Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 18 (2.5.1867)
- Date
- 1867-05-02
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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71 Wochenbericht. Alzey. Alliance israälite universelle. (Fortsetzung). Folgender Characterzug kennzeichnet den Fürste« von Serbien. Von Zeit zu Zeit kam er nach Posarewatz. Nach einer ziemlich langen Abwesenheit, kam er einmal an einem Sonntage gerade zu der Zeit hin, als die Christn ihren Gottesdienst hielten. Während er in Begleitung des Magistrats durch die Straß m der Stadt ging, fiel ihm auf, daß alle Läden, besonders die der Juden, geschloffen seien, und als er darüber sein Erstaunen äußerte, erfuhr er, daß diese Pflicht den Juden auferlegt worden sei, um dadurch die Sonntagsfeier zu heben. Genießen denn die Juden dasselbe Vorrecht für ihren Sabbat, frug der Fürst, und sind Eure Läden auch an diesem Tage geschloffen, zur Zeit, wo Eure Mitbürger in der Synagoge weilen? Als man ihm diese Frage verneinte, fuhr er fort: Diese willkürliche Maßregel darf in Zukunft nur unter der Bedingung in Ausführung gebracht werden, daß man den Israeliten dieselbe Ehre zu Theil werden läßt, welche man von ihnen fordert. Alle i Gerben sind gleich." Die Israeliten stehen unter dem Schutze der Verfas-! sung, welche unter der Bezeichnung: „Die Bewohner Ser- I bien's" nothwendig auch die Israeliten begreift. Wenn sie ■ nicht namentlich genannt werden, so geschieht dies darum, > weil die Grund-Verfassung keinen Unterschied zwischen einem; Bürger und dem andern gestattet und die Rechte keines Serben von dem religiösen Bekenntnisse abhängig sein sollen, j Von demselben Geiste beseelt, wie sein Vorgänger, j hielt Fürst Michel in der ersten Zeit seiner Regierung an > denselben Grundsätzen fest, so daß die Israeliten keinen > Grund zur Klage hatten. In Folge der Revolution von 1842, welche die Dy- I nastie des Obrenowicz entthronte und die des Kara-Georg j einietzte, wurde die Lage der Israeliten vollständig umgej staltet. Die neue Regierung, vom Volke stets als usurpatorisch angesehen, befolgte eine der vorigen ganz entgegengesetzte Politik Sie nannte sich zwar constitutionnell, vorgebend, die Verfaffung halten zu wollen, aber ihre Herrschaft war ein wahres Schreckensregiment Sie stieß die Verfaffung um, indem sie die Israeliten eines Thetis' ihrer Rechte beraubte. Man schritt stufenweise gegen sie vor, zwar ohne offene Gewalt uid ohne solche Gesetze, wie sie die Geschichte der Juden leider sonst aufzuweisen hat, aber man ging ' methodisch und mit Berechnung auf den Sturz der Juden aus. Ein Befehl, welcher zwar nie amtlich verkünvet. aber doch streng ausgeführt worden ist, untersagte den Juden die Niederlassung im Innern des Landes, und diejenigen, welche bereits da wohnten, sahen sich ihrer Existenz-Mittel beraubt, mußten ihre Habe und gewerblichen Einrichtungen verkaufen und sich auf Belgrad, und zwar den inneren Theil der Stadt beschränken, den sie, wie dies ausdrücklich Vorbehalten war,/ unter keinem Vorwände verlassen durften, ohne einer strengen Strafe zu verfallen. Es fehlte nichts mehr, den Sturz der Israeliten zu vollenden: ihre gewerblichen- und Handels-Einrichtungen verschwanden nach und nach. Andere suchten sich dadurch zu retten, daß^si^ auSwanderten; der größte Theil überließ sich einem