Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 5 (31.1.1867)
- Date
- 1867-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitschrift . für"die gesammten Interessen des israelitischen LchrerstandeS und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- Wittwen und -Waism in Deutschland. j\S A. iDtainj, den 31. Januar 1867. (Liedenler ^s.IrrxaLx.) Wöchentlich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnenientspreis 27 Ir. lU Thlr. Bei sranlirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fl. 12 kr. Anzeigen zu I Egr. die Petitzeil». Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Ueber die Wichtigkeit des lyatnrivi^enfchaft- Izchen Unterrichtes in der^Kolksscdule. (Ein Eenfercnzvortrag von K. Ml , (Schluß.) ' Wäre nun weiter kein Nutzen aus dieser Wissenschaft entsprungen, als der, daß der menschliche Geist durch ne zu einer Hohen Ausbildung gelangt, so würde das genügen, sie als wichtig, als großartig gelten zu lassen. Aber noch andere Voitheile wurden uns durch sie: ich meine t>) in materieller Beziehung. Durch die Naturwisienschaft wurde der Landbau be deutend verbessert. Vergleichen wir den jetzigen Stand der Lan wirthichast mit dem früheren; — röelch' ungeheurer Unterschied I Dadurch, daß man die Bcstandtheile des,Bodens, die klimatischen und andere Verhältnisie genauer untersuchte und kennen lernte, wurde es möglich, die richtigen Mittel anzuwenden, die zur Veredlung verschiedener Pflanzen und zum Mehrertrag deS Bodens beitragen.. Wer will die materiellen Vortheile verkennen, die durch die Erfindung des CompasieS für Schifffahrt, und Handel entsprangen? Alle Erdtheile stehen durch die Kenntwß des Magnetisnms im Verkehr miteinander; die Produkte und Fabrikate aller Länder und Völker kreuzen sich auf den weiten Räumen des Oceans und werden allen Menschen zugänglich gemacht. In unfern Fabriken, in unserm ganzen Gewerbewes n, welch' unberechenbare Vortheile durch die Chemie, die ein Zweig nur ist der gesammtenÄatui Wissenschaft! Welche Kräfte werden durch den Dampf ersetzt, wodurch io viele Kunstprodukte zu Tage gefördert, wohlfeiler geliefert und dadurch auch dem minder Bemittelten zugänglich gemacht werden! - — Dies nur Einzelnes von Vielem. — So groß nun der Nutzest genannter Wiffenschaft in geistiger wie materieller Hinsicht ist, so hat sie doch auch einen eben so großen Nutzen für v) das religiöse Leben geliefert. Durch dar Forschen in der Natur werden wir zur! reineren GotteSerkenntniß geführt. Sie ist das täglich auf- > j gesälagene Buch göttlicher Offenbarung. In ihr erkennen wir die höchste Allmacht, Weisheit und Güte eines * unendlichen Schöpfers und Erhalters derselben. Im Größ-! ten, wie im Kleinsten; im Sonnenball, wie im Insusionthier-! chen, im Palznbaum, wie in der Flechte, gibt sich eine allj waltende Vorsehung kund. Selbst der Ungläubigste muß hier eine höhere Kraft, einen Schöpfer erkennen. In ihr und durch sie lernen wir das Verhältnis! zu unfern Mitgeschöpsen richtig erkennen; denn in ihr sehen wir uns als l ein Glied — und zwar als das edelste — in der großen j Kette und werden hierdurch deutlich auf unsere Bestimmung, i auf unsere Pflichten, die wir gegen uns selbst, gegen die! Natur und gegen deren Schöpfer zu er'üllen haben, hingeleitet; durch sie werden wir von der Alles umfassenden Liebe des Schöpfers gegen seine Geschöpfe auf's Schlagendste überzeugt und selbst zu einer solchen Liebe angespornt. — Aber noch mehr! Durch die Naturwisienschaft wurde der menschliche Geist, der früher von dem Druck'des Aberglaubens belastet, aus Furcht vor nichteristirenden oder unschädlichen Dingen gelähmt und niedergebeugt war, von so'chen Fesieln befreit, und zum richtigen Anschauen, zum vernünf-! t gen Denken und Handeln bewogen. Wie Mancher schleppte sein Dasein in steter Angst vor Hexen, Gespenstern, Irrlichtern rc dahin; wie Mancher wurde durch die Unkenntnis der Natur um sein Vermögen, seine Gesundheit, ja um sein Leben gebracht! — Wie war bei solchem Aberglauben eine reine Gctteserkcnntniß möglich? Wie war es möglich, > ein Wesen zu lieben und würdig zu verehren, von dem man wähnte, es suche uns in seiner Schöpfung stets zu ängstigen? Dieser Druck verschwand, diese Fesieln wurden nach und nach gebrochen, der Menschengeist athmet freier, das Gemüth erschließt sich furchtlos den es umgebenden Schönheiten, und nur durch freies Denken, vorurtheilSfreies Anschauen und Betrachten, und rückhaltloses Hingeben sind wir der wahren Liebe fähig. Und die Liebe ist ja das Fundament jeder vernünftigen Relig-ion. — » Außer der Liebe weckt die Ratur^aber auch noch andere Tugenden in uns: Eie ist das höchste Mustek' von Ordnung,