Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 13 (28.3.1867)
- Date
- 1867-03-28
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4896751-5428720-5431726--1597-4898064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V — 50 nung, keine wohlbewußte Absicht zu Grunde liegt. Wäre Letztere vorhanden, so müßten wir reden von Schlechtigkeit, und wenn solche wirkliche Schlechtigkeit sich wiederholt, haben wir kein Recht, ein Kind in einer Schule zu dulden, die -ti am Ende nur mit Ungebildeten, nicht aber mit Verdorbenen zu thun haben soll, für welche Letzteren ja die Rettungsanstalten für sittlich Verwahrloste errichtet sind. Die ungesetzliche, ärgerliche, oft auch empörende Handlung eines Bu en nennen wir dumm, wenn wir überzeugt sind, daß ihre Wurzel allein in der Unbesonnenheit,; m dem Mangel an Ucberlegung z r suchen ist. In der feurigen Seele mancher kerngesunden Burschen tauchen Motive auf, die ihrem Uebermuth, .ihrer Leidenschaftlichkeit und Heißblütig'eit entquellen. Ungleick den Besonnenen, bleibt ihnm keine-, Zeit zu einem etwaigen, aus der Vernunft auftauchenden Gegenmotive. Der Kampf entgegengesetzter Motive, die Deliberation, worin unsere eigentliche Freiheit —nicht aetu, soudern, potcntia — zu suchen ist, fehlt entweder gänzlich, oder das Motiv der Bernunit ist zu schwach gegen das der Sittlichkeit. Die'en Mange! an Deliberation, diese -Schwäche der Lernuftmotive nennen wir auch Dummheit-. Wer zu solcher Dummheit, aus der eben die Dummheiten hexoorgehen, geneigt ist, soll natürlich nicht dadurch curirt werden, daß man die Kernig? feit seiner Natur anlastet, — je k ästiger eine Natur, um desto wirksamer und verheißender ist sie — sondern dadurch daß man der Vernunft eine Gehülfin beigesellt, bis sic hinreichend gestärkt ist. Und diese Gehülfin die natürlich nicht allzu! rnge im Dienste bleiben darf, ist die Furcht. Ist ein zu Dummheiten geneigtes Kind gutmüthiger Natur, io genügt wohl die wieveihplle Ecin.ie ung an all' das T:übe und Betrübende, was durch feine Unbesonnenheit hervorgeriifen wurde und auch in der Seele des Thäters, eben wegen seiner Gutmüthigkci-, ein Leidwesen erzeugt hat, um das-Kind zu veranlassen,. erst zu-deliberiren und dann erst zu handeln, also besännen, zu sein. Wenn aber d:e Gu'müthigkeit nt zu geringem Grade vorhanden ist, so kann eine Tracht Hiebe, zur rechten Zeit angewandt, Wunderdinge wirken, d. h. die Erinnerung an ihren Genuß kann das nöthige Quantum Furcht' erzeugen und diese die noch zu schwache Verrinnst unterstützen. Auf diese Weise wird erreicht, daß nichts Unverrkünstiges, sondern nur Vernünftiges zu Tage gefördert iverde; die sinnliche Lust kommt Nicht zur Perfection . und erhält also keine stärkende ^Nahrung, die Vernunft aber gelangt allmählig zunfHerr- 'cherthum zur Despotie über den Willen, und die sittliche Freiheit bricht an. Herrscht die-Energielosigkeit und Schwäche in der Erziehung, -so tritt leicht das Gege theil ein, weshalb die Erziehung -zur Freiheit'die Strenge und Corstequenz der Erziehung voraussetzt, flm Jahrbuchs für 1666 habe ich des Weiteren über diesen Punkt geredet. Es kommt jetzt diejenige Art vonDummheit, über die der Hallenser Prof.ssor Erdmann im wiMistchastlichen Vereinein Berlin in seiner bekannten unterhaltenden, eleganten und humoristischen Art sich ausgelassen hat. «.lieber Dummheit Vortrag im wissenschaftlichen Verein, zu B rlin gehalten am 24. März 1666-von L?r. Erdmann, Professor