Elende, welches so groß war, daß die Gemeinde weder genügende Mittel hatte für die Erhaltung des Gottesdienstes, noch die der Wohlthätigkeitsanstalten. Sie machte vergebliche Anstrengungen, um sich einem s« beklagenswerthen Zustande zu entziehen. Man hörte weder auf ihre Klagen, noch ihre Ansprüche; man antwortete ihnen 16 Jahre hindurch mit Versprechungen, welche man nie erfüllte, oder mit Drohungen, welche man'sehr häufig vollführte. Im Jahre 1856 war der Congreß der europäischen Großmächte in Paris versammelt. Es schien, als wenn die an der Türkei zu Gunsten der Rayahs (nicht-muselmanische Unterthanen) gerichtete Vorstellung und die vom Congreß ausgesprochenen Grundsätze des öffentlichen Rechts auch den Israeliten Serbien's hätten zu Nutzen kommen müssen. Aber die Regierung Serbien's that nichts für sie. Die Karas waren ihnen feindlich gesinnt, wie die Partei, welche ihm zum Siege verholien hatte und die nur auf den Sturz des Fürsten Michel hingearbeitet halte, um den der Juden, dieser gefürchteten Concurrenten am dem Gebiete des Handels, zu beschleunigen. Im Gegentheil, Die Verfolgung der Juden nahm zu. Der Senat beschloß 1856 und der Fürst bestätigte diesen Beschluß, daß jede Art von Verletzung ihrer Rechte gerechtfertigt sei. Sonderbar! Dieser Beschluß wurde nicht bekannt ge- - macht, und sein Inhalt ist unbekannt geblieben, aber durchs seine Anwendung und Ausführung wurde er den Juden bekannt So war das Benehmen einer christlichen Regierung zu derselben Zeit, wo der Sultan es für angemeffen hielt, die Gleichstellung aller seiner Unterthanen ohne Rücksicht auf die Verichiedenheit des Cultus zu beschließen. Serbien war sich der Ungerechtigkeit seiner Gesetze und ihres Widerspruchs mit den von der Pforte veröffentlichten Gesetzen so wohl bewußt, daß es weder seine früheren Maßregeln, noch seine neuen Beschränkungen gegen die Juden veröffentlichen und auch nicht in die Sammlung der Congreßacten aufnehmcn ließ; es verheimlichte seine Intoleranz, um sich dem Urtheil der öffentlichen Meinung zu entziehen. (Fortsetzung folgt.) Dberhessen. Unterden 13" > Millionen Menschen, welche die Erde bewohnen, sind etwa 8« 0'Mill Heiden, 337 Mill. Christen, 156 Mill. Mahometaner und nur 7 Mill. Juden, von welchen sich 3'/. Mill. in Europa auiballen. In Frankfurt a. Ul. kommt 1 Jude' auf 16 Christen, in dem übrigen Preußen einer auf 73 Christen. In Sacksen gibt es nur sehr wenige Juden, <n Schweden und 'Norwegen ist das Perhältniß ein sehr unbedeutende-, denn es kommt 1 Jude auf 6» »5 Christen. Merkwürdiger»).ise scheint die Anza'el der Juden in Frankreich, i England Belgien. wo sie emancipirt und im' Pollgenuß aller j bürgerlichen und politischen Rechte sind, abzunehmen, während | sie m Ländern zunimmt, wo dieses Volk weniger frei ist oder : gar verfolgt wird. — Für die bessi'che Ständeversammlung sind folgende Anträge einzebracht worden, welche für uns von oesonderem Interesse sind: Antrag de» Abgeordneten Stockhausen, aus Adänderung des 8 86 der Verordnung vom 2. November 1841, die Bildung der Vorstände der israelitischen Relizionsgemeinden betreffend und Antrag des Abgeordneten Soldan, die Gehaltsaufbesserung und Pensionirung der Volksschullehrer und die Versorgung ihrer H int erlassenen betreffend und endlich der Antrag desselben Abgeordneten, die Vorlage eines Schulgesetzes betreffend.