Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 6 (1866)
- Issue
- 52 (27.12.1866)
- Date
- 1866-12-27
- Page
- Seite 212 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428724-5431682--1523-4898005- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
212 wintel Rabbiner zu lein, sich dennoch für einen namhaften Rabbiner-1ä!t; und endlich: wie und auf Beantwortunq welcher Fragen werben die Morenus erthe:!t? Nicht wahr, der Besitz van zwei solchen MorenuS ist demnach noch gar kein sicheres Krite.ion, daß ihr.Inhaber ein Meister in der jüdischen Wiffemchast ist? Wenn also oas Diplom bas nicht gewährt, was es soll; wozu also denn Götzendienst mit Titeln treiben, welchem Weien klar denkende Geister unsrer Zeit mit Recht abgeneigt sind? Sor:e man viel nehr, daß der anzusicllende Seminardicektor ein tüchtiger Schulmeister, der .sich als olchec schon bewährt hat, ist, der nicht n>rr die allgemeinen Dsciplinen, sonoern auch gründlich hebräische Sprache, biblische Exegese, Thalmud, Midrasch und jüdische Re'igionsphiloiophle mit Meisterschaft unterrichMch zu behandeln versteht, so wird er der Manu «ein. dem man das D.rektorat des Seminars ohne Bedenken anvertrauen kann,' wenn er auch keine Mocenu besitzt. Ober sind etwa die Seminars, die Rrbbinen zu Direktoren haben, in der Art Muster-Anstalten, daß man sich um jeden Preis nur Rabbinen zu Seminrrdirek'oren wünschen must? Wir glauben dieses kaum und erst recht nicht, wenn wir an das Seminar in WürzburgH dessen Direktor, Herr Rabbiner Selig mann Bär Bam berge r, doch gewiß seine guten MorenuS besitzen wird, und an den Artikel aue Franken in Rr. 47 dieser Zeitung, geganntes Seminar bet essend — denken. Es möge dieses Beispiel genügen, da über andere Seminare, deren Direktoren Rabbinen -sind, noch nicht so viel in die Oessentlichkeit gedrungen ist, daß mau barauf ein gegrüudetcL llctheil basiren kann. Sw, Herr Rebakteur haben selbst in dwser Zeitung die Behauptung ausgestellt, daß'es eher tüchtige-Lchrer, als tüchtige Rabbinen gegeben; daß' die tüchtig m Lehrer die Rabbinen herangeb.ldet hätten. Wenn dem also ist, und wir be-. zweifeln Ihr scharf treffendes wohlbegründetes Urtheil hier durchaus nicht, warum sollen denn jetzt die tücht'gen Lehrer, die doch einst tüchtige Rabbinen auszubilben vermochten, ohne Morenus zu besitzen, nicht auch tüchtige Elementar- und Religionslehrer auszubilden im Stande sein? Sir sehen wohl selbst ein: eine solche Bedingung in dem Reorganisations-Statut der Haindo s'fchen Anstalt obligatorisch auszusprechen, läßt sich durch keine hinlänglichen Gründe rechtfertigen unv' ist daher auch wohl kaum srattha't. Dresterweg sagt: der Seminardicektor» braucht kein Geistlicher zu sein; ist rr >.s aber und besitzt die übr gen eriorderlichea Elgenschaiten, so schadet es vielleicht^!) nichts Nicht einmal die Hochschule braucht er besucht zu haben. Wollte er aber die Dozirmethode im Seminare anwenoen, io wäre dieses jedenfalls vom Nebel. Und so wünschen auch wir, daß der jüdische Seminardirektor kein Fachgelehrter in dem Sinn; sei, daß^er seine Muß; und-sein; Studien nur einer oder mehreren D:s;plinen. wie -etwa der jüduchen Archäologie oder Philologe ausschließlich zu-vende. Wix nützlich die Förderung dieser Studien auch sein mag, w durften sie doch seine:: Berufsstudien, die vor allem aiss die Förderung des seiner Leitung anpenrauten Seminars gerietet sein müssen, damit er hier aus der Höhe der Zeit sich halte, Eintrag