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Der israelitische Lehrer · 1867-03-28 · 13 (28.3.1867) · p. Seite 51

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
13 (28.3.1867)
Date
1867-03-28
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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J — ' 51 — sagte man uns, sei zum Tode verurtheilt. Wir sind für sie bei der russischen Regierung eingekommen und der Gesandte derselben zu Paris war so freundlich, unS mitzrttheilen, daß nur ein Einziger unter den Angeklagten des Verbrechens der Brandstiftung überführt sei, jedoch nicht mit dem Tode, sondern mit Deportation nach einer Colonie bestraft werden würde, die fünf Andern aber in Freiheit gesetzt seien und endlich der siebente, des falschen Zeugnisses überführt, als Strafe nur seine Vorhaft erlitten-habe. Er war ferner so wohlwollend, sich mit dem Aufträge zu belästigen, die Klage der Wilnaer Juden bei der Regierung zu unterstützen, die über die Ausbreitung einer Gesellschaft sich beunruhigen, welche vom Gouverneur geschützt und von den Journalisten des Landes dazu ermuthigt werde, die Austreibung sämmtlicher Juden ins Werk zu setzen. Die unaufhörliche Anrufung der Gerechtigkeit führt uns langsam zum Triumphe derselben. Bei einem unserer Mitglieder ist der Gedanke aufgetaucht, daß man nach einem andern Heilmittel für die Leiden unserer Glaubensgenossen suchen solle, und er hat den. Vorschlag gemacht, die Juden zur Auswanderung zu veranlassen. Wohin sollen sie sich wenden? Die Israeliten von Chabatz in Serbien wollen nach Palästina auswandern. Aber was sollen sie in einem Lande thun, wo weder Agrikultur noch Industrie ist? Die Bewohner dieses Landes befinden sich in einem trostlosen Elend. Die Eolonisation Palästinas erscheint als das einzige Mittel, dort zu helfen; aber diese bietet große -Schmierigkeiten, welche zu beseitigen sehr ruhmreich sein würde. Deutschland hat ein Verein unter Leitung des Rabbiners von Thorn sich eine solche Aufgabe gestellt. Dieser Verein hat nur ein kleines Kapital und, und in der Voraussetzung, daß es der Alliance ein Leichtes sein würde, dasselbe zu vergrößern, hat man es uns zur Verfügung gestellt Wir haben das Anerbieten mit dem Vorbehalte angenommen, die Zinsen des Kapitals dazu verwenden zu dürfen, die Agricultur in der uns am besten scheinenden Weise zu befördern, bis dahin, wo, durch die Freigebigkeit unserer Glaubensgenossen, dieses Kapital ausreichend sein würde, einen Versuch mit der Eolonisation zu machen. Dieser Zeitpunkt ist vielleicht nahe, ivrnn wir von so entschlossenen und begeisterten Männern unterstützt werden,- wie der Rabbiner von Thorn und einige seiner Glaubensgcnossen sind und von denen sich einer sogar hier unter uns befindet: ein ungarischer Rabbiner, dcn seine Hingebung an unsere palästinensische Brüder ru uns geführt hat. Gegenwärtig ist Amerika der Auswanderung am günstigsten. Dieses große Land mit Länderstrecken von ungeheurer Ausdehnung, mit Agrikultur, Industrie, blühendem Handel, unbeschränkter Freiheit, bietet der Thätigkeit des Menschen unerschöpfliche Hilfsquellen: In Amerika haben so viele Unterdrückte, so viele Unglückliche ihr Heil gefunden. Die großen Gemeinden Amerrka's sind von Israeliten gebildet worden, welche religiöse Unduldsamkeit aus Europa getrieben hatte. Nach Amerika muß man solche Glaubensgenossen weisen, gegen welche sich die eigenen Länder ungastlich zeigen. Die äußerste Armuth ist am häufigsten ein Hinderniß für die Auswanderung. Ten