Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 4 (24.1.1867)
- Date
- 1867-01-24
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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14 bringen mir uns mit der Schnelligkeit deD Logeifluges einander naher (Dampfkräft);. durch sie verbreiten wir unsere Gedanken im- Nu dura, die Welt (Telegraph)-; durch sie sind wir sogar im Stande, uns von unserer Erde zum Himmel emporzuschwingen ' und auch dort die Wunder uns > theilweiie klar zu machen (Teleskop). Ich habe hier nur! einzelne Vorthe le! eruhrt, sie alle, auizuzählen, ist mir unmöglich; ebersio halte ich für unnöthi g, diese Bortheile näher zu beleuchten; Sie kennen sie eben w gut, als ich. (Sck. up fvlgr ) o ct» e n b c v i d> t. ' Aus der Pfalz.. (Unlieb v'eripätet.) Seit eimgrr Zeit lesen wir vier u:.d da iii jüdische» Zeiti'chrisken, zuletzt auch in unfern Pfälzer politischen Jeurnalm, Aufforderungen zu Peti- —tisren der Prälzer Jsraelilen oder, der Gesammt - Iudenschast BavernS an die demnätst (ö. Jan.) zusammentretende Kammer der rlandstär-de um .g?ma-ik>pation."' Wahrscheinlich wirkt hierzu Las Beispiel mit, das oon' den preußischen Israeliten in diesem Augenblicke gegeben wird. Wie dem seiwir sind überzeugt, daß die Herren, von denen jene Aufforderungen ausgehen, es recht gut mit der Sache des Iudenthu» s meinen und vom besten Euer beseelt sind, daß sie aber in ihrem wohlgemeinten Eifer eine große Verschiedenheit ln den Pfälzer israelitischen Zuständen und de» preußischen übersehen und. daß überhaupt in ibrem Rufe nach Emaacipati m e.ne kleine Begriff^Berwirrunz mitunterläuft. Wir wollen — siuc ira ct Studio, im Interesse der Sache, allein -^uns etwas näber zu verständigen suchen. Wir bitten a'so um Emancipation. um'vollständige Emancipation. Man wird-uns zunächst fragen: .In welchem Reckte steht Ibr Euren, christsichcn Mitbürgern nach? Wo macht das Gesetz zwischen Euch uid -Andersgläubigen einen Unterschied?" Seitrem es — durch nickt unbedeutende Opfer der Pfälzer Israeliten und als einziger Erststg Seitens des von ihnen bestellten Comite's — gelungen, ist, durch ern Urtbeil unsres obersten Gcri rtsbofs den Eid more juelaico als nicht ru Recht bestebend erklären ru lassen glaubten wir wirklich, es bestünden für die g'raeliten der Pfalzgar keine AusnabmSgesitze mebr. Genauere 'Nachforschungen belebrten uns, daß wir gleichwohl nock zwei gesetzliche Bestimmungen nambast machen könnten, dre uns eine Aus mbmstellung anweisen: Nack Analogie eines alten frauzSsifchen Gesetzes muß jeder auS AUbaiern —so'nennt n an hier die sieben baierisch.n Kreise jense.it des Rheines — tn die Pfalz einwandernde Jude die besondere Königlich: Erlaubniß zu seiner Niederlassung haben, waS aber.'da dieselbe niemals verweigert wird, zu ein.r blößen Formalität geworden ist. Zweitens fordert ein Gesetz, daß die Mitglieder des Landratbs — so nennt man in Baiern die Provinzial- oder Kreisversammlungen. welche vom Volke gewählt, jährlich in der KreiShauptstadt zusammentreten, um die. speciellen Interessen des Kreises zu beratben und das Kreis-Büöget feitzusetzen — dem christlichen Bekenntnisse angehören. . In der Praris würde die Aush.'bung dieser Bestimmung vorerst kaum'einen Erfolg haben. Allein will der Herr Verfasser jener Aufforderungen gegen diese zwei Gesetzes-Bestimmungen — unsres Wissens die einzigen, die unsrer .vollständigen" Emrncipation nock im Wege stehen — zu Felde ziehen, so bat er ganz Reckt; wir stehen zu ihm, wenn wir gleich kein gar so großes Ueoel darin sehen, falls diese beiden Bestimmungen noch, einige Zeit fortbestehen. Wir zweifeln nur, ob ti der Mühe lohnt, dafür eine große Agitation durch's Land geben zu lassen. An den faktischen Zuständen wird auch» wie gesagt, durch Aushebung jener beiden Bestimmungen nicht siel geändert werden; allein eS handelt sich um ein Princip, und wir geben mit, sobald man es für zeitgemäß findet, mit