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Der israelitische Lehrer · 1867-03-21 · 12 (21.3.1867) · p. Seite 46

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
12 (21.3.1867)
Date
1867-03-21
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 wahrnrhmen, wie wichtig das durch Pestalozzi in die Welt gekommene Princip der Anschaulichkeit deS Unterrichts ist. Der Segen, dm es über die Menschheit verbreitet, erstreckt sich auch auf den Dummen; denn auch er lernt endlich handlich sehen, bemerken »und beobachten. Man kann ihm auf anschaulichem Wege die Augen öffnen,'wenn auch die Fülle deS Lichts, das in diese Augen' dringt, immer eine verhältnißmäßig beschränkte bleibt. Pestalozzi hat sich also auch aus dem Munde der Dummen, ja selbst der Blödsinnigen — welche freilich nicht mehr als vollendete Menschen zu betrachten sind — ein Lob bereitet. Ganz io schwerfällig , wie km Sehen, ist auch der Dumme im Sondern und Unterscheiden Und endlich im Zusammenfafsen des Wesentlichen. Sieht er cüdlick die Bäume, so wird eS ihm ''chwrr, die Eiche von der Buch», die Tanne von der Fichte zu unterscheiden, undunterscheidet er endlich, so^geht ibm der Wald verloren. Wie es ihm Mühe macht, im Ganzen das Einzelne, im Allgemeinen das Besondere zu entdecken, so kämpft er wiederum mit großen Hindernissen, wenn es darauf ankommt, das Allgemeine im Einzelnen - wahrzunehmen. Daher bleibt er arm an Begriffen; daher kommt auch die Ariputh im Urtheilen und Schließen, die Unfähigkeit und Unbeholfenheit in der mündlichen und schriftlichen Darstellung- Der beste- Unterricht kann diese'Armuth Nicht in Reichthum verwandeln; aber er kann sie doch wesentlich reduciren. Und da nun der Mensch sich nicht allein dadurch entwickelt, daß er Acußerliches innerlich macht, d. h. lernt, sondern auch dadurch, daß er Innerliches ' äußerlich macht, d. h. scbafft, so muß der Accent bei dem Dummen auf da§ Ueben gelegt werden. Das Wenige, welches er geistig erworben, muß er fleißig anwenden, und Vieles, waS im Bereiche des Könnens über sein Bewußtsein hinauSgeht, waS aber die ihm zugedachte Lebensstellung gebieterisch erheischt., muß bei ihm mechanisch eingeübt werden, während dem Klügeren überall durch die Einsicht beizukommen ist. So kann er zwar kein Mensch wÄben, der „stets im innern H-rzen spüret, was er erschafft mit seiner Hand," aber ein Rputinier. eine tüchtige Arbeitskraft, die in den von Klügeren genau rorgeschriebenen Bahnen Vortreffliches zu leisten.versteht, kann sich im Leben die äußerliche Ab-eschliffenheit erwerben und in den Krei- — sen oberstächlich gebildeter Leute wohl gar als ein Stern erster Größe glänzen. Er kann fließend — nur nicht mit , Seele — lesen, mechanisch fertig rechnen und in fremden '' Sprachen den hochgebildetsten Kellner übertreten, kann Frachtbriefe und einförmig stilisirte Handlungsb riefe schreiben, vortrefflich aüdiren und subt-ahiren und die Bücher führen, daß es eine Lust ist, ste anzusehen. (Fortsetzung folgt.) Wochenbericht. Alzey. Alliance israilite "universelle. (Fortsetzung.) Diese guten Entschließungen der tunesischen Regierung müssen aber durch energische- Beschwerden über etwaige Macht- Überschreitungen aufrecht erhalten werden, denn aus Akten der Grausamkeit macken sich die Beamten einer solchen Regierung noch gär zu oft kein Gewissen. In Tcrid zum Beispiel war ein Greis ungerechter Weise "deS Diebstahls angeklagt und auf Befehl des Kaid < Richters) gefänglich eingezogen worden. Man zerfleischte seinen L^ibmit Geißelhieben, man band ihn, noch ganz blutig, wie er war, auf ein Pferd und entführte ihn an einen Ort. wo seine Familie ihn nicht würde wieder auffindcn können. In Tunis wird ein zwölfjähriges Kind auf Befehl deS Oberrichtc-S der Geißclstrafe unterworfen, weil eS sich über die Gewaltthäligkeit und Habsucht eines arabischen Kaufmanns beklagt hatte. Das Localcomite der Alliance schritt ein: Der Greis wurde seiner Familie zurückgegeben, aber der Kaid blieb unbestraft. Das Kind hat Entschädigung erhalten. Tunesische Israeliten, welche in Folge tlnar Niederlassung in Algerien unter französischem LchtM standen, wurden unter Androhung der Folter gezwungen, zu bestätigen, daß sie tunesische Eingeborene seien. Die Beschwerden der Alliance bei der französischen und englischen Regierung und die Veröffentlichung 'der Klagen unsrer Glaubensgenossen haben die Regierung von Tunis gegen die Alliance aufgebracht. Dieselbe bat die Errichtung eines Local-Comite's untersagt, aus Furcht, wir möchten die Israeliten dadurch der heimischen Gerichtsbarkeit entziehen. Dies ist indcß irrig. Die Alliance ist vollständig aller Politik fern und achtet alle Regierungen, sie bittet diese nur um Sicherheit und Gcrcchttgkcit für unsere Glaubensgenossen. Sie beglückwünschte vor einigen Jahren den Bei), als er eine freie Verfassung für alle Bewohner seines Reiches ohne Unterschied der Religion veröffentlichte. Sie bittet nur um Achtung vor dieser Versa sung. Diese Erklärungen, welche wir dem Vertreter deS Ben in Paris, dem Herrn einem Briefe an den Bey versprach uns, bei Ueberesifche Regierung, unfern von Lesfeps, gaben, haben wir in selbst wiederholt. Hr. v. Lcffeps fendung des Briefes an die tui Antrag zu befürworten, und wir hoffen, daß man unsere Brüder von jeder weitern Belästigung befreien und ruhig an der Verbesserung ihrer Lage fortarbeiten lassen wird. Wenn wir nun vom Orient zum Occident übergehen, sollte man glauben, daß sich die Lage ändern und keine Regierung mehr antreffcn würde, welche zu schwach ist, wenn nicht die Rechte, doch wenigstens das Leben der Menschen zu sichern. Leider ist dem nicht so; und zwar in einem Lande, welches, der Türkei benachbart, .sich für viel civilisirter hält, als diese: die Moldau-Walachei nämlich*). Wir haben dort dea Fanatismus sich soheftig entfesseln sehen, wie in den Ländern der tiefsten Barbarei, und unsre Glaubensgenossen sind der Art verfolgt und geängstigt worden, daß sie für ihr Leben zittern mußten. Und dies geschah wenige Tage nach einer Revolution, welche ihnen alle bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte zusicherte. Welche neue Täuschung nach so vielm früheren! Die Revolution von 1848 hatte für sie die vollständige Emancipation bewirkt. Später halten sie dieselbe wieder verloren. Die Uebereinkunft der europäischen Mächte vom Jahre 1858 hatte ihnen die bürgerlichen Rechte zugesichert und es der ' Gesetzgebung des Landes anheimgegeben, ihnen auch die staatsbürgerlichen Rechte zu bewilligen. Sie war unter der Regierung des-Fürsten Couza ein todter Brief geblieben, denn auch die bürgerlichen Rechte wurden ihnen verweigert. *)- Man vergleich« nachfolgende Corresponden;. Red.

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