Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 15 (11.4.1867)
- Date
- 1867-04-11
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Opfer auf. Die Alliance kommt ihnen zu Hilfe, und die Schule schreitet voran unter der Leitung des Herrn Weiskopf, eines wahrhaft ausgezeichneten Lehrers, der an der Spitze einer großen Schule 3» stehen verdient. In Salonichi hat das Local -Comite ein Institut gegründet, worin besonders die Kinder wohlhabender Eltern Zutritt haben. Wir würden dastelbe unterstützen, erwarten aber, daß es vorerst auch für die freie Aufnahme armer Kinder Einrichtung treffe. Zn Bagdad besteht seit zwei Jahren eine Schule; ffe zählte bereits einige Schüler. Uneinigkeit zwischen dem Direktor und der Gemeinde störte ihre Fortentwickelung. Die nicht sehr zahlreichen Schüler arbeiten und erhalten Unterricht. Ihr Lehrer fft abgereist, undne selbst schreiben uns in französischer Sprache einen wahrhaft rührenden Brief, worin sie ihr Perlangen nach Unterricht zu erkennen geben: „Wir sind," sagen sie, .,die Kinder der von der Alliance „israelits zu Bagdad gegründten Schule. „Sie sehen, Meine Herren, daß wir anfangen,' ein wenig „geläufig französisch zu schreiben, und wir vergessen nie, daß „wir dies Ihrer Güte zu verdanke« haben. „Wir zeigen Ihnen an, daß unser Lehrer abgereist ist, „und wir somit ohne Lehrer sind. Wir bitten Sie nunmehr uns bald einen Nachfolger zu schicken, damit wir die Sprache vollkommen erlernen. „Wir werden Ihnen ewig banken und bitten Sie zu „glauben, daß wir uns Ihnen für verpflichtet halten. „Wir haben auch angefangen, englisch zu lernen. Ein „hiesiger Herr gibt uns darin in französischer Sprache Un- „terricht, aber als Telegraphenbeamter ist seine Zeit zu sehr „in Anspruch genominen." Wir werden dem Wunsche dieser Kinder Nachkommen und ihnen einen Lehrer schicken. Nur Eine unserer Schulen istwingegangen, in Damaskus nämlich. Sie wurde von' uns unterstützt, wie alle unsere Schulen, und so gleichgültig auch die Gemeinde dagegen war, wir würden sie unterstützt haben, wenn nicht der Direktor abgereist wäre, dem es zur Vollendung seines Amts an Muth und Ausdauer fehlte. Wir . hatten die Hoffnung, mit .Hülse des französischen Eonsuls sie wieder neu zu errichten. Dieser, Hr. Hocquart mit Name, nahm sich der Sache mit Eifer an, als leider rin frühzeitiger Tod uns seiner schätzenswcrthen Beihülfe beraubte. Honen wir nun, daß zur Ehre seines Andenkens ..unsere Glaubensgenoffen, deren Wohl er doch erstrebt hat-, das Werk wieder' ausnehmen und die Schule, welche sie micht hätten'eingehen 'lasten sollen, wieder ins Leben rufen werden. -' Für alle Schulen, welche, je nach der Zunahme unserer Kräfte, in einer mehr oder weniger nahen Zeit entstehen werden, bedürfen wir Lehrer. Bis jetzt nehmen wir sie aus unserer Mitte; wir denken aber, ne später aus unseren Schulen zu nehmen. Das Central Comits in Constantinopel, wie der Dftector der Schale in Tetuan haben vorgeschlagen, einige junge Leute von' Fähigkeit zur Vollendung ihrer Studien nach Frankreich zu schicken. Das Verleben einiger Jahre unter uns sei für sie unerläßlich, um sie für die Leitung unserer Schulen vorzuberciten. In gebildeter Umgebung würden sie am besten den Werth der Bildnng beurtheilen lernen, von der ne in den Büchern lesen, und die Fähigkeit erlangen, sie nach dem Orient zu tragen. Der Vorschlag ist unserem Schul-Comits zur Vorberathung überwiesen. Wir