einer einschlägigen Petition vor die Stern* mern zu treten. »Aber eS handelt sich ja um weit mehr," höre ich den Hrn. Agitator — erlauben Sie mir der Kürze wegen diesen Ausdruck ohne alle Nebenbedeutung. denn wir erkennen wiederholt die gute Meinung an — rufen, .wir Israeliten müssen zur Stunde noch für unsre Synagogen, Schulen, Rabbiner und Lehrer selbst sorgen; wir Israeliten können nicht Minister, Richter, Beamte werden — das ist's, worüber wir uns zu beschweren haben." I Gemach, mein verehrter Herr, hier liegt eben, wie wir glauj ben, di: kleine Begriffsverwirrung, von der wir oben gesprochen j baden. Sie haben .,an; Recht, Sie wissen, wo d r Schuh > uns drückt. Sie miss n recht gut. was für uns zu erstrebe«! bleibt; aber werben wir das ans dem ron Ihnen vorgeschlagej tun Wege der .vollen Emancipation" auch erreichen? Geben | wir uns hierin, ich bitte i hr, keiner argen Selbsttäuschung hin! i Vergossen wir vor Allem nicht, daß was die Ernennung der Beamten belpisft, dieß eine Prärogative der Krone ist, in. welche nicht wir, nicht die Stände deS Reiches sich einzumischen irgend ein Recht haben, mit welcher die .vollste Emancipation" nichts, gar nichts zu schaffen hat. Die PrästlKnten der 6 Kreise, die Ministr unterbreiten der Höchsten Stelle die Vorschläge zu Anst llunzen, der Köniz genehmigt oder verwirft sie — wer kann Jene zwingen, ihm israelitische Eandidaten vorzuschlagen oder diesen veranlassen, seine Prärogative zu Gunsten von Jsraelilen auszuüaen? Und noch.mebr: es sind sowohl in Altbayecn, als in der Pfalz Israeliten im Staatsdienst anzestellt; es wird außeror- . dentlich schwer sein nachzuweisen, ob b esc Anstellungen Nicht in einem richtigen Verhältnisse zur Zayl der christlichen und israelitischen Bewohner des Landes stehen; denn wenn;. B. uatec 7~ Rechtscandidaten je ein Jsraelite zur Advokatur oder zum Notariat zugelaffea wurde — und wir glauben, das Verhältniß ist in Wirklichkeit noch günstiger — so hätten wir kein Recht, uns zu beklagen. Findet stch aber der Einzelne mit Unrecht übegangen, beeinträchtigt, so thut er wohl am besten, im eigene i Ranen zu reclamirea und zu suppl ciren'(wie es unsres Wissens Herr Carl David in <Sp:yer mck cem besten Erfolg gethan bat). Eine Bitte um Emancipation, ja eine rolle Gewährung cer Emancipation kann hier gar nichts Hilfen. Hier kann nur der Sieg der liberalen Ideen an maßgebender Seite Hülfe gewähren und da heißt es sich in Geduld fasse-. So lange ein Präsident der Pfalz, ein Herr o. d. Pfordten Premier- Minister in München ist*), dürfen wtr auf eine Besserung hierin eicht boffe-. Der Fortschritt der Zeit, di: Löjung der Frapn der bohen Po itik, die leitenden Persönlichkeit n — das ist's; was hier entscheidend in die Wagschale fällt, da kann ein: Petit on um Emancipation an die Kammern nicht fruchten. Dem Vernehmen nau hat sich schon vor längerer Zeit da- Eomite der Pfälzer Israeliten mit der Frage beschäftigt, oo eS nicht zeitgemäß fei, eine Beschwerde über daS Gebahre« deS Ministeriums bei den Anstellungen resp. Uebergehunzen israelitischer Eandidaten an di- Kammern zu richten, und daS Eomite war, wenn wir recht berichtet find, zn diesem Behufe mit dem Konsistorium in Belgien, in Paris und mit dem Wiener Synagogen-Vorstand in Eorresponden; getreten. Allein eineStheils erfolgen gerade in Bayern (mehr als in irgend einem deutschen Staate) Anstellungen von Israeliten, aaderntheils fand man sich, als mau die Beschwerden auseinander setzen wollte, arm an Thatsachen, an flagranten Beeinträchtigungen, an augenscheinlichen ungerechten Uebergehungen, welche auf die Kammern eine« Eindruck zu machen im Stande waren, und endlich mußte «an sich gestehen, daß, selbst wenn von Letzter« ein mißbilligende- Votum gegen die Minister hätte erlangt werden können, dieß doch von einem mehr als zweifelhaften Erfolg gewesen wäre, *) Sott sei Dank, wir können in diesem Augenblicke sagen: war. I