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Der israelitische Lehrer · 1867-01-31 · 5 (31.1.1867) · p. Seite 18

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
5 (31.1.1867)
Date
1867-01-31
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 i sie erinnert uns an Einfachheit und Nüchternheit; in ihr ist kein Stillstand, sondern stete Thätigkeit, ste ermahnt uns also zur Arbeit, zum stetigen Wirken und Schaffen. — Sie zeigt uns ferner, daß'Nichts, in ihr verschwindet, sondern, daß durch die Auflösung irgend eines Körpers wieder ein anderer entsteht; gibt uns also das herrlichste Bild der Unsterblichkeit des menschlichen Geistes. — Wir sehen hieraus, daß die Natur uns zur Erkenntniß Gottes, zur Verehrung desselben, zur Erfüllung unserer höchsten Pflichten antreibt, daß sie uns den Weg zu unsrer Bestimmung zeigt, also die Grundlage der reinsten, lautersten i Religion ist, und es muß das Geschrei der sogenannten i Ueberfrommen,' das zu allen Zeiten und insbesondere auch | jetzt wieder sich erhebt und das glauben machen will, die > Naturwissenschaft veroränge die Religion, verstummen; die i Gründe.dieser Fanat ker müffen als untnftig wegfallep — i Ich glaube, durch das bereits Gesagte, das natürlich ' in allen einzelnen Tyeilen hätte weiter ausgeführt werden i können, zur Genüge dargethan zu haben, wie wichtig die; Kenntniß der Natur für jeden Menschen ist. Ja, die Natur, die, wie wir gesehen daben, in alle unsere Verhältmsse^eingreift, in der wir leben, von der wir selbst ein Glied sind, , der wir Alles verdanken, waS wir be^tzen, in der Gott webt j und lebt, die sollte nicht von Uns angeschaut, betrachtet,! durchforscht und für unser physisches und geistiges Leben '■ anwendbar gemacht werden? Gewiß, sie wird es, sie muß; es I Und zwar von Jugend auf muß sie es I > Die Schule ist . ee namentlich, die dazu berufen ist, ■ diese Wissenschaft zu pflegen, und schon in das zarte Km- I derherz die Keime derselben einzupstanzen; denn sie (die; Schule) ist ja die Vorbereitun. sanstalt sür's Leben, sie ' darf alio kein Mittel unbenutzt lasten, das ihren hohen , Zweck erreichen -hilft. Sie muß das Fundament zu allen I Kenntnissen und Fertigkeiten legen, die der Meüsch im Leben braucht, und da/ wie wir gesehen haben, die Naturl Wissenschaft so nützlich , io heilbringend für'S Leben ist, so darf sie dieselbe nicht gleichgültig betrachten, noch viel weniger ganz bei Seite'schieben-wollen. Sie muß im Gegentheil mit aller Kraft dahin arbeiten, daß sie gefördert und allgemein verbreitet werde. Sie soll und darf nicht blos mehr das Eigenthum einzelner Gelehrten, sondern muß Gemeingut des ganzen Volkes werden. Ich will damit nicht sagen, daß jeder Einzelne ein gelehrter dieser W stenschaft werde, daß er;. B.. die Pflanzen uach dem Lmne'schen System einzutheilen im Stande sein und die fremden Thiere alle kennen lernen soll rc.; nein, er soll nur die Natur und ihre Erscheinungen auszufasten verstehen, er soll namentlich das idn llmgedende näh-.r kennen lernen, das Nützliche und Schädliche,- um es für sich und'Andere gut anwenden zu können; es soll. Liebe zur Natur in ihm erweckt werden; er soll sich selbst so darin .erblicken, daß er zum wahren ' Menschen werde Das Uebrige wollen wir gerne den Ge-; lehrtm überlasten. — .; Warum sollten der Taglöhner und der Landmann, \ die den Boden bearbeiten, nicht wissen, welche Bestandtheile ' ihr