Auswanderern Helsen, ist ein Werk, wie es unsereramerikanischen Glaubensbnider würdig ist. Wir habm cs ihnen vorgeschlagen. Die Auswanderung ist einer der Wege, welche unsere« verfolgten Glaubensgenossen offen stehen, aber nicht der einzige, welchen sie für ihr Heil suchen. Die Meisten leben an dem Boden, auf welchem ne geboren sind: und so groß auch ihr Elend sein mag, wollen sie doch in der Erwartung besserer Tage darauf verweilen Der eigentliche Zweck unsers Strebcns ist daher, die Lage unserer Glaubensgenosien im eigenen Lande zu verbessern, und wenn der Einfluß der Bildung aus die Gesetze und Sitten der Völker zu dieser Verbefierung beitragen kann, so muß man noch mehr von nnseren Glaubensgenossen selbst erwarten. Sie mögen arbeiten, einen ernsten Kampf gegen die Unwissenheit aufnehmen und Unterricht suchen, so werden sie in der Pflege der Wissenschaft, welche dahin gerichtet ist, in ihnen das Gefühl der moralischen Würde zu erwecken, das wirksamste Mittel zu ihrer Befreiung entdecken. Wir besitzen es, uniere Pflicht ist es, jenen es einzuhändigen. Man muß ihnen Lehrer, Schulen, Bücher gehen. Dies geschieht Ucbcrall wo wir im Stande sind, der Summe, welche eine Gemeinde alljährlich zu geben vermag, noch so viel hinzuznfügen, als die Unterhaltung der Schule erfordert, wird eine solche in's Leben gerufen. Wir suchen unter uns zur Leitung der Schule einen Mann, bei welchem Geradheit und Festigkeit des Charakters, Sittenreinheit und Liebe zu seiner Religion und seinen Religionsgenosscn sich mit einer ausreichenden Befähigung zum Unterrichten vereinigen; wir übergeben ihm Bücher. Methode, Instrumente, den ganzen wissenschaftlichen Schulapparat. Er reist ab. Bei seiner Ankunst wird die Schule eröffnet , die Einzelnheiten ihrer Einrichtung werden nach Urbereinkunst zwischen ihm und der Gemeinde, nach von uns fcstgrstellten Grundsätzen, geordnet. Seine Psticht ist es, alle Kinder der Stadt an sich zu ziehen und in der Schule Kinder ohne Unterschied zwischen reich und arm zu vereinigen. Der wohlthätige Einfluß der Schule äußert sich bald. Man begegnet nicht mehr in den Straßen der, Stadt umherirrenden Kindern: sie boben nicht mehr das elende Ausseben, welches Roth und Umherirren ihnen aufdrückteu. Sic sind nickt inchr dem Müßiggang und dem Schmutz des Lasters preisgegcbcn Sie werden durch den Unterricht veredelt, ihr Gesicht erhält dcn vollständigen Glanz seiner natürlichen Schönheit wieder. Sie erlangen das Gefühl ihrer persönlichen Würde, welches sie antreibt, aus dein Elende, wie aus der niedrigsten Knechtschaft-,.'sich zu erbeben. Der Unterricht macht ihnen die Acndcruich ikncr Lage leicht, die Eltern erkennen dies mit Freude, und die Aussicht auf eine glückliche Zukunft ihr^r Kinder richtet auch sic empor. Eöenn siefihre eigene Lago auch nicht mehr zu ändern vermögen, so stacheln sic wenigstens den Eifer ihrer Kinder an und errnuthigen sic;um Fortschritt. - Der llnterricht für alle Armcrr ist in den civilisirtesten Ländern des Dccidents eine noch schwierige Ausgabe. Wenn man nun in einem dieser Länder des Orients, wo die religiöse Verfolgung während mehrerer Fahrhundertc ibre Schulen geschlossen, eine blühende Bildung - vernichtet und ganze Generationen der Unwissenheit prcisgegcbcn hatte, — wenn man da in einigen Fahren eine Schule entstehen, wachsen und gedeihen sieht gleich unseren besten Schulen des Dccidents: so zeugt dies für das Genie unseres Stammes. Unbesiegbar,

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