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Der israelitische Lehrer · 1867-02-28 · 9 (28.2.1867) · p. Seite 34

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
9 (28.2.1867)
Date
1867-02-28
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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3 weniger Dogmen und Glaubenssätze, wie bei anderen Con- I fessionen, die man unS ausbürdet und die die edelsten Veri mögen unserer Seele zu tödten geeignet wären; aber es ist der „heilige" Stoff in- Hülle und Fülle, der sich in man- . che» Schulen breit macht; eine traurige Unsitte, der zuweij len gezwungen, zuweilen in serviler Hinneigung auch Lehrer > an gewöhnlichen Volksschulen nachzuahmcn sich bestreben, , Da werden tobte Stoffe aufgespeichert — und ihr Lehren i| soll ewiges Leben entzünden! Aber die Wahrheit liegt in! der Erkenntniß und - Religion kann nicht gelehrt werden, wo der Geist eingehüllt wird durch.eine Maffe unverstandener! Formen und Formeln, njn? rvxvi nrx — Die Erkennti niß ist die Sonne deS. Lebens, die Wahrheit des Juden-! thums ist eine hellleuchtende. .Sie hängt nicht in Buchsta-! den. „Ein körperlich verstümmelter Mensch macht einen Mitleid erregenden, Trauer erweckenden Eindruck, ein gei- ' stiz verstümmelter nicht minder. Was wäre die Welt ohneffas > Licht. waS die Menschheit ohne die nie rastende, stets rücksichts-! los vorwärtsgehende, sich verbreiternde nnd vertiefende Erkenntniß I Selbst der Dualismus im menschlichen Geiste, der im glücklichen Falle bei jener Autoritätsdressur hervortritt, gewährt ein klägliches Bild. Hier hält die an sich kräftige Intelligenz alle die Einsichten nnd Gedanken fest, welche ihr Wissenschaft und Leben zugeführt haben; do t werden durch Furcht und Gewohnheit eine Menge Sätze festgehalten, die in gar keiner Verbindung' mit dem sonstigen Eigenthum , stehen. Kein Widerspruch wird aufgehoben, kein Gegensatz i geachtet, keine Brücke führt von hüben nach drüben. In ■ der phy sichen Natur „webt sich alles zum Ganzen;" 'im \ Geiste soll's eben so seiü. Der ganz entwickelte, nach allen Seiten hin geförderte, relativ vollendete Mensch kann allein nur Gegenstand des Wohlgefallens seines Schöpfers sein; er ist auch der Vorwurf aller zeitgemäßen Erziehung"*). Wer denkt bei diesen-Sätzen' nicht an genüge Bestrebungen innerhalb des Judenthums, die auch auf die Schule ihr trübes Licht werfen? Es ist nicht genug, nach einer Richtung den allgemein bildenden Lehrstoff der neuen Zeit, dessen fleißige Benützung das Leben gebieterisch fordert, in die jüdische Schule hinüber zu tragen und als fremdes Reis in den Lebensbaum der Erkenntniß einzupfropfen. Das ganze Streben und Leben, Sein und Wollen das Psyche muß einheitlich sein und „der Gedanke muß die Thal beherrschen." Doch wir verirren uns auf das Kampfgebiet dek Gegenwart. Es ist Zeit, daß wir einlenken, und in einem schließlichen Artikel zeigen, wie der Untelricht formal bildend zu wirken im Stande ist. (Schluß folgt.) Bücherschau. Lehrbuch der israelitischen Religion von Moses Mannheimer, isr. Religionslehrer,-früher Rabbinatsverwefer in Darmstadt (Verlag des Verfassers) Darmstadt 1866. In der I. I. Zifsel'fchen Buchdruckerei. „Das Bedürfniß nach einem den Anforderungen der jetzigen Pädagogik entsprechenden Lehrbuche der isr. Religion habe ich seit vielen Jahren bei meinem Wirken in der hiesigen iSr. Religionsschule tief empfunden." So beginnt 'i Dt. Wichard Lan-ge: die Erkenntniß als Erüehungsiactor. der geschätzte Herr Verfasser seine Vorrede. Wir gestehen, vaß wir in der Bedürfnißfrage mit demselben nicht ganz einverstanden sind. An guten, ja sogar an vorzüglichen Religionsbüchern ist durchaus kein Mangel. Da ist für die Volksschule Löwenheim's nvx njiDN; für höher Strebende Steins Toraumizwa; für noch mehr wissenschaftlicher Gebildete Aub's Grundlage der isr. Religion; lauter Schriften', deren vorzüglicher Werth unbestreitbar und anerkannt ist; und damit wollen wir noch den vielen anderen Schriften, die uns im Augenblick nicht vorliegen, von Herxheimer und Schwarz bis zu Holdheim, Jacobsohn und Philippson durchaus nicht zu nahe-treten. Also — an Auswahl fehlt es nicht. Ob diese Schriften den „pädagogischen Ansprüchen" entsprechen? Das ist eine andere, sehr delikate Frage, auf die die Antwort eben auch nur relativ sein kann. Die Pädagogik hat unseres Wissens bisher noch nicht klar über alle einschlägige Fragen gesprochen und es dürfte sehr schwierig sein, eine in jeder Beziehung. in Form und Wesen correkte Antwort auf die Frage zu geben: „Wie muß ein israelitisches ReilgionSbuch nach den gegenwärtigen Forderungen der Pädagogik sein?" So viel die Pädagogik sich auch schon über die Art und Weise des Religionsunterrichts ausgesprochen hat, zu einem endgültigen Abschlüsse über das Religionslehrbuch ist sie noch nicht gekommen. Es gibt sogar Lehrer, die weder in religiöser, noch in pädagogischer Hinsicht zu den Ketzern gezählt werden mögen und die dennoch ganz und gar kein Religionsbuch verlangen. Man mag im Einzelnen über die Methodik, über Lehrform und Lehrton im Reinen sein. Allein gerade insbesondere beim Religionsunterrichte sind Inhalt und Form zu enge verknüpft, als daß nicht die verschiedenen divergirenden Ansichten in Bezug auf den Inhalt auch auf die Form influiren sollten. Darum sind wir von der Herausgabe neuer Religionsbücher nie besonders erbaut. Noch sind die Akten nicht endgültig geschlossen. Wenn wir uns nicht täuschen, wird das auch nicht eher geschehen, als bis rvro kommt. Wird die Erscheinung desselben durch neue Religionsbücher befördert? Hat die Religion, haben religiöse Erkenntniß und fromme Uebung, Tugend und Sittlichkeit durch die Masse der Religionsbücher gewonnen? Wer zeigt den angehenden Lehrer den rechten Weg in dem Gewirre von Büchern, die man ihm anpreist? Doch stehen wir nicht an, das vorliegende Buch als ein sehr gelungenes zu erklären. Es ist das Erzeugniß langjähriger, praktischer Erfahrung, gereifter Erkenntniß. In gehobener edler Sprache treten die Wahrheiten der Religion dem Kinde nahe und erfüllen seinen Geist und sein Herz In einer großen Auswahl von Bibelsprüchen, die zumeist den Propheten und Hagiographen entnomnren find, denen aber auch solche aus den Apokryphen beigefügt sind, findet das Kind einen Schatz für's Leben. Streitsachen hat der Herr Verfasser geschickt aus dem Wege zu gehen verstanden und eignet sich darum das Buch für Schulen aller religiösen Richtungen — insofern überhaupt es für Recht gelten Mag, wenn die Schule eine Parteirichtung einnimmt, was Nach dem vorliegenden Werke der Verfasser, der übrigens dßr Rewrmrichtung angehört, zu verneinen scheint. Wir wünschen demselben zahlreiche Abnehmer.

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