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Der israelitische Lehrer · 1867-02-07 · 6 (7.2.1867) · p. Seite 22

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
6 (7.2.1867)
Date
1867-02-07
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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22 fügung stellen Dar Gegentheil zeigt eine Mißachtung der Standes besonders dann an, wenn die etwa ausgesprochenen Ansichten denen des Redakteurs schnurstracks widersprachen. Und das ist hier der Fall. Es ist Ihnen leicht, die Lehrer Westfalens mit einem Wort' wie „unbedeutend" todtzuschweigen und todtzüschlagen. Sie find Rabbiner, und das Publikum, — so denken Sie — ist der Ansicht, daß der Dr Rabbiner das und Alles bester misten muß, als die Lehrer. Ein eigenes Uriheil kann sich ja ohnehin schon darum Niemand bilden, weil die Artikel, um welche es sich handelt, unterdrückt worden sind. Wenn die Lehrer Ihre Sachen verbreiten, so misten Sie das wohl zuweilenanerkennend in Ihrer Zeitung mit Ausdrücken, wie die folgenden: — „da sieht man wieder, was ein junger strebsamer Lehrer zu leisten vermag" — zu würdigen. Fragt man nun, worin besteht das Verdienst dieses Lehrers? io ist und kann die Antwort der Wahrheit gemäß nur die sein: er hat einige Exemplare mehr, als! sein Vorgänger, in -seiner Gemeinde abgesetzt Das ist ein l guter Exporteur, das-ist sicher; ob auch ein guter Lehrer? — wer könnte das schon hieraus schließen? — Was folgt aber hieraus? Ihr, geliebte Collegen, seid willkommen, -wenn Ihr Euch als gute Colporteure erweist; Ihr werdet aber zurückgewiesen, wenn Ihr Euch einmal beikommen lasten wollet, eine Meinung auszusprechen. Wenn eine solche Behandlungsweise Euch ein Philippson, besten hervorragende Verdienste und lobenswerthen Eigenschaften nicht rühmend genug anerkannt werden können, angedeihen zu lasten kein Bedenken trägt; was habt Ihr alsdann erst von den cklis minoruw gentium, die als Rabbiner mit einem Philippson nicht verglichen werden können, zu er-! warten, zumal es bekannt, ist, daß viele dieser Herren so; gerne ihre christlichen Geistlichen gegen die Handlungsweise der . Lehrer resp. Küster nachzuähmen sich bestreben? Sind Euch! dergleichen Fälle nicht bekannt? Nun, dann dankt Gott, daß wir in Israel noch keine Geistlichen in diesem Sinne > haben. — Sie sagen: die Arbeiten'waren zu „unbedeutend." um! ausgenommen werden zu können. Wir müssen Ihnen das ) glauben, weil wir die Arbeiten nicht kennen und also zum eigenen Urtheile außer Stand sind. Erlauben Sie aber uns nur die Frage: Haben denn noch nie ganz unbedeutende Artikel in Ihrer Zeitung gestanden? Wenn Sie aber diese Frage bejahen müssen — und Sie können nicht anders, wenn Sie bei der -Wahrheit bleiben wolle«, j wir könnten Ihnen auch aus den verschiedenen Jahrgängen Ihrer Zeitung Belege Nachweisen — nun, so wäre es wohl gleichgültig, ob dann ein unbedeutender Artikel mehr oder weniger darin gestanden hätte, und Sie hätten alsdann nicht zu einer unfern Stand beleidigenden Aeußerung Veranlassung gehabt^ die Neigung der Lehrer aber hätten Sie hierdurch in einem noch höher« Grade, als Sie dieselbe schon besitzen, gewonnen. In der Gegenwart herrscht nun einmal das Bestreben, daß jeder Stand in seiner Sache mitsprechen, sie mitberathen und mit ausführen helfen will. Dieses Streben kann Ihnen als aufmerksamem Beobachter der Zeit nicht entgangen sein. Ist dem aber also, warum versagen Sie dieses Recht dem jüdischen Lehrer? Würden Sie, wenn dieses einem andern Stand geschähe, nicht nöthigenfallr für besten verletztes Recht in die Schranken treten? Wir zwei' feln hieran nicht Warum also hier mit andrem Gewichte wiegen? Verlangen denn die Lehrer etwas so Unerhörtes, so Ungerechtes? Keineswegs. Aber — Sie besitzen binlänglich die „technische Fähigkeit" wie nur irgend ein Lehrer Wir wollen daran gar nicht zweifeln *), „und also sind Lehrer zum Mitsprechen und Mitberathen