t-un. wenn nicht gar die ganze Anstalt.empsindlich schädigen. Als Beispiel hierfür führen wir das frühere Berliner Seminar an, von dem, obgleich ihm der hochgefeierte allgemeinverehrte Altmeister der jüdischen! Wissenschaft, der dieser ehrwürdigen Mütrone zuerst wieder das Prachtzewand der hratigen Wissenschaftlichkeit anzog; > obgleich ihm ein Dr. Zunz, der. wenn es möthiq gewesen | wäre, beliebig viel Morenus von beliebig viel namhaftes I Rrbbinen beibringen gekonnt hätte, vorgestanoen hat, dennoch niemals ein Lichtstrahl m die Provinzen gedrungen ist, und das der dortige Vorstand — wahrscheinlich doch wohl wegen seiner Vortr-fflichkeit? dies Jemin ic ausiöste, um ein neues unter dem jetzigen Direktor yorwitz, dem ehemaligen Freunde Diesterwegs — ob dieser Herr aber ein« Morenu hat, wissen wir nicht — ,u gr inden. Wir glauben, daß aus dem Gesagten ebensowohl erhellt, wie ein jüdischer Seminaroirektor nicht sein soll, als auch wie ec sein soll Hat er nun die Qualitäten, die wir als unerläßlich hingestellt haben, und auch noch die nicht nothwendige eines Rabbiner Di-., so wollen wir diese als Hingabe gerne mit in den Kauf nehmen: kann er aber nur auf diese Zugabe seiae Berechtigung, Seminardicektor zu werden, geltend machen, so wünschen wir Lehrer chm alle» mögliche Gate, zu» Seminardirektor aber verlangen wir ihn entschieden nicht. Sollten aber dieie Titel den oyperorthoooxen Mann kennzeichnen, io sind wir der Ansicht, daß sie dann gewiß vom Ue 'el sind, weil der Seminardirektor den goldenen Weg der Mitte innehaltea soll, damit alle Pactheien ihm vertrauen können Denn s. g spezisisch jüdi-che Lehrer zetzen spezisisch jüdi'che Seminare, diese spezisisch jüdische Schulregulative und endlich auch eine spezisisch jüdisch; Versumpfung des menschlichen Geistes voraus, die auslaufen in — Wir wollen den Gedanken nicht weiter ausführen. Gott möge uns davor bewahren! Ist nun der Seminardirektor der Manu, der seinel» Posten gewachsen und seinen Platz würdig auszusüllen im Stande ist^ so verlangen wir ihn nicht an Leib und Seele gefesselt, wildern wollen in ihm die Seele des Seminars erblickt wissen, dessen Hauptsorge es i'eia muß. daß der ganze Unterricht, wenn auch von verschiedenen Lehrern ertheilt, dennoch ein einheitliches Ganze bilde, daß nicht der ein: Lehrer niedecceiße, was der andere ausgebaut hat. Damit er dieses vermag, muß ihm die Handhabung der Schulzucht, die Behandlungsweise der verschiedenen Disziplinen in der Schule überlassen bleiben. Dieses verstehen wir unter innerer Verwaltung. Wenn hier dem Curatorio irgend ein Recht einzeräumt werden soll, so kann es nur das sein, daß es die im Seminare zu lehrenden Disziplinen bestimmt, die Zahl oer etwa auszunehmenden Aspiranten fest'etzt und vielleicht auch allgemeine Grundsätze über Jchulzucht aufstellt, und durch sein Ausichtsrecht sich überze igt, daß sich in der Anstalt alles in eine.» Zustande befindet, der berechtigten Anforoerangen entspricht Zur äußeren Verwaltung aber gehört die Anstellung der Lehrer sowohl beim Seminare, als auch in den Gemeinden. die Beschaffung der 2hulutenstlien, die Verpflegung der Seurnaristen im Seminare und die grnze F nanzoerioaltung, und da wünschen wir Lehrer, gesisitzt auf die allge.neins Forderung der Zeit und im Interesse der Sache selbst, da dieses ja unsre eigenst; Angelegenheit betrifft, daß im Curatorio ein Mann unsres Standes und unsrer Wahl u sere Angelegenheit vertrete. Der Modus der W rhl bietet