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Der israelitische Lehrer · 1867-02-28 · 9 (28.2.1867) · p. Seite 35

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
9 (28.2.1867)
Date
1867-02-28
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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- 35 — Wochenbericht. Odernheim. Die „Hess. Morgenzeitung" berichtet, daß der preußische Cultusminister v. Mühler erklärt hat, kein Bedenken gegen die Abhaltung der allgemeinen' deutschenLehrervcrsammlung in Hildesheim zu haben und daß er davon bereitdaS königl. Gouvernement in Hannover zur weiteren Förderung der Angelegenheit in Kenntniß gesetzt habe. Sonach wird die deutsche Lehrerversammlung zum ersten Male in Preußen tagen. I» Folge dessen hat der Vorsitzende de- Ausschusses, Herrn Dr. Moriz Schulze in Ohrdruf bekannt gemacht, daß diese Versammlung vom 11. bis 13. Juni d. I. in Hilde»heim stattsinden wird. Alzey, 17. Febr. Wir beeilen uns, vom Eintreffen de» neuesten Bulletin der „Alliance Jsra-llite Universelle" Mittheilung und auf den reichen und interessanten Inhalt desselben vorläufig aufmerksam zu machen. Wir werden weitläufige Auszüge bringen, nicht blos wegen der Ausführlichkeit des Originals, sondern weil wir den Interessen der „Alliance" auch unter unS in Deutschland dienen und ihr eine zahlreiche Anhängerschaft verschaffen möchten. Die A. bietet gleichsam ein Band, welches sich um die Judenheit der ganzen Welt schlingt. Es eristirt für unS nirgend» eine Vertretung von solcher Allgemeinheit und Ausdehnung. Sie ist in Wahrheit „universelle" geworden, wie sie cs zu werden von Alnfanst an bestrebt war. Sie hat ihre Mitglieder u,d Zweig-Comttö's auf der ganzen Erde. Nur uns Deutschen fehlt sogar eine Spezial-Vereinigung und Vertretung, wie sie das englische Israel doch wenigstens in seinem Uoard of deputiea hat. Aber hätten wir sie, immer „schließ an ein Ganzedich an" (nasn p ensn bx) Wir wollen die solidarische Bürgschaft unter Israel nicht untergehen lassen, wo sie unS zum Vortheil gereicht, denn sie wird von unseren Feinden ja doch auch für unS zum 'Nachtheil aufrecht erhalten Als Israel, — in religiöser Beziehung — wollen wir unsere Einheit und Zusaminengebörigkeit bewahren. In Deutschland ist leider, der Parucularismu» so stark, daß man sich kaum noch für die nächste Nachbarzemeinde interessirt. Darum wird cs so schwer, daß Werke von öffentlichem gemeinsamem Jn'eresse^ hier Bosen gewinnen. Jede Gemeinde sorgt für sich und kümmert sich zu wenig um das Gesammtmteresse Israels. Dieses findet eben in der „Alliance" seine Vertretung. Wo nur Einzelne oder Gemeind.n unter dem Israel der ganzen Welt um ihrer religiösen Sonderheit willen, sei es durch die Regierungen oder Privaten in politischer oder socialer Beziehung Druck, Verfolgung und Schaben erleiden, nimmt sich die „Alliance" ihrer mit Energie und meistens auch mit Erfolg an. Das französische Gouvernement und durch dessen Vermittelung auch andere Regierungen sind den Bestrebungen der „Alliance" stets bereitwilligst und hilfreich entgegengekommen. Diese sind bereits gewohnt, in der „Alliaiice" die Stimme von ganz Israel zu vernehmen. Aber nicht bloS die politischen und socialen Interessen Israels werden geschützt, wo sie um der Religion willen gefährdet erscheinen, auch die geistigen und religiösen Interessen alS solche fördert die „Alliance" durch Anlegung und Unterhaltung von Schulen, — nach dem Grundsätze: „Bildung macht frei." Für die cultuellen Interessen Israels hat die A. bisher direkt nicht gewirkt, wie sie für die Gründung von Schulen sich bisher auch nur den fernen Orient als Wirkungskreis ausgewählt hat. Für Synagoge und Schule ist indeß auch noch in nächster Nähe zu wirken, ohne damit sagen zu wollen, daß da eine kräftige Wirksamkeit für die politische und sociale Gleichstellung Israel» überflüssig wäre. Man erkennt daran, Deutschland könnte für sich selbst auch nock von dem Anschlüsse an der „Alliance" prositiren. Sollten Modifikationen in der Wirksamkeit der A. wünschenswerth ersckein.n so läßt sich für dieselben innerhalb der „Alliance" eher wirken, al» wenn man draußen Ziehen bleibt. Wir kommen auf diesen Gegenstand zurück. Dr. Rothschild. Bühl (Großh. Baden), IS. Febr. Am Sonntag, den 10. d. M., fand hier eine Feier statt, die ihrer Seltenheit halber die Aufmerksamkeit und Theilnahme eine» großen Theils der hiesigen Einwohnerschaft in Anspruch nahm. — Die diamantene Hochzeit des greisen Ehepaares Kaufmann Schweizer von hier wurde festlich begangen und obgleich der iSrael. EultuS eine solche Feier nicht kennt, so glaubte man doch den Verbältnissen der Zeit ein Recht anthun zu müssen, und wurde daher diese Feier in geeigneter Weise in ein gottesdienstliches und religiöses Gewand gekleidet. Das greise Jubelpaar wurde von dem Bezirksältesten in geschmücktem Wagen abgeholt und zur Synagoge geleitet. Dort angelanzt, wurde ein Dankgottesdienst in Gegenwart der Vertreter des Bezirksamtes, der Bürgerschaft. vieler 'Notabeln der hiesigen Stadt, sowie einer dichten Menschenmenge abgehalten, der gewiß auch alle Theilnehmer mit Dank und Rührung erfüllte. Nachdem vom hies. Syn.-Chor zur Einleitung des Gottesdienstes einige Synrgogal-Gesänge vorgetragen waren, wurde von dem Bezirks-Rabbiner eine recht würdevolle und inhaltsreiche Ansprache an das Jubelpaar und die zahlreiche Versammlung gehalten. S. St. p. der Großherzoz ließ dem Jubelpaare, mit einem Kabinetsschreiden begleitet, durch käs Großh Bezirks-Amt ein Gnadengeschenk von 8 Dukaten zustellen. Der hies. Syn.-Rath ließ ihm eine silberne Dose auf eigene Kosten anfertigen und beide Geschenke wurden dem greisen Jubelpaare mit entsprechender Ansprache durch den Herrn Bezirks-Rabbiner in der Synagoge überreicht. Nach Beendigung deS Gottesdienstes fand ein Fesimahl unter großer Betheiligungim Hause des Jubelpaares statt, woselbst die vielseitig zugebrachten Geschenke die Freude und Theilnahme Seitens der hiesigen irr. Einwohnerschaft zur Genüge bewiesen. Es wurden viele Toasie uns in erster Reihe auf unfern allverehrten Großherzoz ausgebracht, welcher in so edler Weise auch hier bewiesen, daß er ein Vater aller seiner Landeskinder ohne Unterschied deS Standes und Bekenntnisses ist. Diese schöne Feier, welche durch ein, von einem hiesigen Männerquartett, gebrachte- Ständchen und Ball beschloffen wurde, wird noch lange in froher und freundlicher Erinnerung bleiben. ~ T...b. Preßburg, 12. Febr. Sechsunddreißig Verdummings- Anstalten für eine Bevölkerung von 420,i>B Köpfen sind gewiß nicht zu viel, wenn sie rasch und mit Erfolg wirken sollen, und um so weniger, wenn es sich darum bandelt, in der heranzubildenden Jugend eine mächtige Partei zu gewinnen, die sich zu» Gegendruck gegen die Bestrebungen des Volkes gebrauchen läßt — und dennoch herrscht unter der jüdischen Bevölkerung Ungarns große Aufregung darüber, daß den Fyrtschrcktsmanncrn die Errichtung eines Rabbinerseminars zur Heranbildung von Rabbinern, welche durch Wissen und klare Auffassung ihrer Aufgabe den Anforderungen der Zeit entsprechen, nicht gestatt:t und den Organen jüdischer Jntereffen bei Straft der Sistirung untersagt wurde, noch ferner in dieser bereits, als erledigt zu betrachtenden Angelegenheit ein Wort zu erwähn-n, wäbrend für die ortbodoren Juden sechSundrcißia Rabbinerschulcn errichtet wurden, deren Zöglingen der Besuch einer deutschen oder ungarischen Schule ausdrücklich verboten und nicht einmal das .Selbststudium der deutschen oder ungarischen Sprache aeuattct ist. Ich citire kein Docum-nt aus dem Mittelalter. Da? k. Jntimat der ungarischen Hofkanzlei ist datirt aus dem I. 1""». Würde eS sich um eine bloß confessionelle Angelegenbeit handeln, ' wir würden kein Wort darüber verlieren, aber der Umstand,

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