Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 14 (4.4.1867)
- Date
- 1867-04-04
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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55 (tn hat für sie dieselbe Wichtigkeit wie für uns; sie kennen den Einfluß, welchen sie durch diese auf den Orient üben können, und erstreben ihn für ihre Regierungen. Sie regen den Eifer der Israeliten an, fördern die Errichtung von Schulen", führen den Vorsitz bei ihrer Errichtung, und begünstigen die Entwickelung ihrer vollen Kmft. Bon Zeit zu Zeit besuchen sie dieselben, prüfen und ermuntern die Zöglinge. Indem sie die Kinder beschützen, beschützen sie auch gleichzeitig von selbst die Eltern, und erlauben nicht mehr, daß man durch willkürliche und gewaltthätige Handlungen die sich erholenden Gemeinden beunruhiget. Unsere Glaubensgenossen leben rmhig und ihre Schulen gedeihen. ' ' Die Errichtung von Schulen ist eine so große Wohlthat, daß eine solche keiner Gemeinde fehlen sollte. Sie erfordern nicht einmal so beträchtliche Geldsummen. Ein jährlicher Kostenaufwand von zehntausend Francs genügt für die bedeutendste. Wenn wir die Gemeinden unterstützen, haben wir nur ein Dritttheil, bisweilen die Hälfte, selten zwei Drittthcile der Kosten zu tragen. Aber wir sind noch arm und können zunächst nur eine kleine Anzahl von Schulen errichten. In folgenden Ländern und Städten bestehen Schulen: In Marokko haben drei große Städte: Tanger, Tetuan, und Mogador Schulen. Tetuan besitzt zwei Schulen: eine für Knaben und eine für Mädchen. Die Knabenschule, welche von dem Board of Dopudes und der Alliance unterhalten wird, zählt ungefähr 190 Zöglinge. Die Zahl ist größer als die des vorigen Jahres; wir haben sie dadurch erhöht, daß wir auch noch die Bekleidung einer geivisien Zahl armer Kinder übernahmen, denen mangelhafte Bekleidung den. Besuch der Schule unmöglich machte. .Diese Zahl entspricht aber doch noch nicht der großen israelitischen Bevölkerung jener Stadt, wir hoffen daher, daß dieselbe durch den Eifer des Schuldirektors noch wachsen wird. Die Schule ist unter der unmittelbaren Aufficht des englischen ViceConsnls, des .Herrn Green, gestellt, der so freundlich ist, ihr seine ganze Aufmerksamkeit zuzuwcndcn. Er besucht sic oft, prüft die Kinder und berichtet uns über ihre . Fortschritte, welche ihn vollständig befriedigen. Die sx n>nr einige Zeit nach Entfernung der Dirrction geschlossen, ist jetzt aber seit einigen Monaten wieder eröffnet und zählt unter der Bildung einer jungen Lehrerin 80 Schülerinnen. In Tanger hat der Schuldirektor alle Kinder der Gemeinde an sich gezogen. Die Schule ist großartig und zählt bereits nicht^weniger als 480 Zöglinge. Sic wird regelmäßig beaufsichtigt von den Ministern Frankreichs, Englands, Spaniens, Italiens, Schwedens, überhaupt aller europäischen Mächte, und die befriedigenden Fortschritte der Kinder in allen Fächeln eines so verschiedenartigen Unterrichts, daß der Arzt der französischen Gesandtschaft, Hr. Mac«-, in freundlicher Weise sogar auch noch in der Gesundheitslchre unterrichtet, werden von Allen in den an ihre betreffenden Regierungen und an uns gesandten Berichten bestätigt. Sie haben die Leitung der Schule so gut gefunden, daß sie wiederholt dir Aufnahme der christlichen und sogar muselmänischen Kinder beantragt haben. Man machte.mit 30 