Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 13 (28.3.1867)
- Date
- 1867-03-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der KrsrlMcke Iekrer. Zeitschrift für die gesammlen Interessen des israelitischen Lehrerstandes and zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittivm und -Waism in Deutschland. J\§ 13. Mainz, den 28. März 1867. (Siebenter Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnement-preis 27 kr. 1/4 Lhlr. Bei lrantirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 lr. Anzeigen zu I Sgr. di« Petitzeüe. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Mit dieser Nummer schließt das erste Quartal des „Israelitischen Lehrer und' bitten wir um ungesäumte Erneuerung des Abonnements. -- -J-'-!--- Keöer Eine psychologisch-pädagogische Excursion. (Fortsetzung.) Einzelne Dumm« erregen allerdings das fortwährende Mitleidev deS barmherzigen Lehrer». Und da» sind diejenigen , welche durchaus etwas geistig Bedeutendes werden sollen, weil ihre Ellern von Stande und mit „Moses und den. Propheten* reichlich begabt sind, — die daher in allem Möglichen unterrichtet werden, obgleich sie die Mutter Natur zu Arbeiten vom niedrigsten Kaliber auserlesen hat. Man bedauert, daß es ihnen nicht gestattet ist, nur das Allernothdürstigste zu lernen, und der arme Kops tagtäglich mit Dingen gequält werden muß, die absolut nicht in denselben hinein wollen. Die armen Burschen sollen wohl gar mit klugen Kameraden Schritt halten, und wenn sie es nicht können, haben sie allerlei Strafen und Pein zu erleiden, werden faul genannt, obgleich sie doch nur dumm sind, genießen daher ein jammervolles Dasein und wißen schließlich nicht, was sie von sich selber denken sollen, ein Ungemach, das ihnen freilich nicht blos in Betreff des Ich, sondern auch des Nichtich tagtäglich begegnet. Sind sie in einer Schule reichlich vertreten, so ist das für diese Schule ein Unglück. Die Mühe, welche sie allen Lehrern machen, ist grob, der Erfolg gering, und schließlich werden die Lehrer eben wegen dieses geringen Erfolges -noch häufig der Unfähigkeit oder Ungewissenhaftigkeit b züchtigt. Der kluge Schüler macht Freude und bringt Ehre; die Dummen tragen vielfach das Gegentheil ein. Sie zu, retten aus ihrer schlimmen und bedauernswerthen Po'itson, ist fast unmöglich, da die Schule sich nicht völlig Einzelnen opfern und die Fähigen im Jnteresie der Schwachen vernachlässigen darf, und da die Eltern ihre lieben Kleinen fast durch die Bank für genial zu halten pflegen, wie sich selber, so daß keine Möglichkeit vorhanden ist, ihnen den Staar zu stechen. Für jede aufrichtige Peußerung der Art pflegt der Erzieher in der Regel nur Haß und Verachtung einzuernten; ja da» Leiden, welches Mutter Natur heraufbeschworen hat, soll nicht selten nothwendige Folge seiner Begehungs- oder Unterlassungssünden sein. An dieser nicht eben angenehmen Lage der Dinge wird auch der an sich vernünftige Vorschlag scheitern, auffallend unbefähigte Kinder in eigenen Anstalten und in eigener Weise zu unterrichten. Freilich würde die Grenze zwischen denen, die in diese neu zu errichtenden Anstalten, und denen, welche anderweitig zu unterrichten wären, stets und unter allen Umständen schwer ziehen sein. - Erscheint an der einen Seite in der Schule der Dumme häufig saul, so läßt sich auch nicht leugnen, daß an der andern Seite der Faule häufig dumm erscheint. Durch Ungeregeltheit der frühesten Erziehung, Mangel an consequenter Leitung, Uebermaß der an das Kind heranlretenden spannenden und reizenden Einflüsse, systematische Ausbildung der Vergnügungssucht in späteren Jahren läßt sich auch der an sich begabteste Mensch dermaßen zerstreuen und veroberflächlichen, daß die Ungesammeltheit der Kinder in den Lehrstunden, die Flüchtigkeit, Unsolidität, Fehlerhastigi keit und Verworrenheit der Arbeiten zu Trugschlüssen Ver- ' anlassung giebt und der also Verwirrte und Zerfahrene dem Chor der Dummen beigesellt wird. Solchen Kindern kann man nur dadurch helfen, daß man sie unfähigen Hän- 1 den entzieht und sie in Verhältnisse bringt, welche eine glückliche Cur und eine bessere Erziehung ermöglichen. Ziehen wir aus den Harnisch der Geduld, hängen wir; um das Schwert der Gerechtigkeit und betreten wir ein! anderes Gebiet — das der Dummheiten, mit denen die! undisciplinirte Schule viel, die wohldisciplinirte wenig, wenn! aber, immerhin doch auch zu kämpfen hat. — Wer kennt sie nicht die zahlreichen Dummheiten, welche von übermüthigen und leichtfertigen Jungen ausgehen? Wir nennen die Streiche jener Patronen Dummheiten, wenn keine Berech-