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Der israelitische Lehrer · 1867-04-04 · 14 (4.4.1867) · p. Seite 56

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
14 (4.4.1867)
Date
1867-04-04
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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56 „stellenden Anblick' und leistet täglich Leidenden wirksame „Dienste. Der Antrieb ist, gegeben und der Wetteifer breitet „sich nach allen Setten aus. .Das kleine Mollah wird, hoffe „ich, bald nach dem Vorbilde des großen jumgeformt sein. „Man arbeitet ruhig daran, es gesund einzurichten und läßt „es auch zuletzt an einem Fischteich nicht fehlen, wo zwar „kaltes, aber massenhaftes and sich stets erneuerndes Wasser „btit Einwohnern gestattet, mit einer Sorgfalt die Reinlichkeit zu pflegen, welche ihnen bis jetzt unbekannt geblie- „ben war. „Wir sind auf gutem. Wege, und Sie können sich überzeugt halten, daß in keinem Falle es den armen Israeliten „Mogador's an einem Schutze fehlen wird, da ich für dieselben, eia um so lebhafteres' Interesse fühle, je verlassener sie sind." Mit der guten Menschen eigenthümlichen Bescheidenheit vergißt Herr Gay sich selbst und empfiehlt dem Andenken der Allianee die fünf israelitischen Herren, welche ihm Beistand geleistet haben. Die Namen dieser Herren sind: Affalo, Afferat-el - Gazzen - Bu, Jacob Picto, Isaac Cariat,. Delevante.; Jndeß werden wir des Herrn Gay Nicht vergessen. Wir werden ihm das Andenken eines Wohlthäters für unsere Glaubensgenossen bewahren und steuen uns der Gelegenheit, ihm öffentlich unfern Dank a.bstasten zu können. Die israelitische Bevölkerung Mogadar's hat noch andere Wohlthäter: Dr. Thouvenier, ein französischer Arzt, welcher die Armen mit uneigennütziger Sorgfalt behandelt, und Hr. Beaumier, der französische Consul, dem wir die Einrichlung einer neuen Schule verdanken.' j (Forts, folgt.) Olmütz, 20. März. Eine Eorrespondenz der „N. fr. Pr.* registrirt einen Act des Liberalismus der hiesigen Gemeindevertretung, der im wohllhuendtn Gegensatz zu dem Standpunkte einegesunden christlichen Fanatismus steht, welchen dieser Tage die protestantische „Kreuzzritung* in der Judenemancipaticnsfrage vertrat. Ein hier ansässiger israelitischer Kaufmann bewarb sich um die Aufnahme in den Gemeindeverband, — ein hier noch nicht vorgekcmmener Fall. Eben auS letzterem Grunde gab daS Ansuchen deS erwähnten Israeliten zu einer principieüen Erörterung der ^Judensrage* Anlaß und der Beschluß. welcher, mit 14 gegerr 9 Stimmen gefaßt, dieser Erörterung folgte, siel zu Gunsten deS Petenten aus. In erster Reihe wurde das Princip der Toleranz und der Gleichberechtigung von dem Reierrnten Tr. Kutscha verfechten. Derselbe sagte u. A.: „Das, waS bisher an den Juden geschehen, ist zum Spotte aller Vernünftigen geworden, welchen wir nicht ebenfalls aus uns laden »ollen, eingedenk der Richtigkeit des Ausspruches, daß man an. der Art, wir sich der Ehrrst gegen den Juden benimmt, am deutlichsten erkennt, inwieweit Elfterer wirklich gebildet ist. Tie volle Gleichberechtigung der Juden mit allen übrigen Bestandtheilen der Bevölkerung ist alS erreichbares Ziel der Bewegung beute schon gewiß, nur die Zeit der totalen Durchführung noch unbestimmt. .Gleichwohl sahen wir schon bis zum gegenwärtigen Augenblicke einen Juden als Minister in dem allerchristlichsten Frankreich, Juden im englischen Unterhaus«, in Nordamerika bewegen sich die