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Der israelitische Lehrer · 1867-04-04 · 14 (4.4.1867) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
14 (4.4.1867)
Date
1867-04-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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r Der AsmrlMsclie Jelner Zeitschrift ' für die gesammten Interessen deS israelitischen Lehrerslandes und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-, Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 14. Mainz, den 4. April 1867. (LisdsQler Jahrgang.) Wöchentlich 1 Rümmer. Vierteljährlicher Bbonnementspreis 27 lr. ■= 1/4 Thlr. Bei srankirter Zusendung unter Areuzband jährlich 2 fl. 12 lr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeüe. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Fleöer Dummheit. Eine psychologisch-pädagogische Exkursion. (Fortsetzung und Schluß.) Das gehtschnell, das geht bequem. Das Höhere, Sittlichere, Tüchtigere ist überall das Unbequemere, und das Weltgesetz der Trägheit zieht daher mächtig nach der Seite der alten dogmatischen Unmethode hinüber. Die alte verrufene Schulmeisterei, welche in England und den Vereinigten Staaten so recht ihre Orgien in der Handhabung der Dext-dooKa noch heutzutage feiert, ist, so weit es auf geistige und physische Krastanstrengung ankommt, ein wahres Kinderspiel gegen die durch Pestalozzi gegründete und vornehmlich durch Diesterweg ausgebildete unterrichtliche Praxis, und da der recht Bequeme und Faule nach Göthe sogar dann nicht einmal zubeißcn würde, wenn ihm eine nicht geschickt zerschnittene gebratene Taube ins Maul flöge, so ist's kein Wunder, daß der alte methodische Schlendrian noch Heuer 1866 seine stillen Anbeter findet. — Zu den Begehungssünden ist in erster Linie zu rechnen das Ueberschüttcn der Jungen mit unverdaulichem Lernstoffe. Es geht dein Geiste, wie dem Magen: was verdaulich ist und ihm nicht im Uebermaße gereicht wird, kräftigt ihn und den ganzen Organismus; was aber nicht assimilirt werden kann, sei es, weil es überhaupt nicht als gesundes Nahrungsmittel betrachtet werden kann, oder sei es, weil der S großen Maste die Derdauungskraft nicht gewachsen ist, wächt den Herrscher im physischen Leben und somit dieses Leben überhaupt, wird Ursache von allerlei Krankheitssymptomen, oder hebt wohl gar die Gesundheit geradezu auf. Solche unverdauliche geistige Speise bilden die zur Unzeit an das Kind herantretenden dogmattschcn Begriffe, gegen deren falsche Anwendung als Unterrichtsmittel dieses Journal von jeher gekämpft hat. Einige nicht unerhebliche und darum nicht zu überhörende Sttmmen rechnen auch dahin die zu frühzeitige Erlernung der. altclassischen Sprachen, dieser an sich nicht hoch genug zu schätzenden Bildungsmittel,, und tragen im Interesse der Seelengesundheit und der geistigen Kraftentwicklung aus möglichst langes Hinausschieben des Unterrichts in besagten Sprachen an, während sie für richttg halten, daß der Geist zunächst durch moderne, ihm nähcrliegende und darum leichter assimilirbare Mittel genährt und für den späteren Genuß der schweren'Speise allmählig gekräftigt werde. So viel ist gewiß, - daß der Magen des Neinen. Kindes mit Muttermilch und nicht mit Hummersalat, indianischen Vogelnestern und Straßburger Gänseleberpasteten versorgt werden muß und daß auch später für alle.Altersstufeu nicht dieselben Nahrungsmittel als dienlich zu betrachten sind. „Der Schlüffe! zur Erkenntniß des bewußten Seelenlebens ruht in der Region des Unbcwuhtseins/ sagt Carus; gewiß bietet diese Region des Unbewußtseins auch für die Pädagogik manche Analogie, die nicht zu verachten ist. — Ein vorzügliches Mittel zur Erhaltung der Dummheit Bietet sich dar in .der geistigen Unmäßigkeit. A^h das gesundeste Brod wirkt vergiftend, wenn es im Uebermaße gcnoffen wird. Mäßige Arbeit stärkt, unmäßige schwächt. Just so ist es in geistigen Dingen. Niemand arbeitet mehr der Consusion, dem gefftigen Sicchthüm, der Dummheit in die Arme, als derjenige, welcher seine Schüler mit Begriffen, Gedanken, Wiffensquantitäten dermaßen überschüttet, daß sic nie im Stande sind, das so Aufgenommenc in-geistiges Fleisch und Blut zu verwandeln, d. h. die eindringenden Begriffe aus den vorhandenen'Vorstellungen noch einmal zu erzeugen, sie mit dem bereits im Geiste Vorhandenen in organische Verbindung zu setzen. Ein solcher erziehlicher Barbar kann auf den Prüfungen mit den Seinigcn glänzen, weil die arme! Heerde viel Altes und Neues aus ihrem Schatze hervorzuholen weiß, und dennoch und oft gerade deßwegen der Entwicklung der menschlichen Jnlelligenz und intelligenter Freiheit schnurstracks entgegen gearbeitet haben. Es ist für den' Pädagogen der Neuzeit kein Geheimniß mehr, daß man sich klug lernen und dumm lernen kann, daß es soqar eine dumme Gelehrsamkeit gibt, die sich mit allem Möglichen zn brüsten vermag, nur nicht mit geistiger Schlagserttgkeit, eigenen Gedanken und gesundem Urtheil. Besagtes Recept kennen die bekannten schlauen Brüder auch, welche in den Geist aufzunehmende Wiffensquantitäten bis ins Blaue hinein ausdehnen und dabei die Jugend dermaßen vollpfropfcn mit Borurtheilen und das eigene Denken dermaßen zu lähmen wiffen, daß von der Erringung einer eigenen individuellen Lebens-

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