in Halle. Berlin, Verlag von Wilhrlzn Hertz tz Die Erdmann'sche Abhandlung hat, unserer Meinung nach, den Fehler, daß sie eine Art von Dummheit für die ganze Gattung nimmt und die egoistische Aufgeblasenheit und Rücksichtslosigkeit, welche sich sehr wohl mit der größten geistigen Schlagsertigkeit verträgt, auch Dummheit nennt. Die Erdmann'sche „Dummheit" besteht darin, daß die Zahl der Ideen und Gesichtspunkte in einem Individuum gering und der aus ihnen bestehende Gesichtskreis sehr beich änkt ist. In diesem Sinne werden wir alle dumm geboren; solche Dummheit .ha tet anfänglich einem Jeden an und verschwindet durch Unterricht und Erziehung, nicht allem durch die Erziehung, welche die Schule, sondern auch durch diejenige, welche das Leben bietet. Siamat mit der angeborenen Dummheit den Mangel an Ideen unij Gesichtspunkten gemein; aber sie unterscheidet sich dadurch wesentlich von ihr, daß dieser Mangel seine Ursache nicht in/einem beschränkten Denkvermögen, sondern in einer unvä endeten, also unvollkommenen Bildung findet. An Erwc chsenen erscheint diese Dummheit, um mit Erdmann zu rei;u, allerdings als ein Laster, während es Niemand einsal en wird, dem von der Natur geistig Beschränkten eben wcjcii dieser Beschränktheit Vorwürfe zu machen; vielmehr dürfte ein solcher, wenigstens als Kind, überall Mitleid erregen. Zur Heilung derjenigen Dummheit, welche gleichbedeutend ist mit Mangel an wahrer Erziehung, bietet die Schule, bietet auch das Lehen selbst ganz vorzügliche Mittel. Die Schule zumal arbeitet ihr wirksam entgegen durch ihre Melhodenkunst, die ja bekanntlich nichts anderes bezweckt, als durch die Aufnahme der geistigen Nahrungsmittel, sowie durch Ausführung, Anwendung und Uebung die geistigen Vermögen zu kräftigen und zu allem guten und vernünftigen Thun geschickt zu machen. In methodischer Hinsicht können wir Lehrer. durch Untcrlassungs- und Begehungsründen der Dummheit immer neue Opfer .Zufuhren. Wir dürfen in unserer Praxis nur völlig absehen von den großen Errungenschaften der Pädagogik seit Pestalozzi. Aus Unverstand oder aus Trägheit dürfen wir >rur das Princip der Veranschaulichung gering schätzen, nur vorbeten, anstatt wirklich geistig arbeiten zu lasten, nur den Accent legen auf das Kennen und nicht aut das Erkennen, nur überall recht dogmatisch, reckt gcdächtnißmäßig verfahren, und den Schülern die Früchte der menschlichen Erkcnntniß nur überall wie reise Bromberen an den Kopf locrfcn. (Forts, f.) Wocbenbericht. Alzen. Alliance isradlite universelle. (Fortsetzung.) So-liegt die Sache (in Rumänien) vom juridischen Standpunkte. Daß sie diesen nur energisch fesrhalten! Die ösientliche Meinung, die ganze europäische Presse, die Regierungen Frankreich's. England's, Jtalicn's und Oesterreichs stehen ihnen zur Seite. Der regierende Fürst will ebenfalls ihre Emancipation. Er hat sie unserm Präsidenten versprochen, und jetzt, da seine Macht so weit befestigt ist, daß er von einer Coalition solcher Jntriguantrn nichts mehr zu fürchten bat, die auf Erweckung des Fanatismus ausgehen, um die finden zu unterdrücken und sich von deren Eoncurrenz für Handel und Industrie frei zu machen, wird er sein Versprechen erfüllen. Noch mit Bekämpfung dieser Vorurtheile beschäftigt, erhielten wir aus Lilthauen die Nachricht von einer Verurtheitung, welche sieben unglückliche, - fälschlich der Brandstiftung angrklagte Israeliten zugleich getrosten hat. Einer von ihnm,