinlichste ist, wird sie eine Art Realschule. Zu diesen gesteigerten Anforderungen ist die Mische Gemeinde theil» gedrängt, weil der Jude nur selten dem Proletariat und vorwiegend der Handel treibenden Bevölkerung angehört, theil» auch berechtigt, well sie ihre Schule aus eigenen Mitteln unterhält; theils auch als Religionsgenoffenschaft dazu verpflichtet. Die Anforderungen find thatsächlich da und unabweiSlich. Der Lehrer windet sich durch sie hi», so gut er kann, da sie zu seiner Straft in ungleichem Verhältnisse stehen, während andrerseits eine jüdische Pädagogik, die daS jüdische Schulwesen organifirt, noch gar nicht exißirt, wohlgeordnete Lehrbücher, die ihren Stoff im Hinblick auf diese Eigenthümlichkeiten der jüdischen Schule gehörig beschränkt und abgegränzt, wie in auteinandergehaltene Curse gebracht haben, mit wenigen Ausnahmen noch gar nicht vorhanden sind. Abgesehen von dem Vorsprung in jeder andern Beziehung sehen sich die höher» Lehranstalten auch darin in einer glücklichern Läge. Bei vollständigem Organismus ist chr Ziel im Ganzen, wie das jeder einzelnen Claffe schon durch die gewählten Lehrbücher gegeben. Sie wissen, womach sie ringen; sie vermögm beim Beginn des Semesters dessen Penmm festznstellm. Lehrer und Schüler arbeiten leichter, weil sie das Ende absehen köunm, mit dem gesteckten Ziel die Versetzung in eine höhere Elaffe zusammenhängt, ein Umstand, der Eltern und Schülem den nöthigen Respect vor der Schule abnöthigt; während die jüdischen' Schulen in Ermangelung der für sie eigens geschaffenen Schukichriften zu oft experimentiren und in's Blaue arbeiten müssen. Gerade die Schule, für die jene Vortheile am nöthigsten wären, liegt in der pädagogische« Wellt noch verwaist. Wohl ist das Vorhandensein mancher schätzbaren Schrift für jüdische Schulen nicht abzustreiten, aber fast jede ist . viel zu reichhaltig, verfolgt zu vielerlei Zwecke.. Man denke an den riesenmäßigen Stoff unseres sonst, so gediegenen Lesebuches für Oberklassen! Wer kann chn bewältigen? Auf der letzten Conferenz wurde die Einfühmng gleichmäßiger Schulschriften m jüdischen Schulen unpädagogisch gesunden, weil die Schulen nicht einerlei Standpunkt einnähmen. -Ist dies der Fall, so ist auch die Forderung, einen allgemeinen Lehrplan für jüdische Schulen zu entwerfen, ebenso unpadagogisch. Aber man könnte vielleicht auch den Satz unikehren und die Ungleichartigkeit der Standpunkte aus der mehr oder weniger mißglückten Wahl der eingesührtm Bücher herleiten. Bei diesen Unzulänglichkeiten, gegenüber den besondem Elementen itt der jüdischen Schule, ist der Lehrplan für dieselben offenbar etwas Neues. Er ist der Anfang zu der zur Zeit noch vermißten Organisation, der jüdischen Schule. Er ist etwas Neues, null er der Ausdruck der Methode für jüdische Schulen sein soll. Aber als etwas Neues darf jede noch io umsichtige Arbeit eines einzelnen Lehrers nur als Theorie gelte wollen. Da jedoch Theorien nirgendwo bedenklicher sind, al aus dem Gebiete des Unterrichts, so muß em Plan, d r aus Geltung Ansprucb machen kann, aus unmntelbarer Beobachtung, die in dieier Absicht anzustellen iju hervorgegangen sein und zwar aus der Beobachtung dessen, waS unter den gegebenen Umständen, bei zweckmäßiger Leitung geleistet worden ist, nicht aber, was geleistet I werde» konnte, wenn man vor möglicher Täuschung bewahrt bleiben will. Ein einzelner Lehrer vermag aber nur einseitig zu beobachten; wird auch nie von sich glauben, die Summe von Erfahrungen in sich vereinigt zu haben.! Daher ist die Aufstellung eines Planes für heute noch verfrüht. Geschaffen muß er werden; aber nur auf dem Wege vielseitiger schulmännischer Erfahrung Daher ist die Zusammenstellung der gewonnenen Resultate vieler Schulen unerläßliche Bedingung. Die alsdann von der Conferenz anzustellende Vergleichung und Prüfung dieser Resultate find allein der geeignete Weg zur Entwerfüng eine» Planes für die jüdische Schule. Die Conferenz dürfte der wichtigen Angelegenheit viel näher kommen, wenn sie heute aus ihrer Mitte Kräfte gewänne, die es übernehmen, die Ergebnisse ihrer Erfahrungen während eines Jahre» in diesem oder jenem UnterrichtSzweige ungeschmeichelt zu sammeln, die verzeichneten Erfolge der nächsten Conferenz vorzulegen und dadurch die Aufstellung eines maßgebenden Planes anzubahnen. Indessen verfehle ich nicht, den Versuch zu einem Plane zu machen. Nicht anders, bitte ich, meine heutige Arbeit, als einen unreifen Versuch, beurthellen zu wollen. Ich schicke zunächst die Classification der Schüler voraus, lasse darauf die wesentlichsten Fächer folgen und zeige dabei auch die Art der gleichzeitigen Beschäftigung. (Fortsetzung folgt.) Wochenbericht. Alzey. Alliance israälite universelle. (Fortsetzung). Dieses Decret ward nie wörtlich veröffentlicht, sondern ist in dem gedruckten Rechenschaftsbericht der Kammer-Verhandlungen erschienen. Was muß nian hieraus schließen? Offenbar mußte der Fürst dieses Zugeständniß den außerordentlichen Umständen machen, in denen er sich befand Da» Volk war weit davon entfernt, den Juden seinsselig zu sein,! aber es war 'aft ganz abhängig von den alten Eigenthümeru! des Handels-Monopols, und die Regierung hielt sich für verpflichtet, dieses für sie zu schonen. Die Israeliten benutzten aber dennoch die Rechte, welche das Wohlwollen des Herrschers ihnen gegeben hatte. Viele! von ihnen ließen sich neuerdings im Innern de» Lande» { nieder und nahmen die Handelsgeschäfte wieder auf. Sie j fanden überall eine gute Ausnahme und sie suchten ihre I alten und ausgezeichneten Beziehungen im Schooße des! Volkes wieder au', welches stets ihnen wohlgesinnt war. Dank dem Fürsten Milosch, schien das Land wieder i aufzuleben. Die ersten Anordnungen seiner Regierung hat-! ten einen glücklichen Erfolg und versprachen dem Lande > eine grobe Zukunft. Aber der Fürst war alt, und man ■ würde daher für die Dauer der neuen Regierung sein nahes Ende gefürchtet haben, wenn man nicht die Hoffnung ge-; hegt hätte, daß der Nachfolger des Milosch, sein Sohn, ebeni wgut Erbe seiner Tugenden und seines Geistes sei, wie . seiner Macht, und zur Leitung des Staates denselben Muth i und dieselbe Gerechtigkeit mitbringen werde Ec hatte bei ' einigen Gelegenheiten dm Israeliten das Pfand seiner gu- : ten Gesinnungen gegeben und ihnen seinen Schutz zugesichert.

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