Juden vollkommen frei und ungehindert, und auch iy Oesterreich ist die Emancipation der Juden bereiteine vollendete Thatsache. (?) Angesichts solcher Facta kann eine freie Gemeinde in Olmütz unmöglich Anstand nehmen, einen in jeder Beziehung unbescholtenen Juden in ihren Versand aufzunehmen, und sie kann eS auch ohne alle Besorgniß thun. Denn der Jude in der bei weitem überwiegenden Mehrzahl hat etwaS Mäßiges, Entschloffenes und einen nüchternen Sinn, der sich stets die Besonnenheit im Handeln erhält, daher gerade bei einem Juden ein mögliche- Zurlastfallen bei weitem weniger zu besogen ist, zumal er auch im Unglück nicht rath- und thatlos bleibt. Wenn.nun auch solch« Naturen manchesmal weniger liebenswürdig erscheinen, so darf ja nicht vergessen werden, daß die härtesten und ungerechtesten Umstände die Natur und den Charakter de- Juden gebildet haben. Von dem Glund» besitze, von den zünftigen Gewerben, von Aemtern und Ehrenstellen bis in die jüngsten Zeiten gänzlich ausgeschlossen, mußten die Juden Leben und Gewinn im Handel suchen. Diese einseitige und beinahe ausschließliche Richtung, welche den Juden sozusagen plan- und styst mmäßig vorgezeichnet wurde, die immerwährende Unsicherheit ihrer Lage, sowie der Umstand, daß ihnen keine andere Geltung vor dcr Welt in Aussicht stand, als die durch Reichthum erreichbare, mußten die Liebe zum Gelde großziehen, Selbstsucht und Habsucht wecken. Das, waS am Juden dermal allenfalls noch abstoßend ist, wurde durch die ungerechtfertigtesten Eingriffe in die heiligsten Rechte desselben herbeigeführt. An uns ist eS nun, jene Fehler gutzumachcn, und hierin wollen wir alS vorurtheilfteie Männer keinen Augenblick säumen. Die Kraft des Juden bewährte sich im Dulden, möge sich die unserige durch edle Verbrüderung erproben. Nur in der harmonischen Verbindung der einzelnen Stände, ohne jede Rücksicht auf die Eonfession, ist die gedeihliche Entwicklung aller Lebensverhäl'.nisse gegeben, die höchste Vollkommenheft erreichbar.* (F. I.) Schweiz. In St. Gallen war den Juden daS Schlachten der Thiere nach jüdischem Ritus (die Schechita) als Thierquälerei verboten worden. Eine neue Art von Judenquäleiei. Ter Rabbiner Dr. Engelbert von Et. Gallen weist nun im „St. Galler Tagblatt* nach, daß das Schächten gerade daS Gegentheil von Thierquälerei sei, und der Rabbiner Dr. Kayserling in Endingen hat die vorzüglichsten Autoritäten im Fache der Thierärzte k. aufgerufen, die dies bezeugen. — In Folge dessen wurde das Verbot wieder zurückgenommen. Anzeigen. D a c a n z. Durch einen Ruf unseres Lehrers Herrn Kuttnarier nach Baltimore, wird unsere Religionslehrer- und Cavtorstelle mit dem 1. März d. I. vacant. Ter fixirte Gehalt beträgt fl. 400, sowie weitere fl. 50 als Wohnungsvergütung Nebengefälle nicht unbedeutend. Reflectirende wollen-ihre Anmeldungen frankirt unter Beilage ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten alsbald machen. Musikalisch gebildete, sowie solche, welche befähigt sind, deutsche religiöse Vorträge zu halten, werden bevorzugt. Seligenstadt b. Franks, a. M. d. 24 Febr. 1867. Für den Vorstand der israelitischen Gemeinde: W. Wacharach. Verantwortlicher Redacteur: I. Klingen stein in Ldernhein, in Rheinhrsten; Selbstverlag der Redaction. Für den Buchhandel: in Kommission bei Lskar Le in er in Leipzig. — T ampf- L chn ellprrsi enrduck von I. Bottsleben in Mainz.

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