haben noch von den Aufmunt rungen zu sprechen, welche der Wissenschaft und den Gelehrten gegeben worden find. Sie erinnern sich, daß vor zwei Jahren daS Central- Comitä einem gelehrten Rabbinen von Livorno, Hrn. Benamozegh, den Preis für die beste Arbeit über die Vergleichung der Moralsthre des Judenthums mit der in den anderen Religionen bewilligt hat Dieses Buch fordert zu Gunsten des Judenthums die Lehren und selbst den Wortlaut einer Moral zurück, welche eine ungenügende Kritik und das allgemeine Vorurtheil zum ausschließlichen Eigenthum, des Christenthums gemacht hatten. Das Comits hat den Preis von 1000 Frcs. um die Summe von 500 Frcs zum Zwecke der Veröffentlichung des Werks erhöht. In gleicher Weiie haben wir die Veröffentlichung eines Werks unterstützt, welches durch die Preisaufgabe des vorigen Jahres: „die Geschichte der Emancipation der Juden" hervorgerufen wurde. Dieses Buch würde, wenn es vollendet worden wäre, den Preis erhalten haben. Leider befindet sich qber der Verfasser in einem solchen Gesundheitszustände, daß ihm die Vollendung seines Werks nicht gestattet ist; dennoch haben wir dasselbe einer Unterstützung würdig befunden. Andere historische Arbeiten: die des Hrn. Raboinowicz über daS Verhältniß des Urchristenthums zum Judenthum, die „Geschichte der Juden" von Hrn. M. Schwab sind vom Comils als nützlich anerkannt worden; die eine für die wissenschaftliche Untersuchung über den Ursprung der Religionen, die andere für den Schulunterricht. Sie haben beide Unterstützung erhalten. (Forts, folgt.) Aus Baden im März. In einer der jüngsten Nummern Ihregeschätzten Blattes klagt eia College R. darüber, daß die Kultusverhältnisse in Baden sehr schlecht gedeihen. Namentlich hebt er hervor, daß die Predigt, die Seele deS echten Gottesdienstes, noch fehle Wir können ihm hierauf erwidern, daß in dem Rabbinatsbezirke Sinsbeim die isr. Lehrer vom dortigen Rabbiner ermächtigt wurden, jeden Sabbath zu predigen und hiefür entschädigt werden. Wenn er jedoch sagt: „die speciellen Kirchenverhältnisse werden von eln-r dem-Fortschritte und den äcbt jüdischen Geist fördernden Behörde (?) verwaltet," so möchten wir doch bedauernd bemerken, daß die bei dem jüd. Gottesdienste noch immer bestehenden „Rachegebete" 3X ’o’omn und Illv nQ’ keine Zeichen von Fortschritt sind. In vielen Landgemeinden Baden'z üben manche der Rabbinen, von welchen noch die Hälfte der Orthodoxie sich zuneigen, sehr stören^ en Einfluß auf fortschrittliche Entwicklung aus. D-r alte Ech'endria« läßt den gesunden Geist unserer Zeit gär nicht auskommen. Sowird auch über beständigen Lehrerwechsel geklagt und über die despotische Behandlung, die viele ReliqionSlehrer von Seiten simpler Vorstände zu erdulden haben. Die Behörde sollte gegen solche Anmaßungen energischer austreten I — Von der in genantem Blatte erwähnten Aufbesserung sind die isr. Schulcandidaten. welche Religionslehrer sind, soviel bekannt, gänzlich ausgeschlossen; auch das wolle die zuständige nächste Behörde berücksichtigen, denn die Verhältnisse solcher Religionslehrer find oft sehr kläglich. Die jüngeren College» wenden sich in Folge solcher traurigen Zustände dem Auslande zu, daS oft weit besser zahlt, und so kommt es, daß wir die besten Kräfte verlieren. — Sollten die badischen Lehrer durch einige Conferenzea ihre Verhältnisse nicht besser gestalten können? — S. Von der Diemel. (Zur Seminarftage.) Da» neue