Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 4 (24.1.1867)
- Date
- 1867-01-24
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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15 \a vielleicht das Gegentheil von deo> bewirkt hätte, was uuser und der Herren Agitatoren Wunsch ist. Eben so wenig aber hat die E mancipatio» etwas mit unfern Rabbinern und Synagogen, Lehrern und Schulen zu schaffen. Den Beweis finden wir in Frankreich. Die französischen Juden wurden durch eie am 5. Mai 1769 zusammen getretene «onstituirende National-Versammlung vollständig emäncipirt, und erst 13 Zabre später unter LoaiS Philipp übernahm, aus besonderer BerücksiL'igung. d e französische Staatskasse eine, übrigens winzig kleine Summe — wir glauben 35,OM Francs — sür Besoldung der Rabbiner, bis heute aber noch nicht einen Centime für Svnago,e. (?*) Schule oder Lehrer. Man sieht, daß man recht gut ema cipir , vollständig emancipirt sein kann und doch für seine religiösen Bedürfnisse und Schulen selbst sorge« muß. Wäre der Staat ganz und gar confesstonSloS, wäre die Kirche ganz und gar v'm Staate getrennt, so dürfte der Staat keinen Geistliche.! besolden (wie jn ^en Bereinigten Staaten vcn Nordamerika) und wenn er die christlichen Geistlichen dennoch mr? d n Staatskassen bezahlte, so könnten wir — rmmer noch nicht die Bezahlung der unsrigen fordern (denn in Altbayrrn stellt jede Sta^t und jeder Compler von Gemeinden, wo man den Gehalt aufbringen kann oder w ll, einen Rabbiner an), wir könnten nur verlangen, baß ein nach der Zahl der Consessionsgl edee bemessenes Aeqnivale.it gewährt würde. Das wäre strenges R-ckit — allein wo sollen wir das j ht, wo es noch S aatsreli,io»«n gibt, suchen? Und waS könnt' hier ein'Bitte um Cmincipatien fruchten? 'Roch Eins. „Der Staat/ schreibt uns eeen ein Mann von vieler Einsicht und mit Begeisterung für's Zudentbu n, „gäoe einem Rabbiner in keinem Falle mehr Gebalt als einem Pfarrer und würde dagegen die Rabbiner anstellen. Cb wir damit gebessert wären, steht sehr dahin/ Sind wir vor einer Clique „Äamoerger" so gm; sicher? Und nun vollends Lehrer und Schulen. Diese erklärt das Gesetz ausdrücklich als .llngelezenheit der Communen, der politischen Gem'.nben. Run sagt die Letztere: Ich stelle für die G meindegl.ever Schule und L Heer, kommt nur und macht auch Gebrauch davon, Ihr Israeliten! - Ci, Ihr wollt wist? Ihr oeoauptet, etwa- Befonder.-s für Euch nöthig zu haben? Wohl, wir w-hren's Euch nicht! — Iw weiß nicht, was sich m l Grund gegen eine solche- Argumentation cinwenten ließe. Aoer un'cre politischen Gemeinden >n der Pfalz lprechen in Wirktichk it nicht einmal so. In tea Seädten und größeren i>-ael tischen Gemekudcn wird der Lehrer ganz oder zum großen Tyeil aaS de» Kaffen der po- Ut-schen Gemenidm besoldet, in dm kleineren Gemeinden erhalten die Israeliten durchgehends sebr libral bemessene Beiiräge zu dm Kosten der Lebrer und Schulen „Cs gibt aber auch einige „gebässige AuS a.men?* „Wir wollen/ sast'der Herr Agitator, „als Recht fordern können, was man uns dir jetzt as Gnade gewährt!" Und das glauben Sie durch eine Petition um volle Emaacipat.on erreichen »u können? Der Saat kinn die Gemeinden nimmermehr zwingen, nachdem sie eine OrtS- oder Gemelndeschulc hergestellt haben, noch eine besondere für Israeliten zu f änden. Wo wäre dann die Gränze? Wo die Gemeinden der salz derart gemischt sin), daß sich etwa nur 20, 30 und selbst mehr katholische Familien unter der protestantischen Bevölkerung vorstudrn oder umgekehrt, errichten die Gemeinden keine besonderen Schulen für diese Minderheit — wie könnten sie gezwungen werden, dieß für die Israeliten zu thun, die in den pfälzischen Gemeinden sehr selten auch nur die genannte Zahl erreichen? — Und wäre das Verlangen auch nur gerecht? Wie, wenn die «enigen deutsch-katholischen Familien in unfern Städten .. '®er Staat gibt unseres WiffenS zuweilen Zas Hüffe zur crrbauung neuer Synagogen. Red. eine gleiche Forderung stelle»? Wie, wenn je 5, 10, 15 Familien zusammmträten und sagte»': „wir bilden eine eigene Ccnfesnon, gebt uns eigne Lehrer und Schulen sür unsre Kinder,'" — waS wollten wir ihnen entgegen, wen» wir Israeliten eS als Princip aufstellten, jede recipirte Confession — und die Gewissensfreiheit fordert die Anerkennung einer jeden — habe dar Recht, dieß zu fordrn? Man antwortet freilich: wir Israeliten sind eine schon längst bestebende. anerkannte Confession. Aber zugegeben, das Alter gäbe hier ein Vorrecht, so sagt der Staat unS mit dem Schul-Gesetz; von 16'il m der Hand: „ich k nne kej'.e Coniessionsich kenne n er Gemrindes-bulen, und ick wehre Cuch nicht, ja >ch wünsch: es, daß Ihr Cure Kinder in diese Schule schicket/ Wir selbst müßten, wenn wir nickt ungerecht argen die Gesammtbeit sei» und sür unsere Minorität ein i-ngebeures Privilegium in Anspruch nehmm w llten, eine gewiss.' Grenze sestietz:n, wo erst die V rpflichtung der.Gem-inden. NN« eine eigne Schule h rzurichten, anfinge, und singe diese z. B. bei 10 oder 5>> K ndem an. wären wir gegen die jetzigen Zustände n ch' ver>ch immert? — Rein, man miß vor Allem gerecht sein und anerkennen, daß das bayerifche Sämig'setz und namentlich der Usus und das Verfahren in den allermeist,n Pfälzischen Gemei. den'sür die Jraeliten ke n: Beeiniräcklignng m sich schließt. Wen» cs einzelne Ausnabm n qiebt, wenn wir hie und da noch Manches beseitigtz lsehenwü >schen— eine Bi'tc um C nancipa'ion, um „vollständige" Cmancipatio^vermag uns nicht zn helfen. Damit wollen wir nichr st»gen, daß die Jiraeliten in der P'alz die Hände anz^in den Schoos legen sollten. Um chie Abänderung jener beiden gesetzlichen Bestimmungen ücer Niederlassung auswärtiger. Juden und in Betr ff de- Landratbs könnten wir recht w hl bie.end einkomme». Cs besteht e-n ilraeli-' tisches Comite in der P'alz, vielleicht nimmt es die Sache in d«e Ha »d — wo nicht, so wi d die B tte jedes Einzelnen, nach unsrer Ansicht, ganz dieselbe Wirkui'g baoen: der Gegenstand und das zu erreichende Resultat stehe» zu einer größer» Agitation, w:e sie jetzt in Preußen vor,.bt, in schneiendem Mißverbältniß: gegen-ein un'.ed.ulendes Unwoblscin wendet der geschickte Arzt keine heroisch n Mittel a». Das Cvmite hat bei von/Hohe un) vo». der Piordten bis jetzt n.chks erreicht. Der Cideiiiurv zustuiuo siel tucch die Gerichte: das Comite supplicirte dann um Errichtung vois Stipendien für Lehramts-Candidaten und Präparanben ver nitplst »er Ra binatskaffen — es wurde abgewiescn; es iuppiic rte^ um 'lcnteruag der Wadlordnung der Synagogen Vorstände — es w >rte »bgew esen. Das Comitenabm - an» die Fra -.e de' Anstellanz jüd:-ch-r Cankdaten im Staatsdienst in die Hand; es war ibm aber n cht :>ögl»ch, in der Pial» Tbatsahen der U-bee-gehuna und Zurückweisung in einem solchem Gra e, von solcher Beschaff »beit auizufinden, -haß man sich davon einen Eindruck aus die öffentliche Meinung und aus die Volksverkreiuig versprechen duefle, sab auch, nach den gemichten Erfabrurgen, bei den leit »den Persönlichkeiten einen Mißerfolg voraus. So stebt die Sache in Wirklichkeit, ruhig und objektiv betrachtet. Weig es Je-vaid besser, so belehre er uns, wir sind jeder ruhigen, be>onnenen Gegenrede dankbar. Aber vor Allem — wir bitten sehr — wiege man sich nicht in süßen Täuschungen: eine Bitte um „Cmancipattön" z/ie wir baben) wäre gegenstandslos, würde — ob adgewiesen oder gewährt — auf die gegenwärtige Sachlage nicht den mindesten Einfluß haben, am allerwenigsten auf wirkliche Anstellung jüdischer Candltaten im Staatsdienst oder aut Besoldung urtirer L hrcr durch die politische Gemeinde. Hat nian aoer spezielle K>agen über Beeinträchtigung und Zurücksetzung, wohl! so formulire man >»e und wir stehen zur Sache des Judenthums, wo wir es vermögen — nur mit Windmühlen t l» Don Quixote fechten wir Nicht gerne! Berlin, 21. Dez. Die Petitioueu der Ober-Rabbi-