Kindern der anderen Religionsbekenntnisse den 2{nfan3j unter denen mehrere i /•; arme sind, welche unentgeltlichen Unterricht mit den unsrigen erhalten. Wir haben dem Herrn Minister Frankreich's unsere Genugthuung darüber ausgedrückt, die israelitischen Schulen als den gemeinschaftlichen Boden auserwählt zu sehen, wo Muselmanen, Christen und Israeliten sich brüderlich vereinen, und da das Gute nur Gutes erzeuge, -so werde wie die Schule auch wohl das Krankenhaus den Kranken aller Culte eröffnet -werden. Der Herr Minister Frankreich's theilt uns hierüber Folgendes mit: „Ihren geschätzten Brief in Betreff der Aufnahme eines „Ehristcn-Kindes in die jüdische Schule von Tanger habe ich „erhalten. Sie haben Recht: Meine Forderung an den „Dircctor ruhte auf dem Gedanken, daß unter den verschie- - „denen Religionen kein Unterschied gemacht werden solle, da „solche meiner Auffaffung nach sich mit den Ideen einer anf- „geklärten Bildung nicht vertragen. Um.diesen Weg weiter „zu verfolgen, habe ich auch die Aufnahme eines jlingen Arabers, welcher in meinen Diensten ist, für diese Schule be- „antragt. Dieses Beispiel wird nicht ohne Erfolg sein. Ich „bin so durchdrungen von diesen Grundsätzen, daß ich in dic- „sem Augenblicke mit dem Plane unigehe, in Tanger für alle „Eulte ohne Unterschied ein gemeinsames Hospital zu gründen." Der Zustand der Mädchenschule in Tanger, welche von einer eingeborenen Lehrerin geleitet wird, ist weniger befriedigend. Trotz unserer Unterstützung haben wir die Gemeinde doch nicht bestimmen können, sich von Europa eine gute Lehrerin kommen zll lassen, welche die Schule zu leiten verstehe. Aber wir hoffen: unsere Glaubensgenossen werden einschen, daß eine tüchtige Mädchenschule ihnen ebenso Roth thne, wie eine gute Knabenschule. In Mogadar isi eben eine Knabenschule errichtet worden, — eine der vielen Verbesserungen, deren sich die Stadt durch den französischen Eonsul, Hrn. Gay, zu erfreuen hat. Der gräuliche Zustand des israelitischen Viertels betrübte ihn. Er beschloß Abhilfe zu schassen. Dies war eine schwierig: Aufgabe, zu welcher er viel Geld bedurfte. Durch Unterstützung des israelitischen Vorstands erhielt er eine bedeutende Sammlung Seitens der Gcmeindemitglieder. Es fehtten ihm noch 600E Frcs., um welche er untern Präsidenten anging, der, sich an den Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen wendend, 7200 Frcs. zusammcnorachte. 6000 Frcs. wurden an Hrn. Gay gesandt und 1200 Frcs. der Schukkasse zugewiesey. Diese Sammlung hat eine ausgezeichnete Verwendung gefunden. „Mit diesem Gelde, schrieb Herr Gay, ist Anßerordent- „liches geleistet und Anderes von nicht geringer Wichtigkeit „vorbereitet worden, um die in jeder Beziehung bedaucrns- „wcrthc Lage Ihrer Glaubensgenoffen za verbessern. „Ich habe mich bemüht, ihnen nach Möglichkeit Luft, „Wasser und Licht zu verschaffen, deffen sie gänzlich crman- „gelten. Auch Mollah, welches vor kaum einem Jahre noch „unbemerkbar und unbewohnbar, war, ist nun gänzlich „umgewandelt und ein anderes Quartier geworden. Alle „Häuser find ausgebessert, geweißt! und sanitälsmäßig einge- „richtet, die Straßen gepflastert, Abflüsse, und mehrere Fon- „tainen aufgestellt worden Prachtvolle Synagogen hat man „ausbauen und die alten außen und innen mit frischem Kalk „bewerfen können. Unser Hospital bietet einen zufrieden