Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 16 (18.4.1867)
- Date
- 1867-04-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Dfr Isinelitisrhe LeKrer d L Zeitschrift für' die gelammten Jntereffen des israelitischen Lehrerstandcs . ^'' ' >' und zugleich Crgcui für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger ifraelitifcher Lehrer, . Lehrer- Wittwm und -Waisen in Deutschland. , J\§ 16. Mainz, den 18. April 18t>7. (Siebenter Jahrgang.) B-öchenlluh I Siunmier. Bütteljohrliider Silvnnnncntspiei« 27 fr. --- *,'4 Thlr. Bei franfirter Zusendung unter .Hvcmbarth jährlich 2 fl. 12 kr. Anzeigen zu I Egr. die Peiitzefle. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. (StcUtiüß und Aufgabe des isr. Lehrers in den kleinen Gemeinden. Bon L. R. 53iele traurigen Erscheinungen in dem lüdiichen Gemeingelebcn der Gegenwart machen es zur Pflicht, uns nach Heilmitteln umzuio auen sür diese Gebrechen. Da finden mir denn, daß die Entwickelung gegen früher die umgekehrte Richtung nehmen muß, daß nur von den kleinen Gemeinden aus gesundes Leben in die großen geleitet werden kann. Nur hier, in den kleineren Gemeinden, herrscht öfters noch ein gesunder religiöser Sinn, wahre Begeisterung für Ju denlmtm und die fortschrittliche Entwicklunu desselben, und vor^-llem — Einheit in den Bestrebungen. In den Städten paart sich sehr oft Jndifferentismus mit orthodoxem Fonaismus, um jedis wahihait religiöse Bestreben zu hinde n. Das ist ein unnatürlicher Bund, den die traurigsten folgen haben muß, eine Vereinigung, die nur zum Aergsten, nie zum Guten führen kann. Wir haben Beweise hiervon in einigen jüdischen Gemeinden unserer nächsten Umgebung, wo traurige Zerfahrenheit herrscht und Haß und Narteisucht wahrhaft erschreckende, das Gemeindeleben vernieflende Gestalten annimmt. Wir malen nicht in's Grau;, die Belege sür unsere Behauptungen sind in Masse vorhanden; wir werden ein andermal vielleicht davon zu sprech n Gelegenheit haben. Bor solchem Treiben sind — Gottlob — die kleineren Gemeinden zumeist behütet Hier kömmt es vorzüglich auf den Lehrer an; ist der ein Rann, der seine Mission kennt und mit Liebe und Begeisterung ouffaßt, weiß er seine Stelling in der Gemeinde zu nützen, so darf gehofft werden, l aß sein Wirken von segensreichen Folgen begleitet ist, was sehr oft von den strebsamsten, edelsten und tüchtigsten Rabbi ncn in großen Ctadtgemeinden nicht gesagt werden kann. Wie nun insbesondere der iSr. Lehrer vom Lande seine Stell: ng auszvsafikn hat, wie er den äußeren und inneren Feind n des Judenthums, dem Missionsunwesen, ProselytiSmuß, der Gleichgültigkeit für alles Religiöse und leerem Formkndienst zu begegnen habe, das soll unS das Folgende dnrtlich zu machen suchen. Es ist wohl auch uns fügsam bekannt, daß. leider die schlimmen Folgen mancher Mißftande im religiösen Leben der Gegenwart auch unter den Israeliten vom Lande sich bereits äußern. Auch hier sehen wir oft die Gleichj gültigkeit sür alles Religiöse, gepaart mit einer beispiellosen Negation alles positiven Glaubens. Lasten Sie sich j von der anscheinenden Orthodoxie eines großen TheilS der Landbewohner nicht beirren. Eie finden zur Zeit nur fel- > ten mehr jene gemüthvolle und wahre Frömmigkeit, die den Werth wirklicher Ueberzeu. una hatte, weil sie alles „was da geichrieben steht" für baare ÜKünje onnahm, alles m Wirklichkeit c'cv ne6 thot; die Orthodoxie der ' heutigen Zeit beruht im günstigsten Falle nur ai r bloser Gewodnhert. ist jedes veredelnden und wirklich religiösen i GehalteS baar, ist — reine Etarrköpfigkert. ES ist mir, einem Lehrer vom Lande, schon öfters vorgekommen, daß dieselben Männer, die beim Sebathfrühgottesdienst um Alles weder einen „Mismor" noch einen „Jekumpurkon" hergaben, am selben Nachmittage bei gemüthlichen Zusammenkünften, wenn die Rede zufällig auf Religion fiel, mit beispielloser und nur durch/Unwissenheit erklärlicher Gemüthsruhe die heiligsten Lehren und Ueberzeugungen des Judenthums und der Menschheit, wie Vorsehung, Unsterblichkeit und unmittelbare göttliche Offenbarung auf wahrhaft baroke und darum desto schrecklichere Weise in Frage stellten, ja geradehin verneinten. Wenn nun in den Städten dem Jndifferentismus für religiöse Institutionen gewöhnlich ein gewisser Grad von Geistesbildung, wenn auch. noch so materieller und äußerer Natur, zur Seite steht, und eine hierdurch hervorgerufene gesteigerte Denkkraft den höheren sittlichen Ideen, des JudenthumS zum Theil zu gut kömmt, eben weil man sich der Formen längst entwöhnte: so ist auf dem Lande, wo man unter Judenthum nur verknöcherten Formendienst ver-' steht, und höhere Geistesbildung eine Seltenheit ist, mit dem Fall des Formendienstes dem Judenthum die Axt an die Wurzel gelegt, und wird natürlich die Furcht in unS rege, die gegenwärtige Stagnation des FormendiensteL werde mit der Zeit einer vollkommenen Negation alles positiven Judenthums Platz machen. Besonders das jüngere