nicht nöthig." Wir würden Ihnen auch dieses von Herzen gern einräumen, wenn eS sich hier um eine neuzugründende Anstalt handelte; da dieses aber nicht dgc Fall ist, da es sich hier um eine zu rcorganifirende Anstalt, deren Mängel, die nicht alle auf der Oberfläche liegend dem ersten Blicke sich darbieten, beseitigt werden sollen, handelt, so ist die technische Tüchtigkeit nicht allein genügend, sondern es ist praktische Kenntniß der beseitigt werden sollenden Mängel, die wegen ihrer liefern Lage sich dem Blicke entziehen, nöthig, und diese können wir Ihnen durchaus *) Wir sverden über das, waS wir unter „technischer Befähigung zum Lehramts!" verstehen, demnächst einmal uns wieder auszusprechen uns erlauben; heute nur so viel, daß >vir unter keiner Bedingung den Rabbiner darum zum Leiter einer Anstalt oder zum Schulhalten oder zum Milsvrechen in .'technischen Schulsachen" für befähigt halten, weil er einmal eine Religionsschule leitete oder dergleichen: ebensowenig als ein Lehrer heswezen die „technische" Befähigung zum Raddinate hat. Weil er einigte 2^'" aus dem V'V und einige „Blätter" kennt, oder einmal einen Vortrag in .1. halten kann! Selbst die 13^12 mache nach unterer) Ansicht weder zum Rabbiner — wir habe» größeren Respekt für den erhabenen Berus, das Amt eines solchen, noch zu« Lehrer. Schulsachen sind für den Rabbiner bislang Allotria — das ist unsere Ansic >t von der „Emancipation der Schule von der Nirche;" was, plebeji ch gesprochen; so viel heißt, als: „Schuster, bleib' bei deinem Leisten." — Traurig genug ist's freilich, daß unser» jüdischen Gemeinden, die doch sonst so freisinnig sein »vollen, in Schulsachen noch stark der Zopf iilich hinten hängt, und sic nicht einschrn und verstehen, daß für die Schul« ein simpler, tüchtiger Schulmeister tausendmal mehr taugt, als der hochgelehrteste Theologe, auch wenn er akademische« Bier in Eimern! getrunken hätte. Riederdrückend für den Lehrerstand und daS Weiterkommen der besten Lehrer behindernd ist'«, daß dieser Aberglaube nickt weicht. Ist der Theolege, der angehende Rabbinatscandidat in seinem Jach« tüchtig, dann findet er heutzutage in seinem Berufe angemessene Verwendung und hinlängliche Beschäftigung — denn auch au tüchtigen Rabbinern ist kein Ueberfluß, und er darf, .wenn'er ein ganzer Mann ist, diesem Berufe nicht untreu werden; ist er aber in seinem Berufe nicht tüchtig, dann ist er überhaupt kein ganzer Mann, dann hinaus mit ihm aus dem Heiligtbum der Schule und der Lehrerbildung, wo man nur ganze Männer, Lharakrere, braucht. Wer will es ivagen, einen ganzen, einen tüchtigen Elementarlehrer hinter einen halbwüchsigen Rabbinat«- candidaten zu rangiren? oder wer wird es wagen, zu sagen, ein guter Lehrer sei nicht ebenso „gebildet" im gewöhnlichen Wort-Sinne, als ein schlechter — ein mittelmäßiger und selbst ein guter Rabbiner? Wer eS versteht, wird wissen, daß man in Schulsachen nicht so nebenbei als „Dilettant" ein ivenig „machen" kann, daß auch dazu der ganze Mann nöthig ist. Man weiß, wie hoch wir den Beruf der Rabbiner schätzen und daß wir chnen selbst einen niaßgebenden Einfluß aus den Religionsunterricht gewahrt wissen wollen. Aber — was haben die nur von Rabbinern geleiteten Religionsnnterrichtsanstalten geleistet? Woher kommt'«, daß die Hälfte der darin Unterrichteten nie hebräisch lesen lernt? .Wie war es möglich, daß ein als Rabbiner und Gelehrter hochberühmker Mann ein ]n2T nnjo der Oefsenttichkeit übergeben konnte, ein so lächerliches Ding, worin der hedrässche Unterricht sans 6 Seiten das ganze Material-, mit lateinischen Letter« „applicirt" wird, und daß ein anderer berühmter theologischer Recenscnh der „technische«" Verständniß vom Schulfach hat, sich lobend darüber aussprach?. Wir möchten die Lust von schädlichen Dünsten reinigen — dazu find ernst« Wort« nöthig. — Die Redaktion des „J«r. Lehrer."

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