Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 6 (7.2.1867)
- Date
- 1867-02-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der AsmellllseKe IeKrer. Zeitschrift für die gesammten Jntereffen des israelitischen LehrerstandeS und zugleich Organ für den Verein znr" Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und' -Waisen in Deutschland. J\§ 6. Mainz, den 7. Februar 1867. ' (Siebenter Jahrgang.) Döchcntlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonncmmttzpreis 27 lr. 1/4 Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Zweites Sendschreiben an Herrn Rabbiner -Dp. L. Phi lippfon in Bonn, Redakteur der „Allgemeinen Zeitung deS Judenthums". Erwitte, 27. Jan. Wenn allgemeine Angelegenheiten öffentlich verhandelt werden, so sollte man glauben, daß jeder, der sich ein Urtbeil in der Sache zutraut, dieses auszusprechen auch das Recht habe; daß durch einen regen Gedankenaustausch der Berufenen das Jntereffe wachgehalten und die Liebe zur Sache nur gefördert werden muß und daß, wenn aus den Debatten die Consccsuenzen werden, das Unbedeutende, welches dieselben mit sich geführt haben, das Verdienst hat,, das Bedeutende in ein klareres Licht zu stellen beigetragen zu haben. AuS diesen Gründen können wir auch dem Redakteure eines Blattes, wie sehr wir ihn auch immerhin ob des hohen Grades der von ihm erlangten wissenschaftlichen Tüchtigkeit und ob der großen Zahl seiner anerkannten Verdienste verehren mögen, das Recht nicht zusprechen, über die Geisteskinder Anderer einseitig Zensur zu üben und ihnen, weil sie gerade von Lehrern herrühren, mit der vornehmen Bemerkung, daß man sie fpr unbedeutend halte, die Aufnahme zu versagen.! : Denn, was dem Redakteur von seinem Standpunkte, da er doch eben wie jedes andere Menschenkind nur Jnd viduum ist, i „unbedeutend" erscheint, kann möglicher Weise vem größten! Theile seiner Leser, von einem andern Standpunkt betrachtet, anders und vielleicht gar höchst bedeutend erscheinen. Ja, die Erfahrung hat wiederholt dargethan, daß Arbeiten, welche die Redakteure als „unbedeutend" bei Seite legten,; m der That vom Publikum im ganz entgegengesetzten Sinne beurtheilt worden sind, daß diese Arbeiten sich aber . dieses Urtheil und diese Behandlungsweise des Redakteurs nur zugezogen habm, weil sie der Ansicht deS Redakteurs widersprachen, der nur die Unfehlbarkeit seiner Ansichten vor der Oeffrutlichkeit aufrecht erhalten wollte. Di ses Verfahren mochte angeheu, so lange eS nur ein Organ gab, : durch welcher derartige Arbeiten in die Oeffentlichkeit dringen konnten; er ist aber völlig unzweckmäßig, seitdem eS ' andere Wege für solche Kinder des Geistes gibt, auf denen sie daS Licht der Welt erblicken können. Weiß man doch von gewiffen Redakteurin, daß sie — um alle in die Herrschaft zu behalten — nicht einmal eine Anzeige eines neuerscheinenden Blattes aufnahmen, um die Eristenzfähigkeit deS Blattenicht zu fördern, wodurch die eigene vielleicht geschmälert worden wäre. Zu einem solchen Verfahren ist aber ganz gewiß die Redaktion 'eines Blattes nicht berechtigt, das dm Titel „unparteiisches Organ" an der Stirne trägt. — Diese Gedanken wurden in uns angeregt, Herr Di*. Philippsorr! als wir Ihren Artikel „Bonn"'in Nr. 4 Ihrer Zeitung'lasen. Mit Ausnahme unseres Sendschreibens in Nr. 52 dieses Blattes — dieses erklären wir Ihnen hier gerne — haben Eie, so viel wir uns erinnem können, noch niemals einem unserer Artikel die Ausnahme versagt oder solchen als unbedeutend zurückgewiesen. Auch unsre- Sendschreibens haben Cie mit Achtung in Nr. 52 Ihrer Zeitung „Bonn" Erwähnung gethan. Wir hätten also gar keinen Grund, uns über Ihr Verfahren zu beschweren, wenn Sie bei Ihren Expektorationen die Verfasser genannt und sich nicht des Ausdrucks „westfälischer Lehrer" bedient hätten. Denn, das weiß ja jedes Kind, daß „wenn man „kich" sagt, die Hühner alle meint." Darum aber auch möchte ich Sie über Ihr Verfahren hier öffentlich zur Rede stellen. « Ich achte Sie als wissenschaftliche Autorität, ich verehre-Sie aufrichtig wegen Ihrer vielen Verdienste um Juden und Judenthum; aber eben deßhalb halte ich Sie nicht für unfehl' ar, weil die Lehre von der Unfehlbarkeit einer Person im Judenthume noch keine Anerkennung gesunden hat. Wer hat Ihre Sachen verbreitet? Die Lehrer. Aus welchen Leuten, wenn man nach Westfalen und Rheinland urtheilen darf, bestehen wenigstens 7/s der. Leser Ihrer Blätter? Aus Lehrern. Muß ein Redakteur, dem dieses bekannt ist — oder ist e- Ihnen nicht bekannt? — nicht im wohlverstandenen eigenen Jntereffe einen Stand berückfichtigm, dem er, so zu sagen, alle seine Erfolge verdankt, dem er ewiffermaffen selbst entsprossen ist? Man sollte diewenigenS glauben, und wenn dem so ist, dann sollten Eie Ihr Blatt auch diesem Stande zu seiner Aussprache zur Ver- 9