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Der israelitische Lehrer · 1867-04-04 · 14 (4.4.1867) · p. Seite 54

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
14 (4.4.1867)
Date
1867-04-04
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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54 anschauung und geistiger Selbstständigkeit überhaupt nichts mehr die Rede sein kann. Wer daher in der Pädagogik eine; übertriebene Gedächtnißcultur beantragt, dem ist von vorneherein zu mißtrauen. — Selbstverständlich kann durch unmäßiges geistiges Arbeiten überhaupt eine geistige Lähmung erzeugt werden. Seit Göthe sind von Zeit gu Zeit Stimmen laut geworden , die uns ermähnen, die Vielwisserei der Menschenkinder, vorzüglich der deutschen Landeskinder zu Gunsten ihrer körperlichen und - seelischen Gesundheit zu beschränken. Ob sie bereits nach Möglichkeit beachtet worden sind, mag dahin gestellt sein. Zu.entscheiden, wie weit man ihnen zu solgen hat, ist nicht leicht,' da heutzutage nothwendiger Weise mehr von einem gebildeten Menschen verlangt werden muß, als anno vlim. — Charakteristisch an dummen Kindern ist cs, das; 'ie häufig an einer Art Lesewuth leiden, gar nicht genug Jagcnderzählungen, Novellen, oder wohl gar Romane durchfliegen können. Bei ihrer Hast haftet kein Crinbracf, wird kein Gedanke verarbeitet, so daß sie nicht im mindesten Rede zu sichen vermögen über das, was sie gelesen haben. Vielmehr gerathen sie in einen geistigen Taumel und in eine innere Verschwommenheit hinein, wodurch die Fähigkeit des scharfen Auftncrkens immer mehr zurückgedrängt und die an sich geringe Energie des Denkens immer mehr reducirt wird. Geistlose, gewinnsüchtige Fabrikanten schlechter Iugendschriften, deren Zahl sundflukharkig anwächst, treiben?in trauriges Geschäft, denn sie wirken nur Verderben, und die Eltern, welche die Lectüre ihrer Kinder nicht genau überwachen, begehen geradezu ein Verbrechen. Tie Wirksamkeit der Erziehung-ist stets eine einseitige; sie muß ergänzt werden durch die Einwirkung des Lebens. Diese Einwirkung ist eine imposante von früh an, hat heute einen fördernden, inorgcn einen io entschieden hemmenden Character, nvmentsich in großen Städten, daß uns ihr Dasein stets recht fühlbar wird. Die Welt schleift ab un.d! macht gerieben, und diese Abgeschliffenhcit und Geriebenheit kann ' auch schon bei Fügend nicht schaden, wenn sie anders auf gutem Wege wandelt. Denn überaus störend und belästigend ist auch die Ungeschliffenheit, konventionelle Dummheit und I Tapsigkeit. Sie klebt nicht selten sonst hochgebildeten Menschen an und bildet in ihrer ganzen Erscheinungsweise einen schrillenden Mißton, der um so unangenehmer berührt, je höher begnadigt ihr Träger von Natur ist. „Je gelehrter, desto verkehrter!" sagt das Volk und meint damit jene äußere Tölpelhaftigkeit, deren sich der wisienschaftlich Gebildete unter allen Umständen schämen und die er um so energischer beseitigen sollte, als trotz aller Gelehrsamkeit seine Erziehung, so lange sie an ihm haftend ist,- als eine unvollendete betrachtet werden muß. Der Mensch kann sein:' innerlich geschliffen und äußerlich geschliffen, innerlich geschliffen nnd äußerlich ungeschliffen, innerlich ungeschl ffen und äußerlich gesä liffen, innerlich ungeschliffen unv äußerlich", ungeschliffen. Natürlich gilt es, den elften Zustand zu erringen. Die Lebenskuust ist auch eine, vielleicht die höchste Kunst. Wer sie gering acht t, trotz ihrer auf der Hand liegenden Wichtigkeit, ist ein Narr; gerade m ihrer Geringschätzung nach einer Seite hin macht sich die Dummheit bemerkbar. — Wir sollen, so sagten wir oben, das Lob der Aufklärung von den Dächern herab verkündigen, denn Profesior Erdmann hat Recht: die Dummheit, welche gleichbedeutend ist mit Mangel an Bildung, ist ein Laster, und es erscheint als Menschenpflicht, der Lasterhaftigkeit überall entgegen zu treten. Wir ha^en so unendlich viel von der Menschheit empfangen; für manche Wahrheit, die wir uns schon in früher Jugend mit Leichtigkeit zu eigen machen, hat mancher geniale Menschensohu geduldet »nd geblutet. Darum soll uns die Dankbarkeit treiben,, je nach dem Maßstrbe unsrer Kraft unfern Tribut auf den Altar der Menschheit niederzulegen: positiv durch Beförderung alles Guten, dem Einzelnen oder der Gesammtheit Dienlichen!, negativ durch Bekämpfung des Unwahren und Schlechten, also auch der Dummheit. Gewisse Wahrheiten sind Eigenthum der Gesammtheit , positives Besitzlhum der Massen, ausgemachte Sachen. Wer sie nicht begreift, gflt für dumm. Wer z. B. heutzutage trotz des-Foucault'schrn Pendelvrn'uchs die Erde noch für einen ruhenden Körper hält, wird dem Vorwürfe der Dummheit schwerlich entgehen, und wenn er zehnmal vr. Schöpffer heißt, «ätze und Meinungen, welche allgemein anerkannten Wahrheiten zum Trotz aus Mangel an Aufklärung festgehalten werden, wirken vcrverblich, und wer sie zu beseittgcn vermag, muß sie beseitigen. Das verlangt die Hummität, verlangt die Wahrheit, die mächtige Beherrscherin alles Lebens und aller Lebendigen, deren Dienst als der schönste, erhebendste Nilterdienst bezeichnet werden muß. Wer der Wahrheit dient, dient Gott, der letzten Quelle aller Wahrheit, wird getrieben van dem wahrhaft heiligen Geiste, der nicht nur in alle Wahrheit leitet, sondern auch mächtig zu ihrer Verwirklichung im Leben antreibt. Wo uns also die Dummheit im Leben entgegen tritt, da haben wir den Fehdehandichuh aufzunehmen, den sie äußerst entschlossen und schnell Hinzuwersen pflegt. Denn sie ist stets der provocirende angreisende Theil, wie ja auch der Dumme ein absprechendes, allzeit kampfbereites, die Klugheit verachtendes und am'eindendeS Wesen zu sein pflegt. In Rußland existirt ein Ministerium für Bolksausklärunr, in Deutschland sollte die gesammte wissenschaftliche Welt solchem Ministerium angehören, und der Lehrer sollte auch sein Plätzchen darin haben, nicht als SupernumerariuS, sondern wo möglich als Geheimrath. Er steht im Vo ke, und er dient dem Volke, und er muß die Brücken schlagen, die aus den Laboratorien der geistig reiten Männer in die Hütten dtzr Unmündigen und der geistig Armen hinübersühren — Wie viele Wunden die Dummheit den armen Menschenkindern geschlagen hat , erzählt die Geschichte aus allen Blättern. Die Wahrheit aber soll uns nach der Verheißung der Bibel alle frei, also auch glücklich machen. W. L. Wochenbericht. Alzey. Alliance israÄlite universelle. (Fortsetzung.) Die Aufgabe der Israeliten ist cs, dem Orient die Aufklärung des Occidents zu eröffnen. Sie (die Juden) haben ihn in den früheren Jahrhunderten erleuchtet. Ein großer Schriftsteller hat gesagt: „Die Araber empfingen von ihnen das Licht und ebenso die Fristen," von ihnen muß also im Oriente daS Licht kominen, und unsere Schulen bereiten sie vor, ihre Länder in die abendländische Bildung einzuführen. Unsere Bemühungen werden von den Repräsentanten aller europäischen Mächte unterstützt. Die Errichtung von Schn-

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