Acker hat, welche Arten von St inen m ihrem Steinbruchs sich voi fiuden, wiei ihr Gebirg, das sie umgibt, sich einst gebildet? Gewiß werden sie, wenn sie ^dieses Alles kennen, mit mehr Freude und Lust arbeiten, sie werden selbst nachsorschen, veredeln, die Natur beschützen. Manches Bäumchen würde nicht zerknickt, manches Thier nicht gemartert werden, wenn derjenige. der solches Unrecht begeht, die Natur und das Verhältniß, in dem er zu ihr steht, richtig ausgefaßt hätte; mancher Tadel gegen die Schöpfung und dessen Urheber würde unterbleiben, manche Unzufriedenheit beseitigt werden, wenn Jeder den Zusammenhang der. geschaffenen Wesen erkennte Wie Mancher beschwert sich z. B. über die Menge oder manche Arten von Insekten, und doch gehört diese Jnsektenwelt mit zu den nützlichsten Gliedern im großen Naturhaushalte! Die Naturwissenschaft darf also dem Volke nicht vorcnthalten. sondern sie soll ihm mitgetheilt werden und zwar zu seinem Nutzen und Vergnügen Darum, muß die Volksschule das Ihrige beitragen, diesen Zweck zu erreichen, und sie kann es, wenn sie ernstlich will. — Aber nicht allein deßwegen nur soll die Volksschule diese Wissenschaft frisch aufgreifen, weil sie wichtig fstr's Leben, sondern auch darum, weil sie 2) als Unterrichtsstoff am geeignetsten ist, das Anschauungs- Denk- und Gefühlsvermögen des Kindes anzuregen und zu fördern. Die Naturwissenschaft/ die in unfern Volks'chulen meist noch zu den bedingt nothwendigen Lehrgegenständen gezählt wird, ist gewiß, wenn sie richtig benützt wird, einer der wichtigsten, die wir lehren. - Nehmen wir das Kind, wenn es zur Schule kommt. Was wollen wir mit ihm anfangen? Das trockene Lesen wird es wenig.anziehen, mehr allenfalls das Schreiben. Vom Rechnen, Sprachlehre und sonstigen Unterrichtsgegenständen kann natürlich wenig oder gar nicht die Rede sein. Wir müssen vor Allem das Kind anschauen und betrachten lehren. Ich glaube schwe lich, daß man einen geeigneteren Stofs zum Anschauungsunterricht, finden werde, als eben die Natur. Wir lassen das Kind sich Umsehen in seiner nächsten Umgebung und es findet mit und ohne unsre Hülfe gewiß Manches, was es anzieht; wir zeigen ihm Blumen, Früchte, Thiere, die es gem sieht und hört, lassen es dieselben betrachten, erzählen ihm Etwas darüber; wir machen es nach und nach aufmerksam auf die Soelsen, die es genießt, auf die Kleidung, die eö trägt, und zeigen ihm, bei etwas vorgerückterem Alter, wie das Alles aus der Natur kommt; wir zeigen ihm dadurch, welchen Nutzen ihm die Natur gewährt. Indem wir es aufmerksam machen auf den Gesang der Vögel, auf die freundliche Sonne, den gestirnten Himmel, die blumenreichen Wiesen und Felder, das Rauschen des ^Baches und andere Naturschönheiten, zeigen wir ihm das Angenehme, das uns die Natur bietet. So wird das Kind vom Betrachten zum Unterscheiden, zum Urtheilen und zum Liebgewinnen der Natur hingeleitet. Es wird selbst suchen und manches Neue entdecken; wird uns mit Fragen bestürmen über das, was ihm bisher fremd war, es fragt nach Entstehung, nach Ursachen und Wirkungen, und wir geben ihm gerne Aufichluß. Natürlich müssen oft Spaziergänge in's Freie mit den Kindern vorgenommen werben. Ich werde ipohl dm Einwurf erhalten, daß eS hierzu an Zeit gebrechö; aber in diesem Falle wollte' ich lieber, daß manche Stünde, statt aus den Schulbänken, im »-

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