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Der israelitische Lehrer · 1867-04-18 · 16 (18.4.1867) · p. Seite 62

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
16 (18.4.1867)
Date
1867-04-18
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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62 Geschlecht, voll dem doch so eigentlich die Zukunft des Judenthums abhängt, kümmert sich nicht um die ewigen Wahrheiten in demselben sondern hält sich nach dem Beispiel der Stadtbewohner leider! schon' für gebildet uni auigeklärt, wenn es durch Vernachlässigung einiger Cermonial- und Epeisegesetze seine Geringschätzung alles Religiösen zur Schau trägt, ohne daß im Herzen die Ueberzeugung von der Entbehrlichkeit solcher Gebräuche wohnt. Welche Zukunft steht unsern religiösen Institutionen bevor, wenn diese-, vom Winde hin und hergezogene Individuen, Mitglieder des Judenthuirs der Zukunit, seine Vertreter werden sollen \ — Wir sehen, welche Verpflichtungen ver Le-rer der Religion auf dem Lande hat, welch' großer Wirkungskreis ihm geöffnet sist. Suchen wir uns klar zu machen, auf welche Weise er z» wirken im Stande ist, und welche Mittel er anzuwenden hat. Wir müffen hier nochmals auf den Unterschied zwischen den Verhältnissen in Stadt und Land zurückkommen Zu diesem Behufs erlaube man dem Schreiber dieses hier eine Äbschweisung. Die Verschiedenheit äußert sich schon an und für sich dadurch, daß die geffrliche Leitung in den Städten zumeist Rabbinern obliegt ' (Forts, folgt.) Bücherschau. -Der Sprachunterricht in der Volksschule. Ein Beitrag zur sachgemäßeren Gestaltung desselben. Von Georg Luz, Wleieysteig, Druck und Verlag der Schmid'ichen Buchhandlung 18(37 Der Verfasser dieser Schrift, Herr Lutz, hat sich eine? hervorragende Stellung unte: den deutschen -Volksschullehrern erworben, und er ehauptet diese Stellung durch fortgesetztes energisches Streben,' durch die Veröffentlichung gediegener Schulichriften und vorzüglicher Aufsätze. Insbesondere hat er sich durch sein „Lehrbuch der praktischen Methodik" höchst verdient gemacht. Die pädagogische Literatur hat kein Werk, das, wie dieses, aus der Volksschule und dem praktischen Wirken in derselben hervorgegangen, und wir können darum den angehenden Lehrern, der eben etwa das Seminar verläßt und darum rath und hilstos in der Schule steht, kein Buch wärmer empfehlen. Wir kommen darum hier auf das „Lehrbuch der praktischen Methodik" zurück, weil uns von einer Seite der Vorwurf gemacht wurde, .wir hätten der der Besprechung desselben die religiöse Richtung des Verfass rs übersehen. Kein Vorwurf ist ungerechter. Die religiöse Richtung des Versagers ist ernst, streng, christlich-religiös, streng-biblisch, aber nichts weniger als fanatisch, oder pietistisch-muckerii'ch. Ueber eine solche ftrengkirchliche Richtung eines Schriftstellers für die Schule haben wir gewiß-am wenigsten Recht, ungünstig zu urtheilen. wenn der Versager dabei in jeder Beziehung auf dem freien Boden der Volksschule, selbst der naturgemäßen Trennung der Schule von der Kirche steht. Sind wir etwa minder „jüdisch-religiös"? Wir sind nach dieser Seite hin sicher pon Anfang her unserer Aufgabe treu geblieben, haben unsere Stellung klar und wahr, ernst und aufrichtig gewahrt, nirgends unfern Standpunkt verleugnet, immer den Maäßstab unserer Religion an das Wirken der Schule gelegt; — und doch haben die Zeitschriften der verschiedensten Richtung — von Diesterweg und der „Allgemeinen d Lehrerzeitung", bis zu den streng-christlich - kirchlichen — unser Streben stet« mit Anerkennung verfolgt, nie ist uns Exclusioität zun Vorwurfe gemacht worden; warum sollten wir in einer sonst so gediegenen Schrift, die in ihrer Art fast einzig dasteht, Anstoß nehmen an der religiöien, doch durchaus vorurtheilslosen und würdigen. Richtung des Verfassers? Es würde die» ein schlechte» Zeugniß für das objektive Urtheil des Recensenten sein und fast ben lächerlichen Kritteleien glichen, die zuweilen über Schiller's „Maria Stuart" u. dgl. den Stab breche», weck etwa dort der katholische Ritus verherrlicht wird. Kommen wir nun zu der vorliegenden Schrift. Das ist der große Vorzug des Verfassers, daß man in ihm den pädagogischen Denker und dabei den in fortgesetzter praktischer Wirksamkeit stehenden Volksschullehrer erkennt. Darum tragen seine Worte den Charakter der Bestimmtheit, Anschaulichkeit und Klarheit x darum gibt er zur Praxis immer die Theorie*), damit der Lehrer nicht mechanisch, sondern denkend arbeite, arbeitend lerne und lernend arbeite. Die Lehrer sollen wohl Meister aber keine Handwerker sein, nicht schablonenmäßig unterrichten. Von den Anschauungen des Verfassers über den Sprachunterricht hebt er selbst einige in seinem Vorworte heraus: 1) Ein grammatischer Sprachunterricht ist in der Volksschule nicht zu entbehren. 2) Praktische Sprachübungen in der Wort- und Rechtschreiblehre gehören schon in die Mittelklasse. 3) Praktische Sprachübungen in Aussätzen nach Betrachtung .des Satzbaues gehören in di» Oberklassen. 4) Der synthetischeLehrgang hat inBetreff seiner -Fruchtbarkeit im Schulkreise seine Vorzüge vor der analytischen, Mode geworbenen, zerstreuenden Methode. Wir heben nur diese 3 Sätze und den ll. hervor: Praktisch' und das Ziel nur nicht zu hoch gesteckt I- Diese Anschauungen führt der Verfasser nun in seiner Schrift in melsach anregender und belehrender Weise aus. Die erste Abtheilung gibt die Theorie, die Grundsätze. Die zweite Abtheilung den Lehrgang, anfangend von der Wortsormenlehre für die Mittelklasse, wo die Dingwörter, Zeitwörter, Eigenschaftswörter. Zahlwörter, Fürwörter, Verhältnißwörter, Bindewörter. Satzlehre; der einfache erweiterte und zusammengesetzte Satz; Rechtschreidlehre. Dritte Abtheilung: Äufsatzübungen in der Volksschule, methodische Einleitungen hierzu, Vorübungen von 7jährigen, i>—12jährigen Schülern u s. f. So ist die Schrift ein gediegenes Ganzes, das dem Lehrer Stoff zum Nachdenken, Klarheit über die Grundsätze , gediegene Anleitungen und Musterstücke bietet und um so werthooller wird, weil vieles Neue der denkenden Prüfung bedarf und wohl nicht die Zustimmung aller praktischen Lehrer erhalten wird. So die Auffassung des Artikels, das Geschlechtswort u. s. f. *) A. L>. Grube. „Vorwon zum Leit-aden für das Rechnen in der Elemenrarfchule: SS ist unser« feste Meinung, caß alle unser« vraktischen Handbücher mit ihrem empirischen Stoffe auch jedesmal i eine Dost! Theorie verabreichen sollten, damit die Breit« der Praxis I auf einen Punkt zusaminengefaßt, auch begriffen werde"

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