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Der israelitische Lehrer · 1867-02-28 · 9 (28.2.1867) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
9 (28.2.1867)
Date
1867-02-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 I Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen LehrerstandeS und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittivcn und -Waisen in Deutschland. M ». Mainz, den 28. Februar 1867. (Siebenter Jahrgang.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnemmtspreis 27 kr. ---- 1,4 Thlr. Bei franlirter Zusmdung unter Kreuzband jährlich 2 fl. IS kr. Anzeigen zu 1 Cgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Was verstehen wir unter fornialer Bildung durch den Unterricht? (Fortsetzung.) Man wird aus dem, waS wir in unserm Vorigen gesagt haben, entnehmen können, was von den Lehrern zu halten ist, die den Werth des Unterrichts in masienhafter Anhäufung tobten unbrauchbaren Lernstoffes zu erkennen streben oder doch zu streben vorgeben; was bei dem Auswendiglernen , beim Einpfropfen unverstandener Sätze und unverdaulicher Schriften (so z. B. beim Talmud, Raschi und asketischen Schriften in den Elementarschuljahren) herauskommt. Ein solcher Unterricht, der den Geist nicht aufklärt, den Willen nicht kräftigt, das Gemüth nicht bildet, also mit einem Worte für die Lebensbestimmung des Menschen werthlos ist, ist an und für sich weniger als Null, ist verwerflich. Mit der Forderung , der Unterricht bezwecke die'formale Bildung hängt auf's G-naueste die andere zusammen, daß man bei allem Unterrichte die Fasiungs'gabe des Schülers berücksichtigen muffe! Es wird in vielen Schulen heutzutage (noch — oder wieder? Wir müffen gestehen: , wir sind mit unseren Beobachtungen hierüber noch nicht im Reinen) so vieles gelehrt und unterrichtet, was als verfrüht, zwecklos und da alles Zwecklose in der Schule schädlich ist, als der Aufgabe der ^Schule entgegengesetzt betrachtet werden kann. Insbesondere hat man im Religionsunterricht« so viel Material angehäuft, ohne zu fragen, ob das Kind, auch das Gesagte zu verstehen im Stande ist, ob es der Fassungsgabe des Schülers jetzt schon angemessen ist, und ob das Kind die richtigen Begriffe damit verbindet. Nun giebt es nach unserer Ansicht — die wir in dem bereits Mitgetheilten zuiw Oefteren nachdrücklichst betonten — nichts Verwerflicheres als dies. Und doch gibt cs viele,Schulmänner., oder auch solche, die ^was hineinzusprechen haben, die dieser Bepackung mit todtem Gedächtnißstoff das Wort reden, von der Ansicht ausgehend, das Kind werde in späteren Jahren — dem tobten Material schon zur rechten Zeit warmes Leben einhauchen, und dasselbe aus dem Gedächtnißschrank hervorzuholen wissen. Solches Bepacken mit unverdaulichen Stoffen bringt aber nicht allein für den 'angezogenen Gegenstand keinen Nutzen, sondern stört auch im Allgemeinen die Funktionen des Geistes , wie unverdapMe Stoffe im Magen denselben bei der Ausübung seiner Funktionen auch bei den verdaulichen stören. Die üblen Folgen eines solchen sinnwidrigen Benehmens sind unberechenbar. Nur was der Schüler ganz und alsbald zu fassen vermag, was er beobachten, und worüber er sich klar' aussprechen kann, daS ist sein geistig freies Eigenthum. Er muß alsbald damit schalten und walten können nach Belieben. Dadurch erlangt er die freie Benützung, weil das Bewußtsein seiner intellektuellen Kräfte und Anlagen. Sogleich muß der Schüler das fassen, was er überhaupt fassen soll, im Augenblick, d. h. bevor der Lehrer den Gegenstand verläßt, und zu einem anderen übergeht. Darum kann nur der Lehrer sein, der faßlich darzustellen vermag. Und nur der vermag faßlich darzustellein bei dem Anschauungen und Begriffe zur vollkommensten Klarheit und danrit der Charakter zur Festigkeit gekommen ist. Weg mit dem Schaukelsystem m Begriffen und Charakter bei solchen, die Jugendbildner sein wollen. — Das, was der Lehrer — und der Schüler — weiß und ist, muß er augenblicklich darzustellen wissen. Was er nicht darzustellen weiß, das hat er nicht. Der formale Zweck des Unterrichts fällt zusammen mit den höchsten Zwecken der Erziehung, vor denen alles Anlernen von Unterrichtsstoffen als untergeordnet zurücktritt. Ek hat immer die Bildung des Verstandes, der-Vernunft, des Willens, mit einem Worte die intellekuelle und sittliche Bildung des Menschen im Auge. Wir fürchten, daß in neuerer Zeit auch in der jüdischen Schule gegen das Prinzip formaler Bildung vielsach gesündigt wird. Wir fürchten, daß die jüdische Schule vielfach auf Abwege gerathcn ist, aus denen nur klare Erk nntniß und tapferer irischer Muth uns wieder auf die richtigen Pfade zurücklenken könnten. Finstere Mächte, die dar Helle Licht der Erkenntniß scheuen, drohen einen Einfluß zü gewinnen auf das Leben der Schule, der uns große Besorgniß für. die Zukunft ejnflößen ^nuß